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Der Israelit · 1897-08-05 · Heft 62 (5.8.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 62 (5.8.1897)
Date
1897-08-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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|r ■'* 12Ü6 Cromwell und dem Freistaate kommt die Ehre zu, den Anfang mit der Wiederzulassung der Verfolgten gemacht zu haben. In unseren Tagen sind die letzten Schranken der Entrechtung im Anfänge der Sechziger-Jahre hinweggeräumt worden. Und die Jubelfeier der Königin hat unter einem jüdischen Lord-Mayor der Londoner Altstadt, dem soeben geadelten Herrn Faudei-Phillips, stattgefunden. Er überreichte, als die Herrscherin an der Grenze der City anlangte und nach altem Freiheilsbrauche dort um die Erlaubnis zur Einfahrt bat, ihr auf einen Augenblick das Schwert, das Sinnbild der bürgerlichen Ober macht. So haben sich die Dinge in England zum Besten der menschlichen Vernunft und der Gerechtigkeit gewendet. Einen persönlichen Aniheil an der Milderung der harten religiösen Vorurtbeile, in der England einst befangen war, hat unzweifelhaft die Königin in Gemeinschaft mrt ihrem deutschen Gemahl gehabt und deshalb sei ihr an ihrem Feste der Dank aller edsin Menschen dargebracht. England. ** London, 31. Juli. Die englischen Rabbiner wollen ebenso wenig von der Erwerbung Palästinas seitens der Juden etwas wissen, wie ihre deutschen Kollegen. Der Ober-Rabdiner des britischen Reiches, Dr. Adler, erklärte, daß er in dieser Beziehung mit seinen deutschen Kollegen vollständig übereinstimme. Er glaube, daß die Abhaltung des Baseler Kongresses ein großer Fehler sei. Er lege die größte Wichtigkeit daraus, Kolonien in Palästina zu gründen und die dort gegründeten Anstalten weise und freigebig zu unterstützen, der Gedanke aber, einen jüdischen Staat zu gründen, sei völlig unheilbringend. Er sei gegen die jüdischen Grundsätze, gegen die Lehren der Propheten und die Traditionen des Judenthums. Die Bewegung könne unermeßliches Unheil erzeugen; es könne der Glaube erwachsen, daß die Juden dem Lande, in dem sie wohnen, nicht treu seien. Er glaube, daß er hiermit die Ansicht der gesammten englischen Judenschaft mit wenigen Ausnahmen ausdrücke. <-» Vermischtes Bucha« (Württ.) 1 August. In letzter Woche verließ unS Herr David Waüersteiner, um die ihm von der Gemeinde Ansbach übertragene Stelle als arnttf anzutreten. Wir können dieser Gemeinde zu dieser Aquisition Glück wünschen und sehen Herrn Wallersteiner mit großemBedauern aus unserer Gemeinde scheiden. Derselbe hat sich von jeher durch streng religiösen Lebenswandel ausgezeichnet, trotzdem die hiesige Gemeinde mehr der Reform zuneigt. sich auch durch seine Leistungen als Vorbeter an den O’JOU D’ö’ und seine ni7’DJ HDN 7V 7Dn bei Kranken und Sterbenden den Dank der Gemeinde erworben. Unsere besten Wünsche begleiten ihn in seine neue Gemeinde, mögen daselbst seine Leistungen auf religiösem Gebiete gewürdigt werden. I. W. KeuMetpn. Der verwunschene (Lhasan. ■r>) Ein Schwank. Der Schulmeister holte wieder Athem, fühlte sich aber auch völlig zerknirscht. „Ihr seid sin Heiliger! ein Engel!" rief der Wirth. „Gesegnet sei die Stunde, in welcher ihr mein unwürdiges Haus betreten habt. Also allen ist verziehen? Uns und dem Cantor?" „Dem Cantor?" fuhr der Rabbi auf, „dem Verleumder, dem Verführer, der euch so leicht in's Verderben stürzen konnte? Nimmermehr! Er soll für euch alle büßen! Seine Strafe soll schrecklich sein.' Er hat mich angebellt wie ein Hund, und ein Hund soll er sein! Höret, was ich euch sage : ein Hund soll er sein. Nun gehet, laßt mich allein." Da der Bal Schem bei diesen Worten den Gebetmantel wieder um sich warf uud in neue Verzückung gerieth, beeilten sich die beiden Männer, von Furcht und Schauder ergriffen, dar Gemach zu verlaffen und erreichten blaß und entstellt die Schenkstube. „Ich habe gefehlt, ich habe gesündigt, ich habe gefrevelt!" schrie der Schulmeister, sich vor die Brust schlagend. Ein Strom von Thränen schaffte ihm Erleichterung. „Was gibt es denn? Was habt ihr? Was ist denn vorgegangen?" fragte man von allen Seiten. „Ihr Männer!" rief der Schulmeister, „was haben meine Augen gesehen, was haben meine Ohren gehört! Ein Heiliger ist in diese Stadt gekommen!" Der Wirth fiel ihm in die Rede, und begann seine Erzählung, die der Schulmeister ergänzte, und unter Ausrufungen der Bestürzung, des Schreckens, des Staunens, der Ehrfurcht und der Freude erfuhr die Gesellschaft, daß die Engel dem Bal Schem jedes Wort mitgetheilt hätten, das vorhin hier gesprochen worden war, und zwar ohne irgend eine Auslastung oder eine Abänderung in der Reihenfolge, daß aber der Rabbi ein himmlisches Gemüth habe, allen, die der Lästerung Glauben geschenkt, Verzeihung erflehen und nur den Cantor bestrafen wolle. Die Lebhaftigseit der Erzählung vergegenwärtigte den Zuhörern den Vorgang so vollkommen, daß sie alles selbst zu sehen und zu hören glaubten und vor Schauder und heiliger Furcht erbleichten. Sie bestürmten die Berichterstatter dabei mit vielen Einzelheiten, und die Antworten steigerten noch das Wunderbare der Begebenheit. Der Schulmeister, der sagen sollte, ob er die Engel mit eigenen Augen gesehen, glaubte bei seiner einmal erregten Einbildungskraft das fast bejahen zu können. Wenigstens versicherte er, habe

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