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Der Israelit · 1897-08-12 · Heft 64 (12.8.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 64 (12.8.1897)
Date
1897-08-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I2ss langt. Da droht dem Jünger die Gefahr, daß er sich nur derjenigen Materie zuwendet, zu der ihn Jnteresie und Neigung führt und daß er andere nicht minder wichtige Dinge vernachlässigt. Derjenige, der au» Liebe zum Gesetzgeber sich dem Studium der Thora weiht, ist vor dieser Gefahr gesichert, mit gleicher Liebe wird er da» ganze Gesetz umsasien, ein jede» seiner Theile wird ihm gleich werth, gleich lieb erscheinen. xipx eix IM' vbv ui “pbx 'i rix nnixb xuri nanr’a 2^x1 jpt rrnxr rorx '21 '^xip'V utpx v2n uixipnp .(2*6 611J) 121 X2i? 11227k P]161 12,1X6 H6^ X^X Zu dem Verse ui yibs n ns nsnsb bemerkt eine Boratta, man soll nicht sagen, ich will Bibel lesen damit ich den Namen eine» Gelehrten erhalte, ich will die mündliche Lehre lernen, damit man mich Rabbi nenne, ich will lernen, damit ich ein angesehener Gelehrter werde und im Lehrhause einen hervorragenden Platz einnehme, sondern lernen soll man au» Liebe zu Ihm und die Ehre wird dann schon kommen. (Fortsetzung folgt.) Utaudereien aus der Sommerfrische. Homburg v. d. H., Ende Tamu». Seit 14 Tagen bin ich nicht hier gewesen. Ich könnte eigentlich Reisebriefe eine» Daheimgebliebenen schreiben. Aber ein altjüdisches Sprichwort sagt: „Ein Gast auf eine Weil, sieht auf eine Meil", da» will heißen derjenige, der nur vorübergehend an einem Ort weilt, deffen Blick ist viel unbefangener und objektiver wie der Blick desjenigen, der ständig sich an einem Platze aufhält und unter deffen Augen Veränderungen sich unbemerkt oder unbeobachtet von ihm vollziehen können. Auch an mir vollzog sich diese Erfahrung. Wäre ich immer hier gewesen, so hätte ich wohl kaum bemerkt, daß da» jüdische Publikum heute ein ganz anderes, wie vor 14 Tagen ist. Damals standen wir am Beginne der Saison, die Preise waren noch entsprechend mäßiger hier und demgemäß waren auch die Gäste: Obercantoren und Unterschamossim, Procuristen und Geschäftsreisende. Heute geht die Saison ihrer Höhe entgegen und Finanzsterne erster Qualität tauchen am Horizonte auf. Da hört man nicht mehr darüber streiten, ob Meyerbeer, wie Naumburg behauptet, zu seinem Liede Johann von Leiden'» die Melodie einer alten Keduschoh benutzt hat, oder ob umgekehrt die französische Synagoge sich die Weisen de» „Propheten" angeeignet habe, sondern man spricht über Gründungen von Aktiengesellschaften, über den Aufschwung der Industrie oder darüber, ob der oder jener Cultusbeamte fufpendirt oder neu angestellt werden soll, jetzt sind die allgewaltigen Herren Vorsteher selber da, denen das Schicksal so mancher ängstlich harrenden Angestellten in die Hand gegeben ist. Zweihundert Personen waren heute in der bekannten „Volksküche für die oberen Zehntausend." Herr Braunschweig läßt sich jetzt nicht herbei wie etwa in den Selichothtagen, Anekdoten aus der Spielzeit oder Geschichten von seinem einstigen Lehrer, Rabbi Schlomo Wolf Klein ^*n, zum Besten zu geben, er rennt vielmehr hin und her, um den vielseitigen Wünschen seiner Gäste gerecht werden zu können. „Wie kommt es nur," höre ich soeben eine Dame ihren Nachbar fragen, „daß das Judenthum gerade hier in Homburg so stark vertreten ist?" „Das will ich Ihnen erklären, gnädige Frau", antwortete ihr Nachbar, „wenn der Nichtjude eine Sommerfrische aufsuchen will, so überlegt er sich je nach seiner Neigung und seinem Geldbeutel: soll ich die See oder das Gebirge, die Fjorden oder den Olivenhain aussuchen, soll ich dem ewigen Schnee des Gotthard oder den heißen Quellen Wiesbadens meine Aufwartung machen und wo er's packt da ist es interessant, d. h., wo er hingeht da fühlt er sich zu Hause, da trifft er Gesellschaft in der er sich amüsirt. Speis und Trank, der ihm mundet und nichts fehlt ihm zu seiner Bequemlichkeit. Anders unsere Glaubensgenoffen. Die erste Frage für die Religiösen unter ihnen ist: wo bekommt man eine derartige Kost, daß man nicht, statt seine Genesung zu bewerkstelligen, noch kränker werde. Für diejenigen, die „mit starkem Geist gewappnet sich über die Speisegesetze kühn hinwegsetzen", verschwindet aber noch immer nicht die Frage: wo kann man, ohne von jenem Gespenst unserer Tage, das sich Antisemitismus nennt, angegrinst zu werden, sein Mittagsmahl einnehmen und siehe, sie entdecken, daß das am Bequemsten in einem jüdischen Restaurant geschehen kann, in dem man noch nicht einmal in das übliche Raisonnement über Schmutz und Mangel an Eleganz ausbrechen kann, denn hier ist alle» tadellos. Man kann sich gehen laffen, mauschelt nach Herzens Lust und hat nicht zu befürchten, daß ein nebenansitzender Lieutenant irgend welche „geistreiche" Bemerkung über die Confession seines Nachbars fallen läßt. Voila Madame haben Sie die Lösung des Räthsels, warum gerade hier das jüdische Element so stark vertreten ist. Sie sitzen hier gemüthlich wie auf einer jüdischen Hochzeit, ohne daß Sie es nöthig haben Toaste auf das Brautpaar, die Schwiegereltern und den Stiefsohn der Tante der Braut mit der üblichen Phrasendouche über sich ergehen zu laffen." „Dagegen habe ich Ihre lange Rede mitanhören müssen", erwiederte die Dame, „ich werde mich hüten, Sie nächstens wieder etwas zu fragen." Sie ahnte nicht, daß sie die Rede auch noch einmal lesen werde.

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