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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1171 Anfangsgehälter junger Leute, sondern das stabile Einkommen von Familienvätern bedeuten. Eine Fürsorge für arbeitsunfähige Kultusbeam te n und deren Hinterbliebenen ist contraktlich nur in zwei Gemeinden < Königsberg und Allenstein) vorgesehen u. z. in der einen nur für die lebenslänglich angestellten Beamten selbst (nach Maßgabe der bez. Grundsätze für Staatsbeamte) und in der anderen nur für die Hinterbliebenen derselben (durch Zuschuß zu den Kosten einer Lebensversicherung). Beide Gemeinden gingen aber in freier Entschließung bei eintretenden Fällen über ihre contraktlichen Verpflichtungen hinaus und gewährt hier auch den arbeitsunfähig gewordenen Beamten, dort auch der Hinterbliebenen Familie lausende Pensionen. In gleicher Weise habe in den letzten 10 Jahren noch drei andere Gemeinden (Tilsit, Ortelsburg und Lotzen) aus freiem Willen an Kultusbeamten-Wittwen und Waisen Pensionen gezahlt. Diesen vereinzelten Ausnahmen gegenüber bleibt das Gros der ostpr. Kultusbeamten im arbeitsunfähigen Alter und ihre Familien beim Tode des Ernährers unversorgt. Etwa ein Drittel (20) hat in weiser Vorsicht seinem schmalen Einkommen noch ein Opfer abgerungcn und sich aus eigenen Mitteln jüdischen Wohlthätigkeitskassen (Hilfskaffe für Kultusbeamte in Pommern, Ost- und Westpreußen; der Kantorenkaffe zu Berlin; Achawa) einer auch der Rothenburger Sterbekaffe und drei einer Lebensversicherung angeschloffen. Sechs Gemeinden der Provinz (Königsberg, Eydtkuhnen, Lotzen, Insterburg, Margrabowa und Gerdauen) suchen ihren Beamten durch Jahres-Unterstützungen an die „Hitfskasse" beit Anschluß an dieselbe zu erleichtern. Die dadurch zu erhoffende Beihilfe ist zwar nur gering, schützt aber wenigstens vor dem Schlimmsten. — Innerhalb sechs fahren hat der Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens die öffentliche Wohlthätigkeit zweimal für in drückendster Roth zurückgebliebene Familien früherer Kollegen in Anspruch nehmen müffen. — Die vorstehenden, betrübenden Enthüllungen sind nicht für die stumme Klage bestimmt. Sie wollen den Weg frei legen für hochherziges Streben im Dienste und zum Heile des jüdischen Schul- und Gemeindewesens in Ostpreußen. Möchten sich viele warme Herzen dafür zusammenfinden. A. Peritz—Königsberg. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. JF. Wesel, 26. Juli. Seitens des Vaterländischen Frauen-Vereins war im hiesigen Militär-Casino ein großes, aus Bazar, Concert, prachtvollen plastischen Darstellungen bestehendes Fest zu wohlthätigen Zwecken veranstaltet worden, bei welchem die Notabilitäten der militärischen und bürgerlichen Bevölkerung, Damen und Herren mitwirkten. Bei der Vertheilung de» Reinertrages war nun auch der israelitische Frauen- Verein (Frauen-Chewra) und zwar in der nobelsten Weise bedacht worden. Es wurden demselben 50 Mark überreicht, eine Summe, die im Verhältniß zu den an die anderen wohlthätigen Anstalten übermachten Beiträgen eine sehr hohe zu nennen war. Solche Aufmerksamkeit und Zeichen edler Toleranz sind in heutiger Zeit nicht hoch genug zu schätzen und verdienen als rühmenswerth und erfreulich erwähnt zu werden. ** Emden, 23. Juli. Die vor einigen Wochen verstorbene Frau Konsul Brons, geb. Sasse, hat in ihren gestifteten Legaten auch zwei Wohlthätigkeitsanstatten der hiesigen israelitischen Gemeinde bedacht. In hochherziger Weise bestimmte sie sowohl für das israelitische Asyl, wie auch für den Waisenverein je ein Legat von 500 Mark. Diese Vermächtnisse ehren das Andenken der verewigten Stifterin umsomehr, als sie die edle vorurtheilsfreie Gesinnung derselben zum Ausdruck bringen. Der Waisenverein, der sich auf den ganzen Landrabbinatsbezirk Emden erstreckt, hat die Bestimmung, arme verwaiste Kinder der Verwahrlosung zu entreißen. Bis jetzt hat der Fonds des Vereins noch nicht die Höhe erreicht, um am hiesigen Orte ein Waisenhaus errichten zu können: Deshalb werden gegenwärtig die Kinder theils in Waisenhäusern, theils in Familien untergebracht. Nürnberg. 22. Juli. Herr Lazarus Schwarz, von dessen 70jähriger Geburtsfeier Sie erst kürzlich berichtet haben, ist am 20. ds. Mts. in Wildbad, wohin er sich zur Kräftigung seiner Gesundheit begeben hatte, einem Schtaganfall plötzlich und unerwartet erlegen. Dieser Tod hat weite Kreise in große Trauer und tiefe Betrübniß versetzt. Bei der heute dahier stattgehabten Beerdigung kamen diese Empfindungen zu wahrhaft erschütterndem Ausdruck. Es halten sich zu derselben, außer den Angehörigen des Verstorbenen, die Mitglieder der hiesigen israel. Kultusgemeinde fast vollzählig, eine große Anzahl aus der Nachbargemeinde Fürth, die sämmtlichen Zöglinge der bayr. israel. Waisenanstalt in Fürth mit ihren Lehrern und dem Direktor, sowie eine große Anzahl sonstiger Leidtragender aus allen Schichten der Bevölkerung eingefunden. Am Grabe sprach zunächst, im Aufträge der Kultusgemeinde und in Vertretung des abwesenden zuständigen Rabbiners, Herr Rabbiner Dr. Neubürger aus Fürth. Er gedachte in würdigen, angemessenen Worten des großen Verlustes, den die Gemeinde, die Stadt und deren Wohlthätigkeitsanstalten durch den Heimgang des edlen Mannes erlitten haben und entwarf in

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