Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 63 (9.8.1897)
- Date
- 1897-08-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1224 von Ricciotti Garibaldi für die Griechen gegen die Türken zu kämpfen. Der junge Advokat, der aus wohlhabendem Hause stammt, ertrug willig alle Mühseligkeiten und Strapazen des Feldzuges in dem Bewußtsein, er kämpfe für eine gerechte, humanitäre Sache. In der Schlacht bei DomokoS zeichnete er sich besonders aus und fein Chef, General Garibaldi, ernannte ihn an Ort und Stelle zum Lieutenant. Jetzt ist dieser jugendliche Held zur Freude seiner Familie wieder in seiner Vaterstadt eingetroffen, wo ihn Freunde und Bekannte auf's Herzlichste empfingen und begrüßten. Rußland. ** Petersburg (Die Juden und der Ackerbau.) Der „Kiewlanine" vom 30. Mai und 1t. Juni veröffentlicht folgende interessante Notiz über die immer größer werdende Betheiligung der Juden an der Landwirtschaft: Zweifellos nehmen die Juden lebhaft an der landwirthschaftlichen Industrie unserer Gegend theil. So sind bedeutende Weidegelände von dem Vieh jüdischer Besitzer in Anspruch genommen, die in Bessarabien und anderswo, mageres, dürftiges Vieh kaufen, um eS auf unseren Wiesen zu mästen. Oft betragen die Ochsenheerden, die von den Juden auf freiem Felde gezüchtet werden, 1000 bi$ 1500 Stück. Wenn das Vieh im Herbst Kraft gesammelt hat, bringt man es in die Brauereien und Zuckerfabriken, wo man es im Winter mit den Uebcrresten der Fabrikation weiter mästet. Im Frühjahr werden die Heerden wieder auf die Felder geschickt. Diese Heerden liefern das schöne Schlachtfleisch an die Städte des Südens, Ostens und Polens. Die Butter und Käsefabrikatron ist seit langen Jahren in den Händen der Juden. Die Grundbesitzer verkaufen ihnen alles, was die Milchkühe liefern: es wird in die Depots und Eiskeller der Flecken gebracht, wo die Butter und der Käse fabrieiert wird. Zuerst hatten die deutschen Kolonisten die Butter selbst fabrieiert. Aber der Verkauf war schwer und die Kunden waren daran gewöhnt, mit den Juden zu thun zu haben. Die Kolonisten haben daraus mit den Juden über den Verkauf der Milch verhandelt, und so ist die Butterfabrikation eine Art Privilegium der Juden geworden. Zytomir ist der Mittelpunkt dieses Handels und hat in der letzten Zeit sich bedeutend ausgedehnt. Ebenso ist es niit der Geflügelzucht und dem Geflügelhandel. Das Geflügel wird auf eine besondere Art gestopft und genährt und wenn es recht fleischig ist, bringen es die Bauern in die Depots, wo die Juden große Mengen für die Märkte der großen Städte sammeln. Ebenso werden Millionen von Thieren in die Depots gebracht, um in gleicher Weise verschickt zu werden. In vielen Dörfern bildet diese Industrie die Haupteinnahme der Bauern. Die Anstellung der Juden für die ländliche Arbeit hat dieses Jahr einen ungewöhnlichen Aufschwung genommen. In Beffarabien, Podolien und anderen Gegenden des Territoriums ziehen die Grundbesitzer jüdische Arbeiter direkt vor, weil ihre Arbeit in vielen Beziehungen die bessere ist. In der Provinz von Cherson haben die größten Grundbesitzer (Grafen Jgnatief, Duponier, Kouris, Ezitzki rc.) ganze Züge von jüdischen Landarbeitern gebildet. Leider verbietet ihnen die Polizei immer noch auf dem Felde oder in den Dörfern zu übernachten, so daß sie Morgens und Abends große Strecken zurücklegen müssen, um zur Arbeit und nach Haus zu gelangen. (Odeski Listock vom 29. Mai und 10. Juni.) ** AusKeodosfta. (He'b rätsche Alterthümer in der Krim.) Die St. Petersburger Zeitung berichtet: Am Fuße des Berges Mithradat, in der Nähe von Feodossia, befindet sich eine bereits 13 Jahrhunderte alte Synagoge. In den letzten Jahren der Herrschaft der Chane wurde sie zerstört und mit Sand und Schutt verschüttet. Nach der Vereinigung der Krim mit Rußland befahl die Kaiserin Katharina, die Synagoge zu restauriren, und im August 1788 wurde in derselben nach langer Zeit wieder ein jüdischer Gottesdienst abgehalten. Das Gewölbe der Synagoge wird durch vier Säulen gestützt, deren zwei aus Marmor und zwei aus Granit bestehen. Früher waren alle vier Säulen marmorn, doch in den 40er Jahren brachte der Karaim Abraham Firkowitsch zwei Marmorsäulen, alte Handschriften der Thora und eine Anzahl anderer alter Pergamente nach St. Petersburg, wo dieselben der öffentlichen Bibliothek übergeben wurden. An einer der Säulen der Synagoge ist eine viereckige Tafel mit einer auf das Älter der Synagoge hinweisenden Inschrift angebracht. Diese Inschrift lautet: „Durch Menschenweisheit ist dieses Haus errichtet worden. Der Messias wird kommen und dein Volk sammeln, Israel, im Jahre 073" (d. h. im Jahre 918 der gewöhnlichen Zeitrechnung). Ueber dem Almemor befindet sich eine Inschrift, welche darauf hinweist, daß die Thür zum Allerheiligsten vor 602 Jahren hergestellt worden ist. Im Hofe der Synagoge ist ein zu Waschungen bestimmter Brunnen vorhanden, auf dessen Wänden folgende Jnscheist zu lesen ist: „Der erleuchtete, allgemein geachtete und weise Rabbi Meir AschkenaS, die Zier und der Stolz Israels, ist im Jahre 389 (d. h. 628) im Herrn verschieden. Die Thränen der Nachkommen Abrahams, Isaaks und Jakobs benetzten seine Asche." Die Synagoge ist so klein, daß sie kaum für 50 Beter Platz bietet. Die