Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1897)
- Date
- 1897-08-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448767--44426-2493521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
4161 viele Erleichterungen und Verbesserungen wurden zu Gunsten der Gemeinde erwirkt. Die Fortschrittspartei verhielt sich, wie seit einer Reihe von Jahren apathisch und indolent, während die orthodoxe Partei durch Vertretung sehr tüchtiger und selbstloser Herren mit Energie diese hochwichtige Gemeindeangelegenheit vertreten hat, und ist es ihr nicht zu verargen, daß sie auch in rituellen Angelegenheiten ihren Standpunkt vertrat und gewisse Concessionen erwirkte, ohne sich aber neue Rechte anzueignen. Der Ausgleich zwischen dem Vorstande und dem Central-Comite war perfekt, bis auf eine bessere Stilisirung zweier Punkte des Ausgleiches. Unerwartet wurde auf Veranlassung eines Vorstandsmitgliedes und mehrerer Herren Cultusräthe, die den Ausgleich zu Stande brachten, mehrere Fo.tschrittsmänner veranlaßt, einen Protest gegen diesen Ausgleich an die hohe k. k. Statthalterei zu überreichen. Dieses Vorgehen ist uns unverständlich, da der Gesammtvorstand aus Fortschrittsmännern zusammengesetzt ist, die die Interessen des Fortschrittes vor Augen hatten und nach Kräften vertreten haben. Wenn der Vorstand nur dem orthodoxen Rabbiner da» Recht von „Gittin und Chaliza" eingeräumt hat, geschah es, weil der neuzuwählende Fortschrittsrabbiner nur von den Tempelsitzinhabern, während der orthodoxe Rabbiner sich der Wahl der ganzen Gemeinde unterziehen muß. Ob „Gittin und Chaliza", die selten in der FortschrittSgemeinde Vorkommen, diesen großen Vortheil des Wahlmodus aufwiegen, bezweifeln wir und überlassen es der Einsicht dieser Partei. Der Referent dieses Statutes, Vicepräsident des Cultusvorstandes Dr. Emil Byk hat sich daher veranlaßt gefühlt, aus dem Vorstände auszutreten, und trotzdem er durch Deputationen zum Weiterverbleiben ersucht wurde, beharrt er auf seinem Beschlüsse. ES ist wirklich zu bedauern, daß ein Mann, der seine beste Zeit für die Interessen unserer Gemeinde einsetzte, zurückgetreten ist. Wir haben in unserem Organe ununterbrochen den Vorstand ersucht, eine Enquete von Gemeindemitgliedern zur Vorberathung dieses Statutes einzuberufen, er hat leider unseren guten Rath nicht beherzigen wollen, wodurch sich viele radikale Elemente dieser Sache bemächtigt haben, weßhalb die Consolidirung unserer Gemeinde auf lange Zeit verhindert wird. Frankreich. Paris, 10. August. (Zum Zionismus^ Jsts ein Hoffnungsstrahl, der dem gesetzestreuen Bruder leuchtet, wenn er wahrnimmt, daß auch Vertreter der sogenannten Intelligenz wie der höchsten Finanzkreisen nicht nur nicht mehr ihre Blicke von dem düstern Bilde jüdischer Geschichte abwenden, sondern selbst für jenes jammervolle Zionsbild einen wehmuthsvollen Seufzer finden? Haben etwa die tausendjährigen längst verstummten Harfen auch an den Flüssen der modernen Babel, wie durch Zauberschlag ihre verlockenden Töne gesunden, um auch im Hetzen unserer feindlichen Brüder ein Echo wach zu rufen? Oder aber, ists nur wieder eines jener zahllosen Irrlichter in der Golusnacht der Geschichte unseres Volkes?- Fragen wir jene Wächter der Zionsmauern von welchen es heißt ctok* THpcrt -piron bv. Auf deine Mauern Jerusalem habe ich Wächter bestellt, „nb'bs nc top". Wie spät iftS, Wächter! um diese furchtbar lange Nacht? Bedeutet nicht jenes Aufleuchten am Horizonte etwas wie Morgengrauen? — Denn wenn auch in geringer Zahl, so sind diese Wächter leicht zu finden, weil ihre Thätigkeit uns genau bezeichnet wurde: n n» entert ipm rrb -vcn, d. h. diejenigen, die zerknirschten Herzens dreimal täglich ihr dwis *p,r v'bpii'b: im heißesten Gebete zum Throne des Allvater emporsenden, diejenigen, deren Hand nichts nach dem Munde führt, deren Gaumen keinen Genuß kennt ohne dieses Gebet. — So wird ihre Antwort lauten: Wohl haben einzelne ideale Männer unseres Volkes sich oft genug hinreißen lassen, um in einer momentanen Wallung ein Symbol der herannahenden Erlösung zu begrüßen, so wie Andere, und zwar der größere Theil, in einer maßlosen Arroganz des corrumpirten Zeitalters, die sogenannte Krppiri snpy Messiasferse erblickten. Allein, im Vergleiche zu allen zionsfreundlichen Bewegungen der Vergangenheit, nimmt die moderne nur einen qualitativ geringen Rang ein. Andererseits muß angenommen werden, daß eine Arroganz, die selbst beim scheinbaren Aufbau des Heiligthums unsere erhabenen Lehren und ihre Träger ignoriren will, dennoch nicht jenen Punkt erreicht hat, den unsere Weisen bi als Vorboten einer besseren Zeit bezeichneten. Halten wir uns denn an das Zeichen unserer Lehre: rrcn mtn p'ji. Nur durch Recht und Gerechtigkeit werden Zion und die Hetwkehrenden erlöst'. Neben wir diese treu und wahr, bis wir jene einstimmige Stimme unserer Seher vernehmen, wie es heißt: :xv jyz lt ptt b'p npr 7cm **p P’Sf ’1 8. K. Rußland. ** Kiew. Aus dem Flecken Nowaja-Odessa (Bezirk Kherson) werden dem Odesski-Listok unter 4. 16. Juni folgende Mittheilnngen gemacht: Vor Pfingsten verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden unserer Ortschaft das nämliche Schicksal erreichen würde, wie ihre Glaubensgenossen von Schpola und Kanatacouzena. Hiervon unterrichtet, versammelte der Pater Jacob Opoitchenko, der Pope unserer Kirche, die Bauern und wies ihnen die Gefahren eines solchen Verfahrens den Juden gegenüber nach. Die Bauern schwuren, daß sie nicht allein die Juden nicht anrühren, sondern sie sogar schützen rvür-