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Der Israelit · 1897-08-16 · Heft 65 (16.8.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 65 (16.8.1897)
Date
1897-08-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1267 siegen die inhumane Denkungsart, welche einen Menschen nicht nach seinen eigenthümlichen ^Eigenschaften, sondern nach seiner Abstammung und Religion b.uriheilt und ihn gegen allen wahren Begriff von Menschenwürde nicht wie ein Individuum, sondern wie zu einer Raffe gehörig ansieht. Unser StaatSmann ist von der Überzeugung durchdrungen, daß keincGefetzgebung über dieJuden ihren Endzweck erreicht, als die, welche das Wort Jude in keiner anderen Beziehung nr ehr aus zu sprechen nöthigt, als in religiöser, und er erklärt rundweg: „Ich würde daher allein dafür stimmen, Jaden unv Christen vollkommen gleich zu stellen. Wollten die ersteren nicht zugleich die Pflichten, die alle Bürger tragen, übernehmen, so würdc ich, wenn man alle Mittel, sie dazu zu bewegen, erschöpft hätte, sie lieber aus dem Lande verbannen. Denn Menschen im Staate zu dulden, die sich gefallen laffen, daß man ihnen wenig genug traut, um ihnen, auch bei höherer Cultur, die sonst gemeinsten Bürgerrechte zu versagen, ist für die Moralität der ganzen R rtion im höchsten Grade bedenklich." (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. E.R. Berlin, im August. Wenn ich mir erlaube, von zwei Briefen, deren K^nntnißnahine mir möglich wurde, einen weiteren, öffentlichen Gebrauch zu machen, so leitet mich hierbei die Ueberzeugung, daß diese Briese nicht allein eine Ehre für den Empfänger, sondern auch eine ehrenhafte Anerkennung der jüdischen Wiffenschaft bilden. Herr Docent Dr. A. Berliner, dessen „Geschickte der Juden in Rom" als ein epochemachendes Werk eine Verbreitung in allen Culturländern gefunden hat, wie sie selten einem jüdischen Werke zutheil geworden ist, hat von zwei Ministern oer italienischen Negierung Dankschreiben erhalten, deren Inhalt gerade in unserer Zeit eine freudige Genugthuung gewähren muß. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten schreibt unterm 15. Juli d. I. in wörtlicher Übersetzung: „Sehr theurer Dr. Berliner. Die Beschäftigungen dieser Tage haben mich verhindert, Ihnen für Ihre freundliche Sendung des Werkes „Geschichte der Juden in Nom" früher zu dunkelt. Ich wünsche vor allem. Ihnen meine Erkenntlichkeit für die liebenswürdige Widmung, mit der Sie es begleitet haben, auszudrücken. Der Gegenwand, welcher das Object Ihrer Studien gebildet hat, ist wahrlich würdig Ihrer Gelehrsainkeit und verdient die Forschungen, zu welchen die moderne Geschichtsschreibung jetzt mit unermüdlichem und gründlichem Eifer sich wendet. Es wird mir daher das Studium dieses Werkes, welches Sie so freundlich mir darbieten, sehr angenehm sein, als ein neuer und werthvoller Beitrag für die Geschichte eines Volkes, dessen Civilisation der allgemeinen Geschichte angehört. Genehmigen Sie, hochverehrtester Herr Doctor, den Ausdruck meiner Hochachtung und besonderen Werthschätzung. Ihr sehr ergebener C. Visconti Venosta. Vom Minister des öffentlichen Unterrichts E. Gianturco erging ebenfalls ein ähnliches Dankschreiben, in welchem unter den schmeichelhaftesten Ausdrücken der Anerkennung für den Verfaffer folgender Paffus enthalten ist: „Ich, der ich bereits Ihre orientalischen Studien kenne, werde mit dem lebhaftesten Jnterefle Ihre so intereffante Arbeit für die Geschichte des standhaften jüdischen Volkes lesen." Unser Dr. Berliner, den man in nahen wie in fernen Kreisen mit Stolz als einen der Unsrigen bezeichnet und verehrt, weilt gegenwärtig zu seiner Erholung und Erkräfligung im Engadin. Wünschen wir, daß er dort für neue Schaffenskraft fich ausrüfte, vorzüglich zu einer neuen Auflage seiner älteren Schriften, nach denen schon seit Jahren vergebens Nachfrage gehalten wird, weil sie bereits vergriffen sind. N. Frankfurt a. O., 14. Aw. Was unsere Weisen so bedeutsam hervorheben, daß das Scheiden eines wahrhaft frommen Mannes aus dem Kreise, dein er bis dahin angehört hat und ihm Muster und Vorbild gewesen ist, als ein sichtbarer und fühlbarer Verlust tief empfunden wird, dies erfahren wir jetzt in der allgemeinen Klage über das Hinscheiden eines Mannes, der in dem Häuflein der hiesigen a'*rr> die höchste Verehrung, aber auch in der ganzen Gemeinde die höchste Achtung besaß. Herr I. Struck ist vorgestern tm 80. Lebensjahre zum besseren Leben abberufen worden. Was er als Jehudi im wahrsten Sinne des Wortes gewesen, was er als solcher geleistet und gewirkt, dies hat sein gefeierter Schwager, Herr Dr. A. Berliner in Berlin in der Vorrede zum mrb nsv, das er ihm zum 70. Geburtstage gewidmet, in classischer Weise dargestellt. Was er aber speciell uns gewesen, hier am Orte, dies vermögen eben nur die Nahestehenden ermessen. Als vor mehreren Jahren er sich aus dem hiesigen Gotteshause herausgedrängt fühlte, weil er der Nebermacht weichen mußte, die mit dem Ruse nw nar rw** ei wwn anv6n ntt die Orgel einsührten, da trat er mit seinenr glaubensstarken Bruder, Leffer Struck, Gott erhalte ihn uns lange, mit dem opfermuthigen Herrn Br oh und Anderen zu einem Verein.'e'üvn zusammen, der einen vollständigen Separatgottesdienst einrichtete und bis heute erhält. So

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