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Der Israelit · 1897-08-12 · Heft 64 (12.8.1897) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 64 (12.8.1897)
Date
1897-08-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1243 statt, in welcher 7>2tt-!2 verbunden mit min und hnt so gepflegt wird, ist eine echt israelitische Anstalt HDiD ntiip 0"pnm, deren Bestand und Gedeihen zum Wähle und zum Nutzen armer jüdischer Kinder rrj/ZJ sicher und gefahrlos ist. Budapest. Vor Kurzem erhoben mehrere Bürger gegen zwei Lehrer einer städtischen Kommunalschulc die durch glaubwürdige Zeugen erhärtete Anklage, daß sie ihre jüdischen Schüler auf die empörendste Weise insultirten. Der Leiter des hauptstädtischen Schulwesens hat nunmehr nach Been digung der Untersuchung einen dritten Lehrer strafweise in einen entlegenen Bezirk versetzt, weil derselbe die jüdischen Schüler gegen die antisemitischen Lehrer zu schützen suchte! Feuilleton. Der Thoraschreiber von H Berger. jAlle Rechte Vorbehalten | Dort, wo das Gebirge sich jäh bis zur schwindelnden Höhe erhebt und die Felswände direkt bis zur Gebirgsstraße sich vorschieben, steht auf dem höchsten Punkte ein junger Mann und blickt mit verzweifelndem Antlitz hinab in den Abgrund. Auf seinem Antlitz perlt der Schweiß, sein Mund ist halb geöffnet und seinen Lippen entringt sich ein schmerzliches Stöhnen, welches sich durch das Echo der gegenüberliegenden Felswand verdoppelt, die Stille des herbstlichen Abends unterbricht. Er scheint den befferen Ständen anzugehören, denn sein Anzug ist tadellos und seine Hände, welche jetzt den Alpstock fest umfassen, sind wohlgepflegt. Wirr hängt sein rabenschwarzes, lockiges Haar um seine Stirne und das düster glühende Auge drückt einen verzweifelten Entschluß aus. Er hat mit dem Leben abgeschlossen und sucht durch einen letzten Sprung in die Tiefe Vergessen, ewiges Vergessen. Was ist ihm auch die Welt noch! Er hat gelebt und geliebet, genossen das irdische Glück. Ein Ekel hat ihn erfaßt vor der Welt und vor den Menschen, er ist lebensmüde und im Begriff, das Leben, das ihm nur noch eine Last erscheint, von sich zu werfen. Vater und Mutter, Bruder und Schwester, denen sein Tod Schmerz bereiten und die seinen Verlust beweinen würden, besitzt er nicht mehr; einsam steht er und allein in der Welt trotz seiner Jugend, müde und matt, verzweifelt und lebenssatt trotz der kurzen Zeit, die er gelebt hat. Und diese Verzweiflung ifts, die ihn in den Tod treibt, denn sein Geist findet keine Stütze, sein Herz keinen Trost im Glauben, in der Religion. Und doch war es einst anders. Seine Kindheit behütete das liebende Auge seiner frommen Mutter, seinen Eintritt ins Leben bewachte der scharfe Blick seines reichen Vaters und jeden Schritt, den er that, war sorgfältig erwogen und von der Liebe vorbereitet. Noch ehe er selbstständig genug war, um auf eigenen Füßen stehen zu können, verlor er beide Ellern und mit ihnen die Stütze und die Führer auf dem Wege durchs Leben. Er wurde früh mündig erklärt und gelangte dadurch in den Besitz eines großen Vermögens. Ohne den Werth des Geldes zu kennen, ohne zu wissen, wie schwer es ist Geld zu erwerben, stand es ihm in jeder Menge zur Verfügung. Er kam in schlechte Gesellschaft, wo man die Unerfahrenheit seiner Jugend benutzte, um ihn auszubeuten, ihn sittlich und moralisch zu Grunde zu richten. Ihm gefiel dieses entnervende Leben des fortgesetzten Genusses; er ahnte nicht, daß cs Körper und Geist, Leib und Seele vernichte und er dachte auch nicht weiter darüber nach, daß der Mensch nicht zum Genüsse allein auf der Welt sei, sondern eine höhere, edlere Bestimmung habe, die Schönheit der Natur, die herrlichsten Werke der Kunst machten keinen Eindruck mehr auf ihn; er war blasiert in des Wortes weitester Bedeutung. In dieser Gemüthsvcrfassnng lernte er ein junges, bildhübsches Mädchen kennen, und das Feuer der Liebe begann zu glühen unter der toten Asche seines ausgebrannten Herzens. Sie war die Tochter eines Thoraschreibers, eines armen aber frommen Mannes, dem vor Jahren die Frau gestorben war und dessen großer Haushalt jetzt aus den Schultern der einzigen Tochter lastete. Sie war ihren jüngeren Geschwistern Mutter, Schwester und Erzieherin zugleich und mußte mit dem geringen Verdienste des Vaters die nicht kleinen Ausgaben bestreiten, welche der Haushalt verlangte. Trotz der drückenden, bescheidenen Verhältnisse, in denen Esther lebte, war sic froh und vergnügt und der Muth einer glücklichen Jugend machte ihr die Last der Bürde der Armuth leicht. Aus einem Spaziergänge hatte sie den jungen Mann kennen gelernt. Anfangs hatte er geglaubt, sie sei wie die Mädchen, mit denen er seither verkehrt hatte, nur darauf aus zu gefallen, aber bald wurde er seinen Jrrthnm inne. Mit sittlicher Empörung wies sie jedes frivole und zweideutige Wort zurück und mied die Gelegenheit, ihn zu treffen, ihm zu begegnen. Aber je mehr sie ihn mied, um so mehr suchte er sic, je kälter sie sich von ihm abwandte, um so höher loderten die Flammen in seinem Herzen, und als sie ihm eines Tages seine Zudringlichkeit verwies nnd ihm jede Hoffnung raubte, erfaßte ihn ein toller Taumel. Roch mehr wie seither gab er sich einem ausschweifenden Leben hin und suchte die Flammen seines Herzens durch tolle Ausschweifung zu ersticken. Vergeblich war sein Mühen. Je mehr er Esther zu vergessen suchte, um so mehr mußte er an sie denken, und wenn er ihre keusche Reinheit mit der Koketterie und willfährigen Gefälligkeit seines Verkehrs verglich, erfaßte ihn ein Ekel vor seiner Umgebung und es trieb ihn hinaus, fort in Gottes freie Natur. Hier wollte er vergessen, wollte er sein

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