Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 61 (2.8.1897)
- Date
- 1897-08-02
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1199 Herrn Dr. Bensey, der es bedauere, wegen Unwohlseins der Sitzung nickt beiwohnen zu können. Ferner theilte Redner der Versammlung mit, oaß er zu seinem Bedauern dieses Jahr wegen überhäufter Berufsarbeiten nicht in der Lage sei, feinen beabsichtigten Vortrag zu halten. Er bitte daher, sein Referat für nächstes Jahr zu reserviren. Zu einem weiteren Vortrage war die Tageszeit bereits schon zu weit vorgerückt, weßhalb in die „Freien Besprechungen" eingetreten wurde. — Recht lebhaft gestaltete sich der Austausch der Meinungen, Erfahrungen und Vorkommnisse, die das vielseitige Amt eines jüdischen Lehrers bewegen. Abends 81/2 Uhr wurde die erste Hauptversammlung geschlossen. Zw-it- Versammlung Donnerstag, den 10. Juni, Vormittags 8 Uhr. Um 8 Uhr Morgens wurde die Sitzung wieder im Versammlungslokale eröffnet, und Kollege F a b i s ch —Göttingen erhielt das Wort zu dem vom Verband nochmals zur Erörterung gestellten Thema „Definitive Anstellung fämmtlicher jüdischer Lehrer, ihre Pensionirung und Versorgung ihrer Hinterbliebenen." Der Referent batte das bezügliche Material fleißig gesammelt und sprach mit vieler Wärme. — Die Versammlung folgte seinen Ausführungen mit Aufmerksamkeit und Interesse. Nach beendigtem Vortrag sprach der Vorsitzende dem Referenten den Dank der Versammlung aus und stellte den Gegenstand zur General-Debatte, die sich recht lebhaft gestaltete. An derselben beiheiligten sich Spanier—Stolzenau, ^laqe l—Diepholz, Landrabbiner Dr. L ö b—Emden, Stern—Hildesheini, der Referent, Dr. Gronem an n—Hannover, Levy—Norden, B achenheimer —Harburg und andere. Spanier—Stolzenau erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten nicht einverstanden. Die Vorschläge enthielten ja manches Beherzugenswerthe, seien aber keineswegs geeignet, das vom Verband angeftrebte Ziel zu erreichen. Das Nebel, welches im Lehrerstande hinsichtlich der definitiven Anstellung ec. bestehe, müfle mit der Wurzel ausgerottet werden. Es sei hier eine chronische Krankheit vorhanden, die geheilt werden müsse und solle. Nach seiner Ansicht müsse man zunächst in Erfahrung bringen, worin die Ursache der mangelhaften Stellung des jüdischen Lehrers zu suchen sei. Die Schuld liege weder an dem Lehrer noch an der Gemeinde, sondern an der Sonderstellung, die der jüdische Lehrer einnehme, eine Art Zwitterstellung, und dieselbe könne nur gehoben werden durch Beseitigung der Ursache dieser Stellung, in welcher Redner die Religionsschule sieht. Dieselbe gebe dem Lehrer die Ausnahmestellung, darum müsie sie beseitigt werden. Redner giebt nun eine Schilderung über die mißlichen Verhältnisse in der Religionsschule, welche die Disciplin bei Eltern und Kindern untergraben. Die Folge sei, daß der Lehrer erlahme in seiner Arbeitsfreudigkeit und sein Lehrgeschick, ja sein ganzer Charakter in einer solchen Schule zu Grunde gerichtet werde. Für die Religionsschule habe man nichts über, um wieviel weniger für die Lehrer oder deren Hinterbliebenen. Darum müsie das Bestreben des Verbandes darauf gerichtet sein, daß statt der Religionsschulen überall öffentliche Elementarschulen errichtet werden, und damit sei das gestellte Ziel, definitive Anstellung ic. erreicht. Nun sei es eine zweite Frage, ob die Hoffnung aus Ausführung keine Utopie sei. Redner glaubt, daß infolge des Schulentlastungsgesetzes auch der kleinsten Gemeinde die Möglichkeit gegeben sei, eigene Schulen zu gründen. Die maßgebenden Behörden würden sicherlich ein Entgegenkommen zeigen, besonders wenn das Gesuch begründet , werde mit der Thatsache, daß die Gründung eigener Schulen zur Hebung des religiösen Lebens erforderlich sei. Die oberste Schulbehörde sei ja der Gründung konfessioneller Schulen nicht abgeneigt. Auch in größeren Städten müsie man eigene Schulen mit höheren Lehrzielen errichten. Die dort leistungsfähigen Gemeinden müßten in Anbetracht des hohen Zieles bis an die Grenze des Möglichen gehen. Jüdische Gymnasien seien nickt erforderlich, da das Studium als Lebensberus nur eine Ausnahme bilde. Das gestellte Ziel sei allerdings nicht leicht mtb nur langsam zu erreichen, es führe aber desto sicherer zum Ziele. N a g e l - Diepholz hält den Vorschlag des Vorredners für gut und zum Ziele führend, glaubt aber, oas; die Durchsübrung nickt angängig sei. Es sei schon ein großer Erfolg, wenn die Umwandlung der Religionsschulen in private Elementarschulen zu ermöglichen wäre. Jedenfalls sollte man daraus sehen, daß die Regierung keine Ausstellungsurkunde aus Kündigung genehmige. Dr. L ö b—Emden: Es scheine, als ob die Aussührungon Spaniers die Versanunlung sympathisch berührt hätten. Es sei jetzt allerdings die Strömung, jüdischkonfessionelle Elementarschulen zu bilden; aber diese würden vorerst noch fromme Wünsche bleiben, da die Erkenntniß über die wohlthätigen Folgen sich noch nicht Bahn gebrochen. Die Gemeinden müßten selbst den Rothftand einsehen, dann würde auch die Heilung vollzogen werden können. Uebrigens sehe es so schwarz, wie Spanier geschildert, in den Religionsschulen doch nicht aus. Sie ohne weiteres zu beseitigen ginge doch nicht an. Hinsichtlich der vom Referenten gemachten Ausführungen über das Schächten, bemerkte Redner, daß er auf dem Standpunkte stehe, daß diese Handlung nur von einem würdigen Manne und nicht von Metzgern ausgeführt werden dürfe, das Schächten sei daher nicht vom Lehramte zu trennen.