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Der Israelit · 1897-08-02 · Heft 61 (2.8.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 61 (2.8.1897)
Date
1897-08-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1198 Vereinsjahr. Derselbe berührte auch die Thätigkeit des Verbandes im Laufe des Jahres. Der Vorsitzende wies auf die Angriffe und Verdächtigungen bin, die der D.-J. G.-B und auch der Vorstand des Verbandes der Lehrervereine von gewister Seite erfahren haben, um Unfrieden zwischen Lehrer und Gemeindebund zu säen. Es sei völlig irrig, daß der Gemcindebund das Bestreben habe, über den Verband zu herrschen oder ihn irgendwie zu bevormunden. Der Gemeindebund wolle nur Hebung der Schule und Besserstellung der Lebrer. Derselbe habe auch wesentlich dazu beigetragen, daß oie Pensions- und .Rcliktenkane des Verbandes anfange, sich lebensfähig zu gestalten. In einem Schreiben des Verbandsvorsitzenden wird ferner zur Kenntnis; der Versammlung gebracht, daß derselbe Vorschläge über die Gestaltung der Kasse erwarte. Ein Zuschuß von 15" Mk. zu den .kosten sind wiederum von dem Verbände gewährt. Der Vorsitzende machte bierbei die Bemerkung, daß der Modus der Vertheilung dieses Zuschusses ul unierm Verein bei dem Verbandsvvrstande Beifall gefunden habe. Aus den vom Verbandsvorstande an die Lehrer versandten Fragebogen habe man ersetzen, daß die materielle Lage und gesetzliche Stellung der Letzrer in Hannover recht günstige seien im Vergleich zu den östlichen Provinzetl. Der Gemeindebund bat dem Verein fünf Eremplare „Urbild uub Ebenbild" von Rabbiner Dr. I. Goldschmidt—Dffenbach a. M. zur Vertheiluna an AUtglieder nach Ermessen des Vereinsvorsitzenden überwiesen. Der Vorsitzende gedachte des wätzrend des Vereinsjahres durch Unfall so plötzlich aus dem Leben geschiedenen wackeren und allveretzrten Vollegen Speier—Hannover. Die Versammlung ebrt dessen Andenken durch Erheben von den Sitzen. Hierauf wurden fämmtliche Vorstandsmitglieder durch Akklamation wiedergewäblt. Die Gewählten nahmen die Sah! dankend an. Nunmehr ertheilte der Vorsitzende den: Kollegen Apt—Pattensen das Wort zu seinem Referate: „Die Geschichte der Erziehung und des Unterrichts bei den Juden". Die Ausführungen des Referenten gipfelten in folgenden Gesichtspunkten: Die Geschichte der Erziehung ist mit der Geschichte unseres Volkes eng verwachsen. Sie geht bis ins Alterthum zurück. Vater und Mutter waren da die einzigen Erzieher und die Erziehung eine häusliche und religiöse. Das innige Familienleben begünstigte den Unterricht. Später wurden die Leviten Lehrer. Zur Zeit der Könige waren Schreiben und Zeichnen allgemein bekannt. Die Bibel war und blieb lange Mittelpunkt des Unterrichts. Später entstanden Prophetenschulen. Der Unterricht begann früh, die Zucht war streng, die Schüler besuchten oft bis zur Verheiratung die Schulen. Hervorragend thätig für Schule und Unter- 1 richt waren Hiskiah, Josia, Esra und Nehemiah. Auch das zerstreute Volk suchte Trost und Belehrung in der Bibel. Es fand bei den Griechen rege Unterstützung. Zahlreiche Männer sorgten dafür, daß der Drang nach Wißen auch in schweren Zeiten nicht völlig gehemmt wurde. Infolge Zerstreuung des Volkes mußte das geistige Bindemittel, sollte es nicht verloren gehen, niedergefchrieben werden. Es entstanden Mischnah und Gemarah. Sie waren lange Zeiten der Mittelpunkt alles Studiums und enthielten sehr zahlreiche Aussprüche über Schule und Lehrer. Das Indent bum Spaniens war allen in geistiger Bildung voran. Der Unterricht begann im fünften Lebensjahre. Gelehrt wurde zunächst das Alef-Beth; dann Brochaus, fünf Bücher Mosis und „Raschi". Die begabten Schüler lernten Talmud. Anne Schüler wurden von Vereinen und Gemeinden unterstützt; erstere führten oft ein Wanderleben. Im Mittelalter entstanden auch schon pädagogische Schriften, aus denen recht vieles unseren modernsten pädagogischen Ansichten gleichkommt, die Bücher z. B. „Buch der Frommen", „Joseph Dmez". — Letzrhäuser, J'schiwaus, blühten in Prag, Fürth und Frankfurt a. M. Der Lebrerstand war nicht angesehen. Das Lehreramt, weil schlecht besoldet, ein mit vielen Rebenbeschäftigung verbundenes Gewerbe. Die Schulräume ungesund. So ging es während des ganzen Mittelalters. bis Mendelsohn auftrat. Er übersetzte den Pentateuch in die deutsche Sprache und verbreitete denselben. Infolge der zunehmenden Bildung schloß sich das Judcnlhum an Staat und Bürger enger an. In verschiedenen Staaten wurden Schulen gegründet und von der Dbrigkeit unterstützt. Blau sah ein, daß die Juden noch etwas anderes als Hausierer fein konnten. Auch Preußen gab 1812, 1823, 1827 und 1828 Gesetze, welche das Judenthum und seine Schulen betrafen. Seminare wurden gegründet. Der Lehrerstand hob sich und auch in den kleinsten Orten wurden Schulen gegründet. Aber noch ist nicht alles gethan. Zwar geschah vom Gemcindebund viel, der Lehrerbund bat noch viel zu wirken, bis das Ziel „gleiche Pflichten, aber auch gleiche Rechte" für alle Lehrer erreicht sein wird. Der Vorsitzende sprach dem Referenten für seine fleißige, wohldnrchdachte Arbeit den Dank der Versammlung und stellte die Frage, ob eine Debatte gewünscht werde. Vott einer solchen wurde Abstand genommen, nur Herr Landrabbiner Dr. Lob—Emden erbat und erhielt das Wort zu einzelnen Berichtigungen, die interessant und belehrend waren. Herr Dr. Grone mann, der erst später in der Versammlung erschien, begrüßte die Mitglieder nachträglich in seinem Namen und Namens des durch eine dringende Reise am Erscheinen verhinderten Landrabbiners Dr. Lewinsky—Hildesheim. Gleichfalls entschuldigte er den Vertreter des D.-J. G.-B.,

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