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Der Israelit · 1897-08-05 · Heft 62 (5.8.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 62 (5.8.1897)
Date
1897-08-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1903 Rabbiner nach Raschkow, wo er dreißig Jahre segensreich wirkte, um sodann hierher zu seinen Kindern zu übersiedeln. Lernend und lehrend, widmete er seine Muße nur dem Studium der Gotteslehre und einer wahrhaft bewundernswerthen Wohlthätigkeit, welche im Stillen geübt, in ihrem ganzen Umfange kaum den ihm Nächststehenden bekannt wurde. So entwickelte er in seiner schlichten Einfachheit, das altüberlieferte Judenthum und die Befolgung der religiösen Satzungen als seines Lebens Inhalt betrachtend, auf allen Gebieten der Menschenbeglückung, namentlich in der Förderung des Thorastudiums, seiner Träger und Jünger eine segenverbreitende Wirksamkeit, welche ihm bei allen denen, die Zeugen derselben gewesen, ein pietätvolles Andenken sichern, Ahrweiler. Mit Bezug auf die im „Israelit" vor einiger Zeit gebrachten Artikel, die Bettelbriefe aus Galizien betreffend, gestatte ich mir heute auf eine, wie'S mir scheint auf Schwindel beruhende Bettelet in unserer nächsten Nähe aufmerksam zu machen. Es ist bereits wiederholt in Ihrer werthen Zeitung darauf hingewiesen worden, welche Profanation mit unseren heiligsten Gütern auch von sogen, frommer Seite, von lithographischen Anstalten, deren Inhaber sich zu den Orthodoxen zählen, dadurch getrieben wird, daß sie ttnm nvo quasi zur Spielerei, auf Pergamentroüen photographisch oder lithographisch (wie'S gemacht wird, weiß ich nicht) Herstellen resp. den Vertrieb derartiger Thorarollen übernehmen. Ob dies pin jo uro ist, mag vor berufener Seite beantwortet werden, jedenfalls erblickt der Laie eine Profanation darin. Derartige Thorarollen versendet nun auch ein Mendel Schocher aus Wiesbaden, deffen Namen mir, soviel mir erinnerlich, auch bereits als Schnorrer im „Israelit" begegnet ist, an ihm gänzlich unbekannte Leute. So sandte er an ein hiesige christliche Firma ein solches Ding und legte Rechnung über M. 10 bei. Als er nach mehreren Tagen keine Antwort erhielt, schrieb er eine, vielleicht mit Absicht voller orthogr. Fehler versehene Postkarte, worin er nochmals bittet, ihm das Geld für die Sendung zu schicken, und sei er mit jedem Betrage zufrieden, da er dringend Geld zu seiner Badekur bedürfe. Auf diese Karte hin schrieb ihm die hies. Firma nun, daß sie nicht zum auserwählten Volke gehöre und daher auch keinen Gebrauch von der Sendung machen könne, vielmehr ihm solche gegen Einsendung von 15 Pfg. Portoauslagen zurückschicken würde. Daraufhin antwortet Schocher, daß einer seiner jungen Leutes!!!) den Jrrthum veranlaßt habe und dankt für die „christlichen" Bemühungen, mit der Unterschrift „Einer aus dem auserwählten Volke." Wie leicht derartige Bemerkungen das ohnedies wohl übergenug vorhandene Rischus erhöhen, bedarf keiner Erläuterung. Aber abgesehen hiervon, scheint mir dieser Schocher ein Mann zu sein, dem das Handwerk gelegt werden muß, damit er sich zu seiner Schnorrerei keine jungen Leute mehr halten kann. Abraham Bär. Memel, im Juli. Ein Comit« bestehend aus den Herren S. Bloch, Moritz Cohn, 0r. med. M. Hurwitz, Dr. I. Rülf, Rabbiner, H. S cheß, versendet folgenden Aufruf für die landesverwiesenen Juden. Durch die jüdischen und politischen Zeitungen haben Sie wohl schon von der Leidensgeschichte der unglücklichen ausgewiesenen Glanbensgenoffen am hiesigen Orte Kenntniß erhallen. Bis jetzt haben 24 Familien mit insgesammt 112 Personen Ausweisungsbefehl erhalten. „Diese Ausweisungen sind schon vor längerer Zeit, theilweise schon vor iy2 bis 2 Jahren erfolgt. Sofort ist der Vorst and der Synag ogeng em einde für die Ausgewiesenen eingetreten; ein nicht unbedeutender Agikationsfonds wurde innerhalb der Gemeinde aufgebracht und Alles versucht, um die Zurücknahme zu bewirken; bis an die höchsten Stellen der Provinzial- und Staatsbehörden hat man sich schriftlich und persönlich gewandt.—Alles vergebens! Wir haben bisher mit Bedacht Abstand genommen vor die Oeffentlichkeit mit Klagen und Aufrufen hinzutreten aus Rücksicht aus die übrigen nichtnaturalisirten Mitglieder unserer Gemeinde. Zwei Dritttheile sämmtlicher Gemeindemitglieder besitzen blos stets widerrufliche Aufenthaltsgenehmigung. Vor der Ausweisung im Jahre 1885 bestand unsere Gemeinde aus nahezu 1500 Seelen und heute sind es kaum 800, wovon wiederum 112 den Ort verlaßen sollen. Was besonders die Jetztausgewiesenen bisher erduldet haben, ist nicht zu beschreiben; daß manche, darunter gebildete, hierorts geborne und erzogene Frauen nicht zum Wahnsinn getrieben worden sind, muß Wunder nehmen. Diese AuSgewiesenen waren nicht gerade arme Leute — heute freilich sind sie es fast alle — sie wußten sich fast allesammt gut zu ernähren; manche waren sogar bi» zu einem gewiffen Grade von Wohlstand gelangt und besaßen selbst eigne Grundstücke. Mit ihrer Ausweisung war ihr Erwerb und Wohlstand vernichtet. Niemand wollte ihnen weiterhin einen Pfennig anvertrauen und ihre Gläubiger 'legten Beschlag aus ihren Besitz. Den letzten Pfennig verwandten die Unglücklichen auf vergebliche, oft auch ungeeignete Bemühungen, sich die Aufenthaltsgestattung zu erwirken. Einzelne, denen man längere Fristen nicht gewähren wollte, wurden, wenn sie den Ort nicht rechtzeitig verlaffen konnten, mit hohen Geldstrafen belegt und bei Zahlungsunfähigkeit wurde die Geldstrafe in Gefängnißstrafen umgewandelt und auf das Unnach-

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