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Der Israelit · 1897-08-05 · Heft 62 (5.8.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 62 (5.8.1897)
Date
1897-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1202 saLe und Wirkung in Israels Geschichte kennt? Ja, die Thatsachen lehren es, daß nur eine ganz kleine Anzahl von Männern während der Ereignisse selbst sich den klaren Blick bewahrt hat, um zu erkennen, warum es so und nicht anders hatte kommen müssen. Selbst bei der Beurtheilung der vergangenen Dinge giebt es viele, die sich mit Gewalt der Erkenntniß verschließen wollen, daß es wunderbare Wege sind, auf welchen Gott sein Volk führt. Die Mittel, die der Schöpfer wählt, um Israel zu prüfen und zu läutern, werden als Ursachen feiner Leiden angesehen, obschon jeder unbefangene Beobachter staunen muß über die Fülle von Leid, welche dieses Volk, oft unter der sonderbarsten Verkettung der Umstände, getroffen hat. Wir haben hier nicht nöthig von der entlegenen Geschichte unsere Beispiele zu entlehnen, ist nicht in unseren Tagen, wo alle die äußeren Bedingungen des alten, für immer scheinbar entschwundenen Judenhasses gehoben schienen, der grundlose Haß gegen uns unter dem neuen Namen Antisemitismus jäh und schrecklich wieder aufgelodert. Weßhalb? — Da werden die Köpfe geschüttelt, nachdenkliche Gesichter gemacht, geschrieben wird und gesprochen. Der Unterschied der Rasse, die höhere Begabung der Juden, der Neid über ihre Erfolge. Alles wird heroorgesucht und nach allen Seiten beleuchtet und man sucht sich selbst darüber zu täuschen, daß man den Grund des Judenhasses gefunden habe, so unbefriedigt man auch im Ganzen über das Resultat seiner Forschung ist. Wo ist es je vorgekommen, daß ein versplittertes Volk, das in winzigen Minoritäten unter den verschiedensten Völkern lebt, eines solch ausdauernden, nicht zu stillenden Hasses für werth gehalten wurde? Manche vergessen sich soweit, daß sie aus den Angriffen unserer Feinde das Eine und das Andere herausnehmen, um dem eigenen Volke Fehler anzudichten, die ihm keinesfalls mehr eigen sind, als irgend einer Völkerschaft, in deren Mitte es lebt. Man verschließt die Augen, verstopft die Ohren, wird zum Ankläger und Verleumder seines eigenen Stammes, ohne daß man zur Wahrheit hinsieht und aus das einzig Richtige hört. Kann man heute nicht mit den Worten des Jirmijahu fragen tw nt pi L-nn ns. „Wer ist der weise Mann, der dieses versteht?" lind hat es eine Zeit gegeben, in der die Antwort mn r,x azry by, „weil sie meine Lehre verlassen haben" leichter und unbestreitbarer war, als leider in unseren Tagen? Wo sind die wahrhaft weisen Männer, die diese Antwort geben, die den einzigen und wahren Grund für unsere Leiden in der Gegenwart und in jedem Zeitraum der Vergangenheit finden? Und wie immer, so geschah es und geschieht es noch heute: Weil man die Ursache verkannte, griff man zu falschen Mitteln, um Besserung herbeizuführen. Man schwankt von einem Extrem zum anderen. Während diejenigen, die Alles eher denn vn-rn waren, zuerst eine möglichst große Annäherung an die anderen Völker, eine Assimilation mit Hintansetzung des Heiligsten, als sicheres Heilmittel empfahlen, spielt man jetzt mit dem lächerlichen Gedanken, aus eigener Kraft heraus einen selbstständigen Judenstaat zu gründen und glaubt an die Ausführbarkeit des Projektes, weil ein geistvoller Mann, ähnlich wie Bellamy die Welt des nächsten Jahrtausends, in geistreicher Weise die Gründung dieses Judenstaats einem beifallsfrohen Lesepublikum anschaulich dargestellt hat. Hat der Antisemitismus das wahre Judenthum gefördert, hat er die Irrenden auf den rechten Weg gebracht? Diese Frage wurde schon oft aufgeworfen und besprochen. — Die herbe Prüfung hat nur wenig genützt, weil man nicht den Muth hatte, der Wahrheit ins Gesicht zu schauen, weit man zu bequem, zu träge und zu feig war, die Consequenzen aus dem Satze zu ziehen: „Der Abfall weiter jüdischer Kreise von den Vorschriften der Thora hat uns den Antisemitismus gebracht." Weshalb? Allenthalben wird diese Frage erhoben, und nur sehr selten findet sich der ttnn vx, der sie richtig und überzeugend beantwortet. Würde die große Mehrheit Israels durchdrungen sein von der gewaltigen Wahrheit, die in den Worten des Jirmijahu 'min rx eaw by und Den ihnen folgen den Sätzen liegt, dann dürfte gar bald die Frage pm man ne by verstummen, nicht mehr hätte ein Geschlecht nach dem andern nöthig, traurig und ver zweifelt sein „Weßhalb?" zu fragen. Zeitungsnachrichten uvd Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin, 26. Juli. Einer der populärsten, angesehensten Vertreter talmudischer Gelehrsamkeit in unserer Stadt, der emeritirte Rabbiner Herr Heymann Wolfsohn, ist im Alter von 88 Jahren nach kurzem Krankenlager verschieden Einer Familie, in der das Thorastudium und echte Frömmigkeit allezeit heimisch war, entsprossen, hat der Verblichene, nachdem er in seinem Geburtsorte Filehne die erste talmudische Ausbildung erhalten, die Jeschibah des R. Heymann Joel in Birnbaum bezogen, hierauf zu den Füßen eines der gefeiertsten derzeitigen Lehrer in Israel, des R. Jecheskel Bauet h in Neutra (Ungarn), gesessen, dann bei dem berühmten R. Wolff Kelln in Tapolcean seine Studien fortgesetzt und, als Dreiundzwanziger in die Heimath zurückgekehrt, von dem großen R. Elia Spiro in Czarnikau die rabbinische Autorisation erhalten. Nachdem er in seinem ersten Wirkungskreise, in Tremeffen, sich weltliches Wissen angeeignet, folgte er dem Ruse als

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