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Der Israelit · 1897-08-02 · Heft 61 (2.8.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 61 (2.8.1897)
Date
1897-08-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1191 schäften nach Moskau. Obgleich der Paßcodex den jüdischen Kaufleuten gestattete, alle Jahre zwei Monate geschäftshalber in Moskau zuzubringen, gab man ihm den Befehl, ohne Verzug abzureisen. Polak weigerte sich; die Polizei wies ihn von amtswegen aus. Man schrieb sogar folgendes in seinen Paß ein: „Der Besitzer wird aus Moskau ausgewiesen und muß sich direkt nach seinem Heimathsort begeben." Diese Notiz zwang Polak, sich direkt nach Minsk zu begeben, ohne nach anderen Städten zu fahren, wohin ihn wichtige Geschäfte riefen. Er führte Klage beim Generalgouverneur von Moskau und erhielt folgenden für ihn günstigen Bescheid: 18. Januar 1897. Nr. 821. An den Fürsten Troubetzkoi, Gouverneur der Provinz Minsk. Auf Befehl Seiner kaiserl. Hoheit, des General- Gouverneurs von Moskau, habe ich die Ehre Sie zu bitten, den jüdischen Kaufmann Benjamin Polak, wohnhaft in Minsk am Domplatz, davon Mittheilung zu machen, daß auf feine am 1. Juli 1896 beim General-Gouverneur eingereichte Klage bezüglich seiner ungesetzmäßigen Ausweisung von Moskau, eine Untersuchung angeordnet worden ist. Diese Untersuchung hat erwiesen, datz seine Klage gerechtfertigt ist. Der Polizei-Beamte, welcher die Ausweisung Polaks angeordnet , ist abgesetzt worden. Was die dem Paß des Polak angesügte Note betrifft, so ist sic annullirt worden. Der Polizeichef: Oberst T r a p o s. Der auf Befehl des General-Gouverneurs von Moskau abgesetztc Beamte ist der Oberst Wlassosski früherer Polizeioberst. Afrika. 'i Algier. Unsere Leser werden sich entsinnen, daß vor einigen Monaten die Studenten der Universität in Algier sich arge Ercesse gegen einen neuangestellten jüdischen Professor zu Schttlden kommen ließen. Die beiden Rädelsführer, zwei Brüder Regis, sind von der Universität relegirt worden und auf ihre Appelation hat der oberste Unterrichtsrath die Relegation aufrechtgehalten. Diese Verfügung hat eine allgemeine Entrüstung bei den antisemitischen Organen der Provinz Algier hervorgerufen, und mit Recht weisen die Pariser Zeitungetl auf den rohen Ton hin, der in der antisemitischen Presie Algier's herrscht. Der „Siede" erinnert daran, daß noch keine lange Zeit seit dem Erceffe in der Provinz Oran verstrichen ist und die Gehässigkeit der judenscindlicheu Presse wohl geeignet sei neue Ercesse herbeizuführen. Amerika. 8 New-Nork. Bor nicht allzu langer Zeit machte die Thätigkeit der Mission viel von sich reden, , und um derselben entgegen zu wirken, wurden von jüdischer Seite sogenannte Missionsschulen gegründet, in denen fast nur jüdische Religion unterrichtet wird. In den bisher eingerichteten 10 Schulen sind 1000 Schüler, wozu noch in den jüdischen Freischulen 5000 Kinder kommen, welche Religionsunterricht bekommen, während für einen geordneten Religionsunterricht der überwiegenden Mehrzahl der jüdischen Kinder unserer Stadt noch keineswegs ausreichend gesorgt ist.? Montreal. Am 6. Juli wurde hier die diesjährige Centralconferenz der Rabbiner von Nordamerika eröffnet. Die stark besuchte Versammlung wurde von Rabbiner W i s e eröffnet und wählte sie denselben zum Vorsitzenden. Derselbe nahm Gelegenheit sich gegen die Zionisten und den Congreß zu München resp. Basel zu äußern. Bemerkenswerth und charakteristisch für die engherzige Anschauungsweise dieses Rabbiners ist die Motivirung, mit der er die Betheiligung am Congreß ablehnt. Er führt Folgendes aus: „Der Congreß rmd der Judenstaat beabsichtigen, verfolgten und bedrückten Juden eine Heimathsstätte zu schaffen. Wir Juden in Amerika leben so frei, daß auch ein jüdischer Staat keine größere Freiheit gewähren könne, folglich geht uns der Judenstaat nichts an." Man braucht noch lange kein Anhänger des Congresses zu sein, um diese Motivirung recht verwerflich zu finden. MitlhellnW« aus de« ISd. Arm«»eret»e« und str dieselbe«. (Sämmtliche jüd. Wanberbettelvereine und Kaffen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen, die fie ans dem Gebiete ihrer Thätigkeit machen, znkommen zu kaffen.) Erttsbnch. Die verehr. Vorstände der Unterstützungskassen werden hiermit vor einem gewiffen Levi Bernstein aus Szeged in gewarnt. Derselbe hat keine ptzon, versteht kein hebräisches Wort und kann nicht hebräisch lesen, wobei er sich entschuldigt, daß er ohne Brille nichts sieht. Vermischtes. Berlin- Die „Rationalz „ berichtete in voriger Woche Folgendes: Als am 19 Juni ein jüdischer Kaufmann aus Halle a. S. sein am Bahnhofe zu Köln zur Aufbewahrung gegebenes Handgepäck abholte, sah er am Fenster des Aufbewahrungsraumes eine in Form der Fahrkarten hergestellte grünweiße Empfehlungskartc mit der auffälligen Ueberschrift: „Judenfrcies Hotel- Restaurant Köllner Hof". Auf die an den Beamten gerichtete Frage, wie diese Karte an diesen Platz komme, erhielt er die Antwort: „Das geht niemand etwas an!" — Auf eine dieserhalb erhobene Beschwerde des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat die König!. Elsenbahndirektion Köln unter dem 30. Juni folgenden Bescheid ertheilt: „In der auf jJhre Beschwerd

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