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Der Israelit · 1897-08-12 · Heft 64 (12.8.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 64 (12.8.1897)
Date
1897-08-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1242 er mit Koth; sein Christenthum ist ein Deckmantel, hinter dem sich die schändlichste Verleumdungssucht und sanatische Hetzsucht gegen Mitmenschen birgt." Sedlatzek fühlte sich persönlich hierdurch beleidigt und lud den Oberhofmeister zum Sühnetermin. Letzterer erschien nicht, und es ist nun wegen Beleidigung Klage gegen ihn erhoben worden. O e st e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. ** Wien (Synagoge in Steinbruch.) Die Steinbrucher israelitische Kultusgemeinde war bisher bemüssigt, den Gottesdienst in einer engen, unpaffenden Räumlichkeit zu vollziehen. Durch die Munisizenz der Gemeindemitglieder wurde eine größere Summe gesammelt, wodurch es möglich war, einen größeren Baugrund anzukaufen und demnächst werden auch die Baupläne fertiggestellt sein. Für den benannten Bauzweck haben dieser Tage Leopold Blankenberg und Gemahlin 200«> fl. gespendet. Budapest. Ungeheures Aufsehen erregt die bereits kurz berichtete Taufe eines 15-jährigen jüdischen Mädchens Namens Ilona Schönhauser. Das Mädchen war nämlich sehr gefährlich erkrankt und ihre Mutter bat um Aufnahme in das städtische Spital, wo barmherzige Schwestern in Ausübung ihres menschenfreundlichen Berufes sich mit Krankenpflege befasien. Eine Nonne hat dem armen jüdischen Mädchen nahegelegt, wenn sie gesund werden wolle, so soll sie sich in den Schoß der katholichen Kirche unverzüglich aufnehmen taffen, sonst würde sie sterben. Das Mädchen willigte ein und als es gesund das Spital verließ, nahm es in der Jnnerstädter Pfarrei im Geheimen die Taufe an. Wie verlautet, ist das Mädchen in Oedenburg im Kloster als Nonne „Marie" und hat gar nicht die Absicht dasselbe zu verlassen. Die Mutter jedoch hat gegen den Jnnerstädter Pfarrer die Strafanzeige erstattet. Rußland. ** Petersburg. (Die Polizei und die Juden.) Der Ackerbauminister hatte einigen Juden, die alte Soldaten waren, Land in der Nähe des Fleckens Dagmaroffka, Bezirk Melitopol, Provinz Tauris, überlaffen. Bei ihrer Ankunft hatten dort die Bauern (ehemalige Soldatenunter dem schlechten Regime der Orispolizei zu leiden. Um diesen Ungerechtigkeiten ein Ende zu machen, beklagten sich die Soldaten beim Gouverneur von Tauris, der einen Befehl erließ, aus welchem wir folgende Stelle hervorheben : „Die Polizei von Melitopol verdient harten Tadel, weil sie, statt den braven Leuten zu helfen und beizustehen, sie schlimm gequält hat." Es wurde schon früher über den Prozeß gegen den Polizeikommiffar Slowetzki berichtet, der einem jüdischen Greis, der schwer krank war, die Bastonade hatte geben lassen. Als der arme Grei» dieser barbarischen Behandlung erlag, wurde Slowetzki von dem Gericht in Kiew zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Auf Antrag des öffentlichen Ministeriums wurde dieses Urtheil von dem Kaffationsgericht kassirt und die Angelegenheit an das Appellationsgerichl in Kiew zurückoerwiesen. Dieses hat soeben Slowetzki zum Verluste aller Rechte verurtheilt und ihn auf lebenslänglich nach Sibirien verbannt. Belgien.? Brüssel. Der Lord-Major von London Sir Faudel Phillips ist hier zum Besuch gewesen und mit großen Ehren ausgenommen worden. Der König Leopold gab ihm zu Ehren ein Diner und verlieh ihm den Kommandeursrang des Leopold-Ordens. Allgemein ist man hier von dem englischen Glaubensgenoffen, der so hohe Ehren erlangt hat, entzückt und er selbst hat sich in allen Kreisen durch seine gefälligen Manieren, wie durch sein selbstbewußtes Auftreten hohe Achtung zu erwerben gewußt. Vermischtes. Colmar i. E. Der „Verband der Elsaß-Lothringischen Gewerbevcreine," hat es sich neben seinen verschiedenen sonstigen Zielen zur Aufgabe gestellt, den Hebel zur Hebung des Handwerkerstandes, ohne Unterschied der Eonffssion, besonders auch beim Lehrlingswesen anzusetzen. Die Besserung des letzteren wird namentlich d.irch Aneiferung zum Besuch der Fortbildungs- und Zeichenschnlen, durch Vorträge, sowie durch Einführung von Lehrlrngsprüfungen zu erreichen gesucht. Den gleichen Zweck soll auch die erste Ausstellung von Lehrlingsarbeiten anstreben, welche vor einigen Tagen in Anwesenheit der Spitze der hiesigen Behörden durch eine Ansprache des Bürgermeisters Herrn Dr. Fl eure nt eröffnet wurde Bei dieser Ausstellung ist, laut Zeugniß von competenter Seite, die israelitische Gewerbe- und Kunstschule in Mülhausen besonders hervorragend vertreten. Diese Mülhauser Gewerbe- und Kunstschule ist bas Werk des Herrn L. L a n tz, Präsidenten des oberelsässischen israelitischen Consistoriums. Herr Lantz hat diese Anstalt auf fast eigene Kosten ins Leben gerufen und Herr Lantz erhält, stützt und fördert dieselbe geistig wie materiell ebenfalls fast allein. Schreiber dieser Zeilen, der ungefähr jetzt vor einem Jahre diese Anstalt zum ersten Male besucht hat, war erstaunt über die großartige äußere und innere Einrichtung derselben, über die Ordnung und Disciplin, die in derselben herrscht, über die schönen, mitunter Kunsthandarbeiten der Schüler, die theils an den Wänden der geräumigen, luftsreien, sehr reinlich gehaltenen Schlafzimmer der Schüler angebracht, theils in den ebenfalls geräumigen und sehr zweckmäßig eingerichteten Arbeitszimmern der Anstalt gruppenweise geordnet liegen. Jnsbe'ondere erfreulich überrascht hat mich der echt jüdische Geist, das echt jüdische Leben, welches der Anstalt den Stempel einer echt jüdischen Anstalt aufprägt, einerseits durch die streng-religiöse Erziehung der Zöglinge seitens des Direktors der Anstalt. Herrn Moch, früher Oberlehrer in der Mülhauser Gemeindeschule, der ein guter, frommer HW ist, anderseits durch die religiöse Belehrung, die die Zöglinge seitens der Herren Rabbiner Schiler in Bollweiler und Direktor Dr. Wolf in Colmar genießen. Eine An-

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