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Der Israelit · 1897-08-12 · Heft 64 (12.8.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 64 (12.8.1897)
Date
1897-08-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1298 rcrw und damit haben wir das Wort gefunden, das uns hinweghilft über allen Jammer, über allen Schmerz und allen Kummer. Die herben Schickungen über die wir klaaten und weinten, der Allgütige und Allweise hat sie über un» verfügt und diese Erwägung muß genügen, um uns in denselben etwas Gutes sehen zu laffen. Zu ^22 bemerken unsere Weisen ine -MV2 1b rmo in *]b n-nv mnv> nnvi nnv ^22 „Welches Maß Er Dir auch zumißt, danke ihm gar sehr." Wie man im Privatleben Gott für das schlimm erscheinende Geschick mit derselben Freude danken soll, wie für das Glück, fo auch bei der Betrachtung des Schicksals unseres Volkes. Wohl beugt uns der Gedanke tief nieder, daß wegen unserer Sünden Alles so kommen mußte, wie es gekommen ist. Da wir aber einmal schwache Sünder sind, müsien wir davon überzeugt sein, daß der Weg, den wir geleitet wurden, der einzige ist, der uns zu wahrem Heile und zu wahrem Glücke führen kann. Nachdem Adam gesündigt, ist der Tod nicht sowohl als Strafe, denn als Geschenk anzusehen, für das wir dem wahren Richter mit freudigem Gefühle danken sollen. Wir müssen uns zu jener hohen Stufe der Götter» gebenheit emporringen, auf der wir selbst in der Leidensgeschichte unseres Volkes, ein Dank heischendes Zeichen der Gnade und Güte des Schöpfers sehen. Liebe will erprobt fein. Erst dann haben wir den Beweis unserer Liebe zu einem Menschen gegeben, wenn wir ihm treu bleiben, selbst wenn wir nichts mehr von ihm zu erwarten haben. Einen größeren Beweis von Liebe geben wir, wenn wir demjenigen unsere Anhänglichkeit bewahren, der uns Schlimmes zugefügt hat. „Alle Verbrechen bedeckt die Liebe," sagt der Weiseste der Menschen. Die Liebe darf von keiner Sache abhängig sein, lehren uns die Sprüche der Väter. Als Beispiel einer solchen unabhängigen und darum unerschütterlichen Liebe wird uns die Liebe Davids und Jonathans gezeigt. Keiner der Freunde hat vom Anderen etwas zu erwarten. Jonathan hat von David nur zu fürchten, Saul kann die verkehrte Widerspenstigkeit des Sohne» nicht fassen und die Liebe der Freunde zu einander überdauert selbst ven Tod. So unerschütterlich, so mbn nm “12*12 unabhängig von Allem, von zu erwartendem Lohn oder zu befürchtender Strafe, soll unsere Liebe zu Gott sein. Al» Zeichen einer solchen Liebe erscheint uns der ergreifende Ruf des Jjob, der in tiefster Trauer um die Theuersten und von schrecklicher Krankheit heimgcsucht die Worte findet: sn dwn )b 2^vp'. „Selbst wenn Er mich tödtet, so hoffe ich auf ihn." Diese wahre Liebe zu Gott macht alle Klagen verstummen und öffnet weit unser Ohr, um die herrlichen Tröstungen des Gottesboten zu vernehmen. Diese wahre Liebe zu Gott ist es auch, die unser- Boraita als Bedingung für die volle Kenntniß der Thora hinstellt, vpvn rin am# den Allgegenwärtigen lieben. Ihm allüberall unter allen Verhältnissen Liebe zeigen, ist unumgänglich nothwendig für denjenigen, der die Thora, soweit es uns möglich ist, erforschen will. Nur wer wie David stets nra* ttg, „gepriesen seiest Du 0 Gott" sagt, in allen Wechselfällen des Lebens Gott zu preisen versteht, darf die Erhörung des Gebets "ppn „lehre mich Deine Gesetze" erhoffen. Bei Tag und bei Nacht müssen wir in der Thora forschen; unser Leben ist so kurz, die Anforderungen an uns sind so große, daß wir dem Studium des Gesetzes keine Stunde entziehen dürfen. Nicht nur im Sonnenglanz des Glückes, auch in der Dunkelheit und Nacht der Sorgen und des Kummers müssen wir die Heiterkeit des Gemüths besitzen, die nöthig ist, um uns mit Erfolg dem Gotteswort widmen zu können. Eine heidnische Philosophenschule glaubte in der Bedürfnißlosigkeit und Gleichgiltigkeit gegen die Güter der Erde ein Mittel gefunden zu haben, um sich Glück und Sorglosigkeit zu sichern. Dieselbe Schule aber mußte ihren Anhängern den Selbstmord gestatten, um sie über die mißlichen Lagen des Lebens hinweg zu heben, welche durch stoische Ruhe nicht gebannt werden können. Für die heidnischen Stoiker gab es trotz aller weisen Lehren eine Verzweiflung, die sie in den Tod trieb, weil sie Gott nicht kannten. Unsere Weisen nennen denjenigen reich, iw, der sich mit seinem Theile freut. Wie jedoch der Reichthum nicht allein glücklich macht, so reicht diese Zufriedenheit nicht zum vollen Glücke aus. Das Leben hat ernste Stunden, über die selbst Genügsamkeit und Gleichgiltigkeit irdischen Gütern gegenüber nicht hinweghilft. Ruhe des Gemüths zu allen Zeiten kann nur die wahre Liebe zu Gott, wie wir sie geschildert haben, die völlige Ergebenheit in Seinen heiligen Willen uns sichern. wpvn rin 2nin muß der Thorajünger auch aus dem Grunde sein, um wirklich not?!? Thora zu lernen. Wie leicht kömmt man dazu der Ehre oder des Erwerbs wegen, sich in die Thora zu vertiefen, wie nahe liegt die Gefahr, daß man die Krone der Thora zum Schmuck der eigenen Person sich nimmt, daß man mit dem Heiligsten und Hehrsten niedriger sündhafter Eitelkeit fröhnt. Wer in Wahrheit Gott liebt, der uns in der Thora Seinen heiligen Willen offtnbart hat, bei diesem werden alle Neigungen und sonstigen Bestrebungen zurücktreten, vor der heißen Sehnsucht Das voll und ganz kennen zu lernen, was Gott von uns verlangt. Wer Gott wahrhaft liebt und verehrt, wird auch der Thora, dem GotteSworte in gleicher Liebe und Verehrung zugethan fein. Die Thora umfaßt alle Verhältnisse des Lebens, ungemein weit ist ihr Gebiet, vielfältig und mannigfach sind die Gegenstände, deren Studium sie von uns ver-

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