Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 62 (5.8.1897)
- Date
- 1897-08-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIII. Jahrgang. AK Der Israelit. Ern KenLrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von l>r fe^manu in Utaini Donnerstag, den 5. August S«S7 (1«S7). Leitender Artikel. U)eßl>rlb? Mainz, 4. August. Eine Flnth trauriger Erinnerungen ist es, die das Datum des neunten Ab in uns wachruft. Von fünf entscheidenden Katastrophen, welche an diesem dem Jamnrer geweihten Tage hereinbrachen, erzählt uns schon die Mischna. Wie oft im Laufe der Jahrhunderte vermehrten neue Schrecken die trüben Erinnerungen, die sich an diesen Tag knüpfen. Und die Katastrophen des neunten Ab, waren sie nicht der Ausgangspunkt und die Wurzel für all das Entsetzliche, das unser Volk erleben mußte! Vor unserem geistigen Auge zieht an diesem Trauertage die ganze Leidensgeschichte unseres Volkes vorüber und in den Kinot, in den Elegien der jüdischen Dichter aus den verschiedensten Ländern und aus den verschiedensten Liedern lassen wir unsere tiefschmerzlichen Gefühle ausströinen. Was unser Herz erschüttert, was untere Sinne trübt, wir kleiden es in die ergreifenden 'Worte, die von Männern gesungen wurden, die lange vor uns, oft weit entfernt von nuferer Heimath gelebt haben mtb doch dasselbe dachten und fühlten, wie wir. Allen Jammer der Vergangenheit, alles Trübe der Gegenwart wird bei solchen Gedanken und Worten in uns und um uns lebendig, unb aus unsere Lippen drängt sich die verzweiflungsvolle Frage „Weßhalb?" Warum ist uns das Land des Segens uuö des Glücks immer noch verlorene Wie kommt es, daß Israel heute noch in den meisten Ländern keine Ruhe und Beruhigung finden kann? Es ist dies eine uralte Frage. Schon in der heiligen Schrift, als Gott in den Gefilden Moabs, dein Geschlechts, das ins heilige Land einziehen sollte, den Verlust dieses Landes mit allen Schrecken, die diesen begleiteten und ihm folgten, Voraussagen ließ, finden wir die Worte: „Und es werden sprechen alle Völker, warum hat der Ewige diesem Lande so gethan, was ist der Grund für diesen entbrannten Zorn?" Die Antwort steht daneben: n nns Sy new 'w DmaK hSk. „Und man wird sagen, weil sie den Bund des Ewigen, des Gottes ihrer Väter verlassen haben, den er mit ihnen schloß, als er sie aus dem Lande Mizraim führte." Und als das Verhängniß hereinbrach, und als das Land von Feindesschaaren verwüstet war, Jerusalem die schrecklichste aller Belagerungen zu bestehen hatte, als „die Ernte vorüber war, der Sommer zu Ende ging und uns immer noch nicht geholfen war," da entrangen sich dem Munde des Propheten die Worte s2v v2nn '8 nnxj pxn n--2u no Sy nnw: vSn n »"oi iw nn -cy ’Sbd isnoa. „Wer ist der weise Mann, der dieses versteht? und wer ist Derjenige, zu dem der Mund des Herrn gesprochen, so daß er dieses erkläre? Warum ist das Land zu Grunde gegangen? Warum ist es, wie die Wüste verödet, so daß Niemand hindurchzieht? xSi ch’jdS W1J1 c;?y Sy n w: .7,2 -oSn «Si iS'p2 „Und Gott sprach, weil sie rneine Lehre verlassen haben, die ich ihnen gegeben habe und nicht hörten auf meine Stimme und nicht nach ihr wandelten." Gar Mancher, der die Haphtara des neunten Ab liest, wird schon bei diesen Worten eingehalten haben. Wer ist der weise Mann, der dieses versteht? Gehört denn ein besonderer Grad von Weisheit dazu, um die Ursache von Israels Unglück zu verstehen? Ist es nicht auf vielen Blättern der heiligen Schrift zu lesen, schärft es nicht das ganze Buch der Richter ein, sagen wir es nicht zweimal im Sch'ma, daß alle Leiden, die unser Volk zu erdulden hatte, nur eine Folge und Strafe seiner Sünden sind? Ist es hier nöthig gewissermaßen mit der Laterne den zu suchen, der den Zusammenhang zwischen Ur-