Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 64 (12.8.1897)
- Date
- 1897-08-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1241 Wohlwollen der Regierung und die Gleichstellung der Jude» mit den übrigen Confessionen in breiter Weise zu verherrlichen und rennt damit offene Thüren ein Hat denn der „Civis" oder sonst irgend Jemand das Gegentheil behauptet? Der Angriff richtete sich ja gar nicht gegen die Regierung, sond.rn nur gegen einige unzeitgemäße, aber noch zu Recht bestehende Verordnungen, und den Wahlmodus des Consistorium«. Auf die Aufforderung des „Civis" in der „Straßburger Post" und im „Gebweiler Kreisblatt", die Regierung möge eine Conferenz angesehener Israeliten berufen, um nothmendige Verbesserungen vorzuschlagen, hat Herr Dr. G. einen vorzüglichen! Gegenvorschlag: Man möge sich mit Namensunterschrift an das Israelitische Consistorium wenden." Wer, fragen wir Herrn Dr. G. ferner, soll diese Namensunterschriften sammeln? Wenn man auch vielleicht mit „Civis" in manchen Punkten nicht einverstanden sein mag, seine reinen Absichten und sein Eifer für die gute Sache verdienen nicht, in so abfälliger Weise behandelt zu werden. Und ob wirklich gerade Herr Dr. Goldstein der berufene und geeignete Mann ist, um die wahre Gesinnung der elsässischen Juden, insofern sie nicht indifferent sind, zum Ausdruck zu bringen, möchten mir füglich bezweifeln! Veritas. Straßburg. Für die in dem Artikel „Aus dem Elsaß" in Nr. 62 Ihres gesch. Bl. mitgetheilten Thatsachen diene zur Bekräftigung folgende wahre Begebenheit. Bei der im Juni d. I. in Colmar stattgehabten Plenarsitzung der drei Consistorien von Elsaß-Lothringen waren die Herren Oberrabbiner von Straßburg und Metz, sowie verschiedene auswärtige weltliche Mitglieder der Konsistorien zugegen. Der Oberrabbiner von Colmar, der am selben Tage in Colmar sich wohl befand, wohme trotzdem der Sitzung nicht bei. — Wie wenig Interesse muß man bei ihm für das ihm anvertraute Amt voraussetzen, wenn er nicht einmal für eine solche außerordentliche, nur allzu selten stattftndende Versammlung, die über die Interessen der gesammten elsaß-lothringischen jüdischen Bevölkerung verhandelt, einige Stunden Zeit findet! Oder hat er vielleicht nicht Rechenschaft geben wollen über die seiner Obhut unterstellten Anstalten? Mülhausen, 4. August. Der wuthschnaubende Artikel von Dr. Goldstein in einer der letzten Nummern Ihrer werthen Zeitung, muß alle anständigen Menschen aufs Tiefste erzürnen. Was ereifert sich überhaupt Herr Dr. G. in dieser Angelegenheit? Ist er vielleicht der Anwalt des Consistoriums? Die Consistorien haben aus alle Angriffe, die übrigens durchaus sachlich und im Tone der gebildeten Menschen gehalten waren, kein Wort erwiedert, weil sie eben nichts erwiedern können. Denn was wollte der Civis in seinen Artikeln? Daß man Gottesdienste für die Schulkinder einrichte, die am ^«»-Vormittag nicht in die Synagoge gehen können. Ist das vielleicht etwas Schlechtes? Ferner daß man ein strenges Reglement für die Prüfung der Religionslehrer einführe; Ist das etwa nicht wünschenswerth? Daß die Gemeinden ans dem Lande, mehr als IG» an der Zahl, in denen kein Rabbiner ist, öfter eine Predigt zu hören bekommen. Ist das etwa irrreligiös? Herr Dr. G. sagt, daß cs nur von den Wählern abhänge, ob das Consistorium orthodox oder liberal soll sein. Wie kommt es dann aber, daß im Consistorium zu Colmar nicht ein einziger Conservativer sitzt, obgleich doch die Mehrzahl der Juden entschieden eonservativ ist? Aber das kommt eben davon, daß von den ficbeu Mitgliedern immer fünf aus Colmar sein müssen. Wenn wir von Unterelsaß sprechen, brauchen wir nur einige Sätze aus dem Wahlaufruf für Herrn Jules Klein vom Mai 1895 anzuführen. Darin heißt es: „Das Consistorium entscheidet über das Wohl und Wehe der Gemeinden, daö Consistorium ernennt die Gemeindevertreter, es schickt euch euere Rabbiner, und ihr werdet nicht gefragt, ob euere Gemeindevorsteher euere Interessen vertreten, und ob euere Rabbiner euch gefallen. Die Beschlüsse des Consistoriums sind unwiderruflich und unabänderlich. Ihr könnt euch zwar beklagen, wenn euere Wünsche nicht erfüllt und euere Bedürfnisse nicht bc friediat worden sind, aber euer Klagen ist vergebens, und euer Widerstand ist jedesmal umsonst. Ihr klagt darüber, daß auf die religiöse Erziehung und Belehrung eurer Kinder nicht genug Sorgfalt verwendet wird, daß die Jugend auswächst ohne Kcnntniß der göttlichen G> setze, ohne Viebe zum Glauben der Väter, so daß die Gleichgüliigteit und Unwissenheit in religiösen Dingen in erschreckendster Weise überhand nehmen.' — So sind die Zustände bei uns, diese Zustände sollen jetzt gebessert werden, und da niüssen wir es erleben, daß Herr Rabbiner Dr. Goldstern in Mutzig, der sich als orthodoxer Rabbiner erklärt, anfängt zu schimpfen nicht etwa auf die schlechten Zustände, sondern ans achtbare Leute, welche diese schlechten Zustände verbessern wollen. Ein Alt-Elfässer. ** Berlin, 8. August. Gegen den Oberhofmeister der Kaiserin, Freiherrn v. Mirbach, hat der Herausgeber ves antisemitischen „Deutschen Generalanzeigers" Karl Sedlatzek, Privatklage wegen Beleidigung erhoben. Es handelt sich um die scharfen Äußerungen des Freiherrn v. Mirbach in dem Prozeß gegen Schwennhagen und Sedlatzek, der auf Grund eines in dem „Deutschen Generalanzeiger" erschienenen Artikels „Die Judengeldfammler für die Berliner Kirchenbauten" angestrengt worden war, und der mit der Verurtheilung Schwennhagenzu einem Jahre und Sedlatzeks zu vier Monaten Gefängniß endete. Freiherr v. Mirbach, oer in dem Prozeß als Zeuge vernommen wurde, sagte damals in Bezug auf den „Deutschen Generalanzeiger": Sein Vaterland ist wüste Demagogie, Thron und Herrscherhaus bewirf