Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-08-12 · Heft 64 (12.8.1897) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 64 (12.8.1897)
Date
1897-08-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448766--44408-2493502
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

■ -stVg^r^ylWWßMht V * j-HUI ■ 1244 seitheriges Leben und seine Ausschweifungen, hier wollte er seine Liebe zu Esther vergessen. Aber die Muse der Einsamkeit und die majestätische Pracht einer großartigen Natur zwangen ihn zur Einkehr bei sich selbst und zur Betrachtung und Prüfung seines seitherigen Lebens. Sein Gewissen erwachte und anstatt Ruhe und Vergessenheit fand er Aufregung, Gewiffensbiffe und bittere Reue über ein verlorenes Leben. Verzweiflung erfaßte ihn und ließ in ihm jenen unseligen Entschluß reifen, bei dessen Ausführung wir ihn Eingangs dieser Erzählung gefunden haben. Er konnte keinen Trost im Glauben finden, denn längst schon hatte er seinen Glauben als überflüssigen Ballast über Bord geworfen und sein Lebensschiff so des Lotsens beraubt, der es in der Stunde der höchsten Gefahr durch Brandung und Klippen in den sicheren Hafen geleite. Es scheidet sich nicht so leicht vom Leben und trotz des festen Entschlusses, den er gefaßt, zitterte er vor dein Abgrund, bangte ihm vor dem Augenblick nach dem Sprunge. Aber die Verzweiflung trieb ihn weiter. Langsam, Schritt um Schritt trat er dem Abgrund näher. Sein Antlitz wurde bleich und starr. Schon fühlte er den Hauch des Todes aus der Tiefe entgegen wehen; er empfahl seine Seele dem Allmächtigen, ließ den Alpenstock, der ihn seither stützte, sinken und spürte, wie das Geröll unter seinen Füßen in Bewegung gerieth. Schon sah er sich zerschmettert unten im Thate liegen und die Raubvögel sich um seinen blutigen Körper streiten — da fühlte er sich ergriffen und in die Höhe gehoben, hinweggerissen von der gefährlichen Stelle und hörte eine Stimme in tiefster Entrüstung sagen: „Mein Herr, das ist Sünde! Das heißt Gott versuchen, wenn man sich in solche Gefahr begiebt. Danken Sie ihm, daß ich des Wegs gekommen bin und Sie vor dem sicheren Tode gerettet habe. Jetzt lägen Sie zerschmettert unten im Thale." Der junge Mann öffnete die Augen und erblickte einen riesenhaften Greis vor sich, der ihn mit eisernen Händen fefthielt und zürnend obige Worte an ihn richtete. „Lassen Sie mich!" bat apathisch der junge Mann. „Möge sich mein Schicksal erfüllen! Sie thun kein gutes Werk, mich dem Tode zu entreißen. Jetzt wäre es vorüber; ein verlorenes Leben wäre dahin — „Was? In Ihrer Jugend ein verlorenes Leben? Herr, Sie sangen erst an zu leben und wollen Ihr Leben schon ein verlorenes nennen! Das ist ehr- und charakterlos und feige. Sie haben nicht das Recht, das Leben, das Sie vom Schöpfer erhalten, zu einer Zeit, wann es Ihnen beliebt, wegzuwerfen; warten Sie bis Er es von Ihnen fordert." — „Ein Leben, werthlos wie das Meine." — „Werthlos? Ei, was wissen Sie denn, ob Ihr Leben werthlos ist oder nicht? Wissen Sie, ob der Allmächtige Sie nicht zu etwas Großen: ausersehen hat und Sie zuvor prüfen will, ob Sie auch der Ihnen zugedachten Aufgabe gewachsen sind? Werthlos ist kein Leben auf der Welt." — Der Greis hatte den jungen Mann, während er dieses zu ihm sagte, von der gefährlichen Stelle zurückgedrängt, und ihn fest am Arme haltend, führte er ihn zurück unter den Schatten der Buchen und Tannen, woselbst er sein Gepäck, einen schweren Zwergsack abgeworfen hatte. (Fortsetzung folgt.) Der erscheint wöchentlich iweimal, Monte** and Donnerftaga, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bet der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Per OvchhavSet verkehrt k»rch « f. et«»(fcc t, Leipzig' A«ßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig dielspaltige Petitzeilc oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheü 75 Pfennig. — Directe Francozrrserrdrrng unter Strerfband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. öfterr.. für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franeo etnzusenden. €im* Ittdf****** ***** <*** die Redaktion etngefandten Manuskripte» findet nicht statt, mau dittet deshalb, stch »an allen Einsendunge« eine Kopie zurvazudeyalte«. Inhalt (chanptdlatt). Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Plaudereien aus der Sommerfrische. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz Berlin Oesterr.-Urrgar. Monarchie: Wien. Budapest Rußland: Petersburg. Belgien: Brüssel. — Verrrrischtes. — Feuilleton: Der Thorasäireiber von H. Berger- Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Zur Paraschah: ijnnw. — Zeitungsnachrichten und Correspon denzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Breslau. Oester r.-Ungar. Monarchie: Pesth England: London. Türkei: Konstantinopel. Inhalt der zweite« Beilage: Liter arisches. - Zeitungsnachrichten und Correspo,»deinen: Rußland: Petersburg. — Vermischtes. _ «xira Beilage: Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz- — Expedition des „Israelit". Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actie„-(Nesellschatt in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.