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Der Israelit · 1897-08-19 · Heft 66 (19.8.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 66 (19.8.1897)
Date
1897-08-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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-^j^rrs.:^r...t>a^.gf>rjTyvy:'^;»r^** r.Y 127 t Weise aufgesaßt, beten Sie gewiß inbrünstig unsere alten Gebete, beugen sich willig dem Gesetze. Mögen Sie immer, denen vielleicht es nicht vergönnt gewesen, die heilige Sprache kennen zu lernen, die deutsche Uebersetzung zu Hilfe nehmen, mögen Sie immer, besonders die Damen, die Erzieherinnen künftiger Geschlechter, sich so Verständniß verschaffen, das ist löblich und zeigt von Bildungstrieb. Aber lassen Sie die heiligen Worte stehen, beten Sie in der Sprache, in der unsere Eltern gebetet haben, und gewiß werden Sie, wenn Sie mit Andacht beten, fühlen und erbauet werden. Ja! wenn jeder Israelit dies bedächte, dann würden unsere Synagogen mit heiligem Schauer betreten werden, dann würde er zerknirschten Gemüthes dort seine Tephillah verrichten und getröstet und gestärkt im Glauben und durch den Glauben das Gotteshaus verlassen. Dann würde ein neuer Geist in uns einkehren, dann würde jeder bestrebt sein, unserer Voreltern würdig zu werden und in Aufrichtigkeit in der Unschuld seines Herzens mit Gott wandeln. Ja! dann würden durch unsere Worte unsere Thaten geweihet werden, und als ein Mustervolk stände da die jüdische Elation. Wer sie beschimpfte, würde zu Schande werden, und gerühmt und als leuchtender Stern würde unter den Völkern hell glänzen in nie gesehener Pracht der Name: „Jude". Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 18. August. „Wir erachten es für unsere Pflicht, bekannt zu geben, daß die in Nr. 53 des „Israelit" gebrachte Nachricht aus Straßburg, betreffend einen Vorfall im dortigen Bürgerspital nach eingeholter Information völlig unwahr gewesen ist; wir sprechen demzufolge unser Bedauern dem Herrn Oberrabbiner Weil darüber aus, daß jener Artikel in unserer Zeitung Aufnahme gefunden hat. ** Berlin, 12. August. Ein Provinzialblatt läßt sich aus Berlin berichten: „In den letzten Monaten sind, wie man uns mittheilt, an das Berliner Polizei-Präsidinm von hiesigen jüdischen Anwälten zahlreiche Gesuche abgegeben worden, worin die Genehmigung zu Namensänderungen beantragt wurde. Die betreffenden Herren erblicken, wie es den Anschein gewinnt, in ihrem Vatersnamen, sobald derselbe einen zu ausgeprägt jüdischen Charakter an sich trägt, eine Schädigung ihrer geschäftlichen Interessen. Auch mögen es zum Theil Erwägungen ästhetischer Natur sein, die den Gesuchen zu Grunde liegen. Zum Beispiel wird es von Einzelnen als störend empfunden, sich Jsaacsohn, Jtzigsohn, Mosessohn oder Abrahamsohn nennen zu sollen. Dieser und Jener, der von antisemitischen Anwandlungen sich völlig frei fühlt, trägt nach Ansicht der Antragsteller gleichwohl Bedenken, sich in einer Rechtssache von Trägern derartiger Namen vertreten zu lassen, und die betreffenden Herren selber wünschen nichts so wenig, als von vornherein durch ihren bloßen Namen ihre jüdische Abkunft zu erkennen zu geben. Es ist das Bestreben vorhanden, sich von der großen Menge jüdischer Rechtsanwälte dadurch abzufondern, daß neue Namen-Benennungen ersonnen werden, die einen sofortigen Schluß auf die Abstammung verhindern. Ohne von der väterlichen Religion sich abz iwenden, wird der väterliche Name preisgegeben, gerade so, wie dies geschah, wenn Juden sich taufen ließen. Diese wollten dann durch nichts mehr an ihr Vorleben erinnert werden, während jetzt nur die jüdische Abstammung durch neue 'Namen verdeckt werden soll. Man will Jude bleiben, aber als Christ gelten Neu ist diese Erscheinung durchaus nicht: wir haben seit Jahren jüdische Schriftsteller, deren Namen christlichen Ursprungs find und denen viel daran gelegen ist, nicht als Juden angesehen zu werden. 'Neu ist nur, daß die Namenflucht unter den jüdischen Anwälten auftritt. Viele derselben gewahren wohl, daß der Rechtsanwaltstand in den letzten Jahren zu viele jüdische Juristen in sich ausgenommen hat, und daß hierdurch ein Mißverhältniß entstanden ist, das auch dem Publikum nicht hat entgehen können. Nun soll das Publikum auf weniger jüdische Namen stoßen, wodurch aber das Mißverhältniß nicht gehoben, sondern nur verdeckt wird." Die Tendenz dieser Mittheilung ist so augenfällig und läßt wohl selbst das blödeste Auge deutlich erkennen, daß hier unter der Flagge der unparteiischen Berichterstattung das Gift antisemitischer Verhetzung in Kreise hineingetragen werden soll, die demselben sonst unzugänglich sind. Während der letzten sechs Monate haben von allen jüdischen Rechtsanwälten Berlins zwei Gesuche um Namensänderung beim Polizei-Präsidium gestellt, welche auch genehmigt wurden. Stuttgart. Am 11. August fand im Hotel Deggmger die ordnungsmäßige Jahresversammlung des Unterstützungsvereins isr. Lehrer und Vorsänger Württembergs statt, die sich zahlreicher Theilnahme seitens der Mitglieder zu erfreuen hatte und durch die Anwesenheit dreier Rabbiner (Kahn—Heilbronn, Stö ß el—Stuttgart, Straß bü rg er—Göppingen) beehrt wurde. Nach kurzem Bericht über den Stand des Vereines und Rechnungsablegung über dtssen lötzlperstoffenes Rechnungsjahr folgten als Hauptgegenftände' der Versammlung 1. Grundlage. Aufgabe und Betrieb des Reli- ■

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