Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 64 (12.8.1897)
- Date
- 1897-08-12
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1247 nennunddreißig Zöglinge, die bis auf vier die Volksschule in Diez besuchen. Drei sind bei Meistern in oer Lehre, einer ist in der Erziehungsanstalt in Ahlem untergebracht. Mitten im Schuljahr, im Oktober, trat ein Zögling aus, um in die Höchberger Präparandenschule zu gehen. Mit Schluß des Schuljahres wurden sechs Zöglinge entlasten, von denen drei sich dem Kaufmannsstande widmeten, während je einer zu einem Seifensieder, Sattler und Bäcker in die Lehre trat. An Geschenken und Jahresbeiträgen gingen M. 29,572 ein. Die Ausgaben erforderten M. 22,892. Breslau, im August. Die Frage: „Ist das kaufende Publikum gegen betrügerische Manipulationen seitens der Verkäufer durch das Gesetz genügend geschützt;" z. B. ist was uns als Juden, infolge der wichtigen religionsgesetzlichen Consequenzen, hauptsächlich angeht — derjenige, der Butter zu kaufen wünscht, sicher, auch wirklich Naturbutter und nicht Margarine oder eine Mischung von Butter und Margarine zu erhalten, diese Frage ist gerade in der letzten Zeit bei Gelegenheit des Margarine-Gesetzes mcl und lebhaft erörtert worden. Es ist deshalb von großem Interesse, nachzuforschen, welche Resultate die nach dieser Richtung hin unternommenen llntersuchungen ergeben haben. Vor einigen Tagen sind die statistischen Ergebnisse des hiesigen städtischen chemischen Untersuchungsanrtcs während des verflossenen Jahres der Oeffentlichkeit übergeben worden. Rach dem Jahresbericht haben die Fälle, in denen für Butter reine Margarine oder eine Mischung von Butter und Margarine verkauft wurde, sich nicht nur vermehrt, sondern sie kehren sogar mit einer gewissen Regelmäßigkeit wieder; jedoch ist zu bemerken, daß die meisten der zur Kenntniß gelangten Fälle von Butterfälschungen in kleineren Geschäften und Vorstadtläden vorgekommen sind, während in den Großgeschäften reine Butter vorgefunden wurde. Jedenfalls beweist die statistische Feststellung, wie vorsichtig man beim Einkauf von Butter zu Werke gehen muß. Von Interesse ist ferner die Notiz des Berichtes über die Verwendung von Margarine seitens der Bäcker: „Wir erblicken einen fühlbaren Mangel darin, daß eine Definition des Begriffes Margarine bisher nicht existiert. Dieses Produkt scheint eine Vielseitigkeit zu besitzen, wie der Begriff Gift, der sich in eine allgemeine Definition auch nicht hineinzwängen läßt. Die Folge davon ist, daß unter Umständen auch fürchterliche Gemische als Margarine bezeichnet werden. Das gilt nicht etwa für die sogenannte Tafelmargarine, sondern für die von den Bäckern verwendete. In der Regel spielt sich die Sache wie folgt ab: Zunächst verwendet ein Bäcker in seinem Betriebe die Margarine mit einer gewiffen Schüchternheit, d. h. er verwendet nur gute Sorten. Schließlich werden ihm ganz billige Marken offerirt zu 80 bis 100 Mk. pro 100 Kilogr. Er läßt sich verleiten, einen Posten anzukaufen, und erhält nun als „Süßrahm-Margarine Ia" eine stinkende Schmiere, die nichts Anderes darftellt, als gelbgesärbtes ranziges Fett irgend welcher zweifelhaften Abstammung. Um die Maare wieder los zu werden, wird nun der chemische Sachverständige consultirt. Leider kann dieser nur in seltenen Fällen das Urtheil auf Verdorbenheit abgeben, denn es ist geradezu unglaublich, mit wie beschaffenen Fetten ein Bäcker noch Maare backen kann, welche nach seiner Angabe wohlschmeckend ist." Es giebt, bemerkt hierzu die „Jüd. Pr." sehr richtig, eine große Anzahl von Leuten, welche die Abficht und den guten Glauben haben, den rituellen Speisegeboten gemäß zu leben, dabei aber, wenn es sich um rituelle Fragen handelt, von einer vertrauensseligen Leichtgläubigkeit sind, die ihnen sonst durchaus nicht eigen ist. Für diejenigen, welche sich die „Maxime" zu eigen gemacht haben: „Ich halte alles solange für rituell genußfähig, bis ich vom Gegentheil überzeugt bin," und sich dabei beruhigen: „Es wird ja doch nur mit reiner Butter gebacken", dürften die auf genauer statistischer Untersuchung beruhenden Ausführungen des chemischen Untersuchungsamtes nicht ohne jedes Interesse in religiöser und auch in anderer Hinsicht sein. Oesterr.-Ungar. Monarchie. ** Pesth Glückliches Ungarn! Dort diskutirt man noch eifrig die Frage: Giebt es einen Antisemitismus in Ungarn? Der Finanzminister Lukaes hatte in einer der letzten Sitzungen des Abgeordnetenhauses gegen das Liebäugeln mit der Sozialdemokratie gesprochen und dabei gesagt: „daß dieses Streben zwischen den Grenzen des Antisemitismus nicht Halt machen, sondern auf solche Gebiete hin übergreifen wird, wo man es vielleicht nicht für wünschenswerth halten werde." Einen Tag später wurde diese Frage in derselben legislatorischen Körperschaft von einem anderen Redner berührt, und sie fand daselbst eine verschiedenartige Beantwortung. Hören wir den Bericht darüber: Böla Barabas war es, der auf die Aeußerungen des Finanzministers resiektirte. Er sagte: „Der Finanzminister hat gestern hier ein solches Wort ausgesprochen, welches wir im Parlament seit Jahren nicht gehört haben. Er sprach von Antisemitismus. Damit will er sagen, daß der Antisemitismus bei uns existirt." Stefan Rakovßky: Er ist auch vorhanden! (Heiterkeit.) N. Lepsönyi: Wie denn nicht! Gewiß giebt es einen solchen!