Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-08-16 · Heft 65 (16.8.1897) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 65 (16.8.1897)
Date
1897-08-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448767--44427-2493522
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

i ii aiiif . iiuwiy.ji1jja i^i. *& 1262 den gegen diejenigen, welche Unruhen anstiften würden. Und in der That, am Tage vor Pfingsten bildeten die Bauern Patrouillen, welche Tag und Nacht die Straßen des Ortes durchstreiften. Die Ordnung wurde nicht einen Augenblick gestört. Die dankbaren Juden bewirtheten die Bauern, und eine Deputation brachte dem Pater Jakob den Dank für sein wirksames Eingreifen._ Gerichtszeituug ** Berlin, 3. August. Den Ursprung so vieler falscher Atteste und Empsehlungskarten kann vielleicht die folgende Mittheilung hiesiger Blätter erklären: Aus der Untersuchungshaft wurde vor .kurzem der vierten Ferienstrafkammer des Landgerichts I ein Mann vorgeführt, welcher sich Schriftsteller Adolf Zellmann nennt und aus Russisch-Polen stammt. Im Monat April d. I. erregte der Angeklagte dadurch Verdacht, daß er sich bei einem hiesigen Graveur einen Stempel mit dem deutschen Reichsadler bestellte. Der Graveur verständigte die Polizei, welche den Besteller feftnahm, als er den Stempel holen wollte. Der Fremde war in einem Gasthofe niedersten Ranges abgestiegen. In seinem Koffer fanb man die Gegenstände zu einer vollständigen Druckerei, um Stempel und gedruckte .Lvpfe zu Schriftstücken herzustellen. Es zeigte sich, daß man einen jener internationalen Schnorrer vor sich hatte, welche alle Län der durchziehen und hauptsächlich ihre jüdischen Glaubensgenossen brandschatzet!. Der Angeklagte hatte denn auch bereits von einer großen Anzahl hiesiger Firmen zum Theit recht erhebliche Unterstützungen erhalten. Seine „Schriftstellerei" beschränkte sich darauf, daß er Bittgesuche und amtliche Empsehlungs schreiben anfertigte, die ec mit den Stempeln versah, die er selbst gemacht hatte. Unter anderem benutzte er häufig einen Stempel der „Deutschen Gemeinde in Kiew". Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten für einen gemeingefährlichen Menschen, der für längere Zeit unschädlich gemacht werden müsse; er beantragte gegen ihn eine Zuchthausstrafe von einem Jahre sechs Monaten. Der Gerichtshof erkannte aus ein Jahr Gefängniß. Wersonakien. Berlin, l. August. Die philosophische Fakultät der hiesigen Universität hat unsere» Glaubensgenossen, Herrn Regierungsbaumeister Ludwig Borchardt in Anerkennung seiner Verdienste um die Erforschung altegpptischer Kunst denkmäler zum Ehrendoctor ernannt. Brüssel, 10. Aug. 3N diud Es dürfte die zahlreichen früheren Zöglinge und Freunde des Herrn Professor Ü. jfalj n, Begründer und seitheriger veiler des speziellen Handels- und Sprach-Jnstituts zu Brüssel, iuteressiren zu erfahren, daß derselbe im kommenden Monat Elul seinen siebzigsten Geburtstag und sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum feiert. vermischtes. Budapest. 2. August. Das Erekutivkomitee des ungarischisraelitischen Handwerks- und Ackerbauvereins hielt dieser Tage eine Anfnahrncsitzung Insgesammt lagen 02 Aufnahmsgesuche vor: 55 Bewerber würben nk> vollkommen qualifiziert befunden und zu Handwerkszöglingen aufgenominen. Das Komitee konstatirte mit Befriedigung, daß sich nunmehr auch Kinder mit größerer Vorbildung und besseren Schulzeugnissen dem Handwerke zuwenden und daß die diesfälligen Bestrebungen des Vereins von zunehmendem Erfolg begleitet werden. Mit den Ncuanfgenoinmctten beträgt gegenwärtig die Zahl der HandwerkSzögtinge des Vereins 325. Paris. Der Pariser Inschriften-Akademie theilte Botto, der Direktor des ärchäologischen Museum von Faro, der südlichsten Hafenstadt Portugals, eine interessante hebräische Inschrift mit, welche daselbst in einer Sandgrube gefunden wurde. Die Inschrift ist genau datirt. Sie stammt aus dem Jahre 1315 und ist die älteste dieser Art auf der Pore näen Halbinsel. Sie erwähnt mit Auszeichnung einen ehrwürdigen Rabbi Joseph Potoinat und muß als Grabschrist gedient haben. Das Dokument zeigt, das; schon zu Beginn des vierzehnten Jahrhunderts. 05 Jahre nach der Vertreibung der 'Araber aus Algarve und der Eroberung Faros durch die Portugiesen die Israeliten daselbst eine öffentlich gedul dete, start organisirte Gemeinde bildeten Ihre heutigen Nachkommen haben die Inschrift sofort erworben und an der Mauer ihres Friedhofs angebracht, so daß Direktor Botto sie nicht mehr für sein Museum gewinnen konnte. Philadelphia Während des Monats Juni kamen in unserem Hafen an 215 jüdische Einwanderer, von denen l.53 aus Rußland, 15 ans Oesterreich, 14 ans Galizien, s ans Ungarn, 7 aus Deutschland, 7 ans Polen, A aus Rumänien, 3 ans England, 2 ans Frankreich je einer von Norweger! und Schweden ivaren. Unter den 215 waren 108 männlich und U>7 weibliche. Die Ankömmlinge zerstreuten sich nach 22 verschiedenen Städten-, bemerkenswertber Weite waren darunter 33, deren Billets schon von ihren in Amerika weilenden Angehörigen vorausbezahlt waren. Feuilleton. Der Tstorascchreiber 2) von H. Berger. jAlle Rechte Vorbehalten, s „Hier legen Sie sich eine halbe Stunde zu mir ins Gras," fuhr der alte Mann fort, „und roenn es Ihr Herz erleichtert, theilen Sie mir mit, was Sie so weit gebracht hat. Ich kenne Sie nicht, und Sie wissen nicht, wer ich bin. Wer weiß, ob uns das Leben je wieder zusammenführt. Sprechen Sie also ganz ohne Gstne und wenn ich Ihnen aus dem reichen Schatz der Erfahrung meines langen Lebens einen Rath erlheilen kann, so werde ich es gerne thun; denn ich habe Sie vom sicheren Tode gerettet und ich möchte Sie auch dem Leben ganz miedergeben. Denken Sie, Ihr Vater sei hier an meiner Stelle und —" „O, erinnern Sie mich nicht an den Edlen, den die kühle Erde schon so lange deckt. Wäre er am Leben geblieben, so hätten Sie nrich heute nicht an dieser

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.