Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1897)
- Date
- 1897-08-02
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1200 Ster n—Hildesheim macht darauf auf uerksa.n, daß die Vorschläge des Referenten in Bezug auf Verbandskassen für die Provinz Hannover bedeutungslos seien, da die jüdischen Lehrer resp. Gemeinden aus dem Prooinzialfonds Zuschuß erhalten. Spaniers Vorschlag sei auch ihm sympatlnsch, er glaube aber daß derselbe in mittleren und größeren Städten, wo die jüdischen Eltern ihre Kinder meistens nur den höheren Schulen zusührten, nicht so leicht zur Ausführung gelangen könnte. Der Referent bezweifelt, daß die Verwandlung der Religionsschulen in öffentl. Elementarschulen ausführbar fei, deshalb müsie für die ReUgionSlehrer gesorgt werden. Dr. Grone man n—Hannover: In der Frage über das Schächten theile er die Ansicht feines Kollegen Dr. Lob. Kur in Fällen der Roth pflege er Metzgern die Autorisation zu ertheilen. Redner bemerkt bei dieser Gelegenheit, daß er demnächst eine neue Bearbeitung des S i w ch e - S ch l o m i m herauszugeben beabsichtige. Entgegen der Ansicht Spaniers ist Redner der Meinung, daß sogar die in kleineren Oertern schon bestehenden jüdischen Elementarschulen in Gefahr seien, von den sogenannten Rektorschulen verdrängt zu werden. Spanier-Stolzenau entgegnet dem Vorredner, daß dieses größtentheils von der Fähigkeit und Geschicklichkeit des jüdischen Lehrers abhänge. Die Rektorschulen pflegen für Quinta oder Quarta einer höheren Schule porzubereiten. Wenn der jüdische Lehrer zeige, daß er mindestens das gleiche Ziel erreiche, so würden die Kinder dock der jüdischen Schule verbleiben. Hinsichtlich der Religionsschulen betont Redner ausdrücklich, daß er keineswegs dieselben nun mit einem Male aus der Lifte der Schule streichen wolle, er sehe die Religionsschule als Ursache der Sonderstellung an, darum müsse man das Ziel, Beseitigung derselben, imnrer im Auge behalten. Redner verweist aus die Bestrebung der Regierung, die ehemaligen polnischen Landestheile zu germanisiren, das ginge auch so schnell nicht, aber das Ziel werde im Auge behalten. Levy—Norden ist der Meinung, daß die Lehrer nicht imstande wären, zu ihrer Befferstellung etwas Wesentliches thun zu können. Der Verband müsie die Gründung von Provinzialverbänden und Kassen anregen. Bachen heim er— Harburg glaubt, daß auch in größeren Städten Elementarschulen mit höheren Lehrzielen errichtet werden könnten. Man müsse den Eltern nur klarlegen, daß die ersparten Kosten an Schulgeld den jüdischen Lehrern zu gute kämen. Hiermit schloß die Generaldebatte. Da nunmehr für die Unterstützungskasie eine Sitzung anberaumt war, so wurden die Thesen einer Kommission überwiesen. In die Kommission wurden gewählt Stern—Hildesheim, Meyer—Hannover, Sp an i e r—Stolzenau und der Referent. Das Mittagessen wurde gemeinschaftlich eingenommen. Ernste und heitere Reden wechselten miteinander ab. 'Nach Wiedereröffnung der Sitzung wurden die von der Kommission inzwischen bearbeiteten Thesen nach kurzer Debatte angenommen. Dieselben lauten in der angenommenen Faffung: 1. Es ist die Hauptaufgabe aller jüdischen Lehrervercine, die definitive Anstellung aller jüdischen Lehrer sowie deren Pensionierung und Fürsorge für ihre Hinterbliebenen zu erstreben. 2. Es empfiehlt sich: n) die Erhaltung bereits bestehender und d e Begründung neuer öffentlicher Elenlentarschnlen, b) der obligatorische Charakter des jüdischen Religionsunterrichtes. 3. Es ist erforderlich, daß sämmtliche jüdische Religionslehrer die allgemeineBildung eines preußischen Vollsschullehrers und die jüdischen Volksschullehrer das zur Erlheilung des jüdischen Religionsunterrichtes nöthigc Wisien vor einer staatlichen Prüfungskommission Nachweisen. 4. Die Anstellung der jüdischen Regionslehrer hat in derselben Weise zu geschehen wie die der Elcmentarlehrer. 5. Zur Erreichung einer auskömmlichen Pension muß auch die nebenamtliche Thätigkeit des Lehrers besonders besoldet werden. 6. Zur Ausführung dieser Bestrebungen sind erforderlich i u) die Gründung von Provinzial-Gemeindeverbänden, b) nach dem Muster der staatlichen Ruhegehaltskasien die Errichtung von Provinzialkaffen, die sich zu einer Eentralkaffe vereinigen, aus welcher die Mittel für Pensionierung und Versorgung der Hinterbliebenen bestritten werden. Alle jüdischen Lehrer haben es als Ehrenpflicht zu betrachten, für die Stärkung des Grundfonds dieser Kaffen thätig zu sein. Die gestern abgebrochenen und nunmehr fortgesetzten „freien Besprechungen" hielten die Theilnehmer noch eine gute Weile beisammen. Als Verbandsdelegirte für die nächsten drei Jahre wurden der Vorsitzende und Levy—Norden gewählt. Hiermit war die Tagesordnung erschöpft. Die nächste Konferenz soll am l.und 2. Pfingsttage wieder in Hannover stattsinden. Vorträge übernahmen die Herren: Dr. Grone man n—Hannover, Lev 9—Hannover (Lehrprobe), Scheue r—Lemförde und N agel—Diepholz. Nachdem die Versammlung dem Vorsitzenden für seine Mühewaltung gedankt, wurde die Versammlung Abends 6 Uhr geschloffen. Frohes Wiedersehen im nächsten Jahre! Die Schriftführer: Iwan Meyer—Hannover. Julias Spanier—Stolzenau. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition dcS „Israelit", Scdottftratzc Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scben Hofbnckwruckcrei-Actien-Gcscllsibnti in Mainz.