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Der Israelit · 1897-08-12 · Heft 64 (12.8.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 64 (12.8.1897)
Date
1897-08-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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gewisse Vertrautheit auf den verschiedenerlei Gebieten menschlichen Wissens anzueignen, die ihn (gar bald) in den Augen des gewöhnlichen Volkes mit dem Scheine der Gelehrsamkeit umgeben sein läßt. Aber gerade diese Leichtigkeit des Sichaneignens von allem möglichen Wissenswerthen behufs äußerlichen Pruukens und Großthuns, das nur allzuoft auch einen gewissen Schlendrian, ein Sichgenügeseinlassen im Menschen großzieht, hat nicht allein eine Verflachung des Wissens, sondern auch häufig eine Verflachung des Herzens zur Folge. Und wenn heutzutage das innige Gefühl für Elternliebe so selten anzutreffen ist, wenn wahres, edles Wohlthun fast gänzlich geschwunden ist, indem die heute ausgeübte Mildthätigkeit in zahlreichen Fällen mehr auf nüchterne Berechnung des Verstandes als auf warme Regungen des Herzens zurückgeführt werden kann, dann dürfte nicht zum geringsten jenes Halbwissen daran schuld sein, das in so selbstbewußter Weise dem alten Erfahrungssatze hohnspricht: nvy penn mow, „nur wenn du behauptest, dich beim Finden redlich abgemüht zu haben, kann man dir Glauben schenken." Diese Halbheit des Wissens, die nur zu häufig auch auf ein Fehlen von Charakterfestigkeit, von edler Gesinnung schließen läßt, sie übt ihre Rückwirkung auf religiösem Gebiete aus. Allein hier darf und kann es keine Halbheiten geben, wie ja jedes Eompromiß, die in Sachen der Religion bisher geschlossen wurde, immer doch nur zu einer gewaltigen Erschütterung derselben geführt hat. Unsere Religion, fie verlangt ein ganzes Herz, ein ganzes Gemüth: baai pa1? °?22 »gmn 2 rixjrai -p1?« n nx ntro cntrpni pci, denn, wenn ihr ernstlich euren Gott wieder suchen wollet, so werdet ihr ihn nur dann zu finden imstande sein, wenn ein jeder einzelne von euch nach ihm mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele verlangt." Und nun zurück zu der ersten Frage, von der wir ausgegangen, wann eigentlich schon das Ende für unsere Goluszeit anbrechen werde. Sollte vielleicht jene sogenannte zionistische Bewegung, die gegenwärtig als ein frischer Luftzug durch einen großen Theil der Judenheit fährt, als Anfang dieses Endes angesehen werden können* Den Köpfen einiger jung-akademischen Heißsporne entsprungen, hat diese Idee gar bald auch ernster denkende Männer erfaßt, und ist nunmehr zu einer Thatsache geworden, mit der man rechnen muß. Man sucht vergeblich in der ganzen jüdischen Geschichte nach einer Analogie zu diesen Bestrebungen. Denn während alle früheren ähnlichen Bewegungen mehr religiöser als politischer Natur waren und auf die Verwirklichung messianischer Hoffnungen abzielten, so will die heutige nationale Begeisterung, dir als Folge gerechter Entrüstung über das schmachvolle Loos so vieler Glaubensbrüder in den Herzen jener Männer aufffammt. nur als rein politische — und sie betont dies bei jeder Gelegenheit auf das nachdrücklichste — aufgefaßt werden. Ob aber bei einer Bestrebung, deren Endziel doch die Errichtung eines Judenstaates sein soll, Politik von Religion eine solch strenge Scheidung verträgt, das dürfte denn doch nicht allen ohne weiteres einleuchtend erscheinen. Zwar könnt es von Manchem als zwecklos betrachtet werden, schon heute, wo sich von jener ganzen Bewegung in übertragenem Sinne sagen ließe: „einen Schall von Worten höret ihr, aber greifbare Thatsache könnt ihr nicht sehen, als eben nur Worte," Verwahrung dagegen einzulegen, daß die Religion ganz in den Hintergrund geschoben werde; aber auf das eine kann mit unserer heutigen Haphtarah hingewiesen werden: Durch die Völkerwüste hindurch, in der Israel so viel Leid und Drangsal getroffen, soll jetzt der Weg wieder in das heilige Land unserer Väter gebahnt werden; und wie könnte dieses mit Erfolg anders geschehen, als durch die Hilfe unseres Gottes, unserer Religion, die uns durch so manchen Sturm der Jahrhunderte getragen. Die markigen Prophetenworte hsim n -pn i:b na-it» (Jes. 40. 3.) „Machet frei in der Wüste einen Weg für den Ewigen (Gott), ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott" sie müssen zunächst Widerhall finden in unser aller Herzen. Jener sich selbst berauchernde Eigendünkel, jenes übel angebrachte Selbstbewusstsein, das nur auf ferner eigenen Hände Kraft vertrauen will, muß schwinden, nya:: *n ^3 alle sich berghoch erhaben Dünkenden müssen ihre Niedrigkeit, ihre Ohnmacht Gott gegenüber empfinden. Denn man gebe sich keiner Täuschung hin, so sehr des Menschen thätigeü Zugreifen, so sehr Math und energisches Vorgehen am Platze ist, wo es gilt etwas Großes zu schaffen; selbst die frische, unverbrauchte jugendliche Kraft muß schließlich ermüden und erschlaffen, (Jes. 40, 29) D’iyj iBy*i bvs anrai iwr, wenn sie diese sich nicht zugleich auch in den Dienst einer viel höheren Idee, des Gottvertraueus, stellt. Nur wenn dieses hinzukommt, da hat man einen Halt, denn na n vpi, „Die auf Galt vertrauen, kommen stets zu neuer Kraft", sie können Alles zum Heil und Frommen der ganzen Judenheit zu Ende führen. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Deutschland. ** Frankfurt a. M., 6. August. (Deutsch- Israelitisches Kinderheim.) Diese Anstalt, die in Diez ihren Sitz hat, deren Verwaltung aber nach Franksuar gravitirt, wo von beu elf Vorstands Mitgliedern sechs wohnen, hatte im Schuljahr 1896/97

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