Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1897)
- Date
- 1897-08-09
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448765--44388-2493481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
OCR text
1225 jüdischen Einwohner von Feodossia wollen sie durch einen Anbau vergrößern. Türkei. § Konstantinopel, 3n. Juli, lieber unsere Eultusgemeinde ist eine kleine Calamität hereingelirochen. Unser gewesener Rösch Hakahal (Eultns- Präses) oder wie die Türken ihn nennen, der Millet Bashi, Salomen Efsundi, ift mit einigen seiner früheren Beisitzern lParnassim) und einigen Bediensteten der Gemeinde in Hast genommen worden, unter der Beschuldigung, sie hätten das Ministerium des Eokafs (Moscheeugüter) um den Betrag von 3(.)0 non Mk. geschädigt. Doch hoffen wir, das; sich deren Unschuld bald Herausstellen und sie wieder ihre Freiheit erhalten werden. Die Sache verhält sich eigentlich so: Vor Jahren übersiedelte ein Jude ans Oesterreich, Namens Goldenberg, mit Weib und Kindern hierher und wurde er nicht nur Mitglied unserer Gemeinde, sondern er erwarb auch das türkische Staatsbürgerrecht, letzteres aber nur siir sich allein, tveil er der Ansicht war, daß dies schon genüge, um auch seine Kinder, die er unterdessen 511 ihrer Ausbildung nach Oesterreich zurückgeschickt hatte, zu türkischen Staatsbürgern zu machen. Bald darauf starb er und hinterlies; seinen Kindern ein Vermögen von 3<>n oon Mk. Diese nahmen nun von dieser Erbschaft Besitz, da unsere Cnltusgemcinde ihnen Zeugnisse ausgestellt hatte, daß sie Mitglieder unserer Gemeinde und türkische Staatsangehörige sind. Das genannte Ministerinm behauptet jedoch, daß Goldenberg nur für sich, nicht aber auch für seine Kinder das Jndignat erworben habe, in Folge dessen seien Letztere gar nicht erbberechtigt und seine Hinterlassenschaft falle daher den Moscheen zu. £ Msirativ (Macedvnien), 2. August. Eine Feuerc-brunst, die im Bazar hier ausbrach, hat auch die hiesige jüdische Gemeinde hart mitgenommctt, denn das ganze Mellah (Jndenviertel) hier, wurde ein Raub der Flammen. An irgend eine Rettung war nicht zu denken, denn die Häuser in diesem Viertel sind auS Holz, die denn lichterloh wie die Fackeln brannten. Leider wurden auch fünfzehn Personen, zwei Frauen und dreizehn Kinder, die rnan aus den brennenden Häusern nicht mehr herausholen konnte, eine Beute der Flamme;:. An fünfhundert jüd. Familien sind jetzt obdachlos und wohnen in Zelten, die die Behörden für sie in der Eile aufstellen ließen. Die Behörden versehen auch die Armen mit Brot und Gemüse. Der Schaden, den das Feuer angerichtet, wird aus mehr als zwei Millionen Mark geschätzt, wovon etwa der zehnte Theil durch Assecuranzen gesichert ist. Wir hoffen, daß unsere Glaubensbrüder in Europa uns ihre Unterstützung nicht versagen werden. Palästina. I) Jerusalem. Se. Excellenz der Mali von Beirut, der in Jerusalem war, um den Streit um das Patriarchat zu schlichten, hat auch einen Ehrenbesuch bei unserm greisen Chacham - Vaschi Elyaschar gemacht. Als der Wali in Jaffa weilte, hat er einen Ausflug nach der jüdischen Ackerbauschule Mikweh- Jisrael gemacht und seine hohe Befriedigung über die Schule und die Arbeiten der Schüler unumwunden ausgesprochen. Herr Solomiak, der seit acht Jahren im hiesigen russischen Konsulat Sekreiär ist, hat für seine Verdienste als Beamter einen Orden vom russischen Kaiser erhalten. Die Freude in Jerusalern über diese einem Juden zu Theil gewordene Ehre ist um so größer und um so berechtigter, als Herr Solomiak nie vergißt, sein Pflicht als Jude ebenso eifrig zu erfüllen, wie er sie dem Staate, dem er dient, als Beamter gegenüber thut. Herr Solomiak ist vor zwölf Jahren nach Palästina gekommen und in Katrn (Gederah) Kolonist gewesen. Dann wurde er einige Zeit Lehrer und ist seit acht Jahren in ununterbrochenem Dienste des Konsulats. Dr. L. E) Jaffa, 29. Tamus. Die Frage des hebräischen Schulunterrichts, die für ganz Palästina und überhaupt den jüdischen Orient von unzweifelhafter Bedeutung ist, hat für Jaffa seine besondere Wichtigkeit. Ganz abgesehen von der Nothwendigkeit ein einigendes sprachliches Band für die Juden der verschiedenen Länder zu haben, die sich in unserer Stadt seit etwa einem Jahrzehnt sässig gemacht haben, kommt der Umstand sehr in Betracht, daß die hiestge jüdische Bevölkerung auch keine andere Sprache im Schulunterricht wünscht. Bisher war der Unterricht in den hiesigen Schulen (Knaben- und Mädchenschule) '•zv •cz-^2 getheilt, so daß ein Theil des Unterrichts in französischer und ein Theil in hebräischer Unterrichtssprache statttfand. Besonders das Pariser Bureau der Alliance Jsraelite Universelle drängte darauf, dem Französischen mehr und mehr den Vorzug vor dem Hebräischen zu geben. Jetzt kam nun Herr Benedict, der Schnlinspektor der Alliance nach Jaffa, um auch die hiesigen Schulen zu inspieiren. Er fand dabei den im Hebräischen ertheilten wissenschaftlichen Elementarunterricht so vortrefflich, daß er nicht nur auf die bisherigen Forderungen der Alliance verzichtete, sondern zugab, dem Hebräischen noch einen größeren Raum als bislang zu geben. M a r 0 c c 0. ** Marocco. (I u]b en '.von Marokko.) Seit einigen Monaten leidet die Bevölkerung von Marokko unter einer andauernden Dürre. Die Heuschrecken, die in verschiedenen Gegenden die Ernte zerstört haben, verschlimmern noch die Lage. Die