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Der Israelit · 1897-08-05 · Heft 62 (5.8.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 62 (5.8.1897)
Date
1897-08-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1210 Und dennoch-ki lau almon Jisroel, die große Niedergedrücktheit muß aufhören, muß weichen vor Trost und Hoffnung und — davor weicht sie auch! * * * Bereits ist es gelungen von opferfreudigen GlaubenSgenoffen eine beträchtliche Summe für den Bau des Krankenhauses in der heiligen Stadt zufammenzubringen, und wenn auch noch sehr viel fehlt, doch braucht an dem Zustandekommen des Liebes- Werkes nicht mehr gezweifelt zu werden. O, mögen doch alle Zionsfreunde nach ihren Kräften die Steine zu dem so edlen Zwecke herbeitragen helfen! Der Allerhöchste schenke ihnen dafür Seinen Segen? Mögen ihre Wohnungen werden: „Wie Alo6, die der Ewige gepflanzt, Wie Cedern am Wasser!" Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen Deutschland. ** Berlin. (Sonntagsgottesdienst.) Die Frage betreffs der Einrichtung einer religiösen Feier mit Predigt am Sonntag hat eine rasche Erledigung gefunden. Die durchweg ablehnende Haltung unserer Gemeinde hat das Todesurtheil über diese Angelegenheit ausgesprochen. Dieses „noli me tangere" stellt der religiösen Gesinnung der Berliner Gemeinde ein ehrendes Zeugniß aus. Herr Levin stein, der trotz aller Abmahnungen und trotzdem viele hervorragende Gemeindemitglieder, z. B. Commerzienrath Jul. Jsaac, ihre Unterschrift für die Umfrage, die an fast alle Mitglieder der Gemeinde verschickt zu werden bestimmt war, zurückgezogen haben, wird sich nun von der Nutzlosigkeit solcher Vorschläge, die an den heiligsten Einrichtungen und Ueberlieferungen unserer Religion zu rütteln wagen, überzeugt haben. Herr Levinstein und die Herren „Mitunterzeichner" mögen nun, wenn sie dem Judenthum wirklich einen Dienst erweisen wollen, auf ein anderes Mittel sinnen, durch welches sie den vermeintlichen 'Niedergang des Judenthums aufhallen zu können glauben. Vielleicht würden diese Herren zur Hebung der Religiosität unter den Juden mehr durch das lebendige Beispiel beitragen als durch Vorschläge, tvie z. B. die Einrichtung eines Gottesdienstes am Sonntag. Vielleicht würden sie, die sie doch eine hervorragende gesellschaftliche Stellung einnehmen, so manchen zum Besuch des Gottesdienstes am Sonnabend anregen, wenn sie zunächst selbst öfter sich im Gotteshause blicken liehen, wofür es ihnen doch nicht an der nöthigen Zeit fehlt. „Die Religion ist eine Zierde für alle Menschen", sagt Leffing. In den Kreisen unserer Reichen und Großen hält man es aber mit der Maxime: „Die Religion muß dem Volke erhalten bleiben", wobei unter Volk das zu verstehen ist, was der Lateiner mit plebs oder vulgus bezeichnet. Sich selbst schließen sie dagegen sorgfältig aus, höchstens daß sie einmal an den drei bekannten Tagen im Jahre zur Defilierkour beim lieben Herrgott an treten. Dagegen haben sic es sehr gern, namentlich wenn ne Vorsteher und Repräsentanten sind, daß für ibr Geld andere Leute fromm sind. Schreiber dieses glaubt von sich sagen zu dürfen, daß er ein ziemlich scharfes Auge hat für Personen und Verhältnisse. Wenn man am Sabbat die Sv nagoge besucht, so macht man bei einiger Aufmerksamkeit sofort die Wahrnehmung, daß der überwiegende Theil der Besucher zu denen gehört, die mit dem Leben schwer und hart zu kämpfen haben. Und doch sind gerade diese Leute, denen der Verlust einiger Arbeitsstunden wahrlich nicht gleichgiltig sein kann, zur Stelle. Welche Beschämung für ihre großen und reichen Glaubensgenossen, denen des Himmels Segen Kisten und Kasten gefüllt hat, und die,Schriftstücke in die Welt hinaussenden, welche des Sabbats Heiligkeit verleugnen und ein fremdes Glied in den Körper des Judenthums einsügen wollen! Jene oben gekennzeichneten Kreise waren es ja immer, seit den Tagen Moses Mendelssohns bis auf den heutigen Tag, welche dem Judenthum, das sie genährt und erzogen, Lauheit und Gleichgültigkeit, wenn nicht gar Haß und Verachtung emgegenbrachten. Von solcher Gleichgültigkeit und Abneigung bis zum offenen Bruch mit dem Judenthum ist es nur ein Schritt, was dann kommt, ist ja Leider nur zu bekannt, der llebetivitt zur herrschenden Religion, damit nur ja die Herren Söhne Ossiziere werden können, wozu sie Talent und Taille besäyigen. Es gehört nicht zu den Seltenheiten, daß gerade in jenen Kreisen, in denen nur bisweilen ein offenes Herz und eine offene Hand für olles zu finden ist, was das Interesse oer Judenheil erheischt, all das systematisch serngeholten wird, was an unsere Religion erinnern könnte Wenn es nach ihnen ginge, brauchten wir weder Synagogen noch jüdische Religionsschulen, weder jüdische Pensionate, noch rituell geschlachtetes Fleisch und „koschere" Restaurants; denn statt der Betheiligung am Gottesdienst wird allen möglichen Sports geiröhnt, der geringfügigste Grund reicht aus, um das Kmd dein Religionsunterrichte zu entziehen. Bedarf der ungerathene Solm einerstrengeren Ueberwachung, so schickt man ihn beileibe nicht in eine „jüdische" Pension. Wir können dergleichen Momente, die das Verhalten jener Kreise zum angeslaillmteu Glauben charakterisieren, in größerer Menge anführen; allein wir dürfen sie als bekannt betrachten und wollen ihrer nur erwähnen, um zu zeigen, wie wenig gerade diese Kreise berechtigt und

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