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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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WWW 1172 großen Zügen ein Lebensbild des Verewigten und ein Bild seiner frommen menschenfreundlichen Wirksamkeit. Herr Justizrath Josephthal widmete hierauf Namens der Kultusgemeinde dem Verblichenen schöne Worte des Dankes und der Anerkennung. Er hob, neben der verständnißvollen opferwilligen Theilnahme des Verstorbenen an allen Humanitären Bestrebungen, insbesondere sein stetes Bemühen hervor, ein friedliches Zusammenwirken der verschiedenen religiösen Richtungen zum Heile der Gesammtheit zu ermöglichen. Herr H orowitz gab dem Schmerze der Mitglieder der orthodoxen Vereinigung „Adaß Jeschurun" Ausdruck, die in denr Verblichenen einen ihrer Gründer verehrten. Er schilderte die Verdienste desselben auf den verschiedenen Gebieten der Verwaltung, der er bis an sein Lebensende mit Eifer und Hingebung angehört hat. Namens der Israelitischen Waisenanftalt sprach Herr Dr. Deutsch von Fürth erschütternde Worte der Trauer und der Klage. Er erinnerte an die fürsorgliche Thätigkeit des edlen Heimgegangenen zur Verbesserung des Looses der Verwaisten, denen er mit großen Mitteln eine Heimstätte schaffen geholfen und bis zu seiner letzten Lebensstunde ein liebevoller Annehmer gewesen. Selbst tief bewegt, riß der Ar'vnn dvcrch den Gehalt und das Temparamentvolle seines Vortrags die Versammelten zu gleicher Ergriffenheit hin. — Möchten die trefflichen Reden in Vielen das Streben erwecken, durch ihr Thun die Lücke auszufüllen, die der Tod Lazarus Schwarz' geschaffen hat, -mac mrx watw ’nir cm vrbnz* Algier.? Oran Das Benehmen der Polizei bei den hiesigen Judenhetzen hat bekanntlich sehr viel zu wünschen übrig gelaffen, und von verschiedenen Seiten sind die Behörden gedrängt worden gegen die Polizisten, welche ihre Schuldigkeit nicht gethan haben, einzuschreiten. Schließlich hat auch der Chef der Polizei die Entlassung eines Agenten verfügt, aber seltsam genug, diese Strafe hat gerade den einzigen jüdischen Angestellten der Oraner Polizei getroffen. Die Sache hat Aufsehen gemacht und am 3. Juli hat der Staatsanwalt V i l l e n e u v e vor dem Gerichtshof Gelegenheit genommen, sein Erstaunen über eine derartige Justiz auszudrücken und das Verfahren des Polizeichefs aufs schärfste zu verurtheilen. Freilich genießt unsere Stadt das traurige Vorrecht, daß an Spitze der Sicherheitsbehörde der Vizepräsident der antisemitischen Liga, der berüchtigte Pephan steht. Von diesem Mann kann eine Ungerechtigkeit gegen seine jüdischen Untergebenen nicht sehr Wunder nehmen, dem muthigen Staatsanwalt gebührt der Dank, daß er das ungerechte Verfahren gebührend gekennzeichnet hat. Uebrigens dauern die Verurtheilungen wegen jener Exzesse immer noch fort; so wurden am 3. Juni wieder zwei Leute, der eine zu einem, der andere zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Palästina. (D Jaffa, 12. Tamus. Am 3. Juli ist hier Herr Barbier, Lehrer für Chemie und Physik an der Mittelschule von Rouiber in Algerien, eingetroffen, .um sich dem Studium der unter der Administration des Herrn Baron von Rothschild stehenden Kolonie zu widmen, und einen Rapport darüber zu geben. Herr Barbier, dessen Schüler u. A. die Herren Gärtner Appelbaum in Pethach-Thikwah und Roseneck in Sichron-Jakobh sind, wird volle 17 Tage also bis zum 26. Juli in Palästina bleiben und in dieser Zeit alle die Kolonien, über die er berichten wird, selbst studiren, sowohl hier in Judäa, wie in Galliläa bis nach Metule hin, und wird auch in Hauran sein. Sein Weg wird ihn im Verlaufe dieser Zeit auch nach DamuSkuS führen. Selbstverständlich werden alle Beamten dieser Kolonien, sich alle erdenkliche Mühe geben, daß er alles Erforderliche in geeigneter Weise sieht. — DieVendange, d. h. die Arbeit mit der Traubenernte wird am 25. Juli in den judaischen Kolonien beginnen. — InKast ine (Bee r-T o b i a h) ist der Schnitt vom Weizen und Gerste bereits vollendet und bas Getreide «ach Dschoren, d. h. die gemeinsame Tenne zum Dreschen geführt. — -£• Vermischtes. Berti». Oßvofeffot Rohling auf dem Jnb er.l Wie man der Pol. Corr. aus Rom schreibt, befindet sich in der vom Osservatore Romano veröffentlichen Lifte der kürzlich auf den Index verbotener Bücher gesetzten Werke auch die vom Professor der Bibel-Exegese an der Prager deutschen Universität, Canonicus Dr. Rohling 1894 Deutsch und Lateinisch veröffentlichte Schrift: „Der Zukunftsstaat. Ein Trostbüchlein." (Civitas futura. Libellus consolatoris.) Professor Rohling ist bekanntlich auch der Verfasser des Buches „Der Talmud-Jude", der gleichsam die theologische Grundlage des confessionellen Antisemitismus bildet. Budapest. Frau Baronin Hirsch hat dem Israel. Knaben-Waisenhaus Frs. 40000 gespendet. — Dr. Alexander B ü ch l e r wurde von der Keszthelyer israel. Gemeinde mit Begeisterung einstimmig zum Rabbiner gewählt. — Dr. Rudolf Groß wurde einstimmig zum Stuhl« richter von der Stadt Zsibö gewählt. — Dr. Armin F l e s ch, Oberrabbiner von Mohärs Hai in der Zentaer Orthodoxen Synagoge eine Predigt gehalten, welche in der Gemeinde Sensation erregte, weil Flesch Rabbiner der Neologen-Gemeinde ist. — Der kön. ung. Finanz-Minister L u k ä c s hat Simon Weiß zum Eonzipifteit ernannt. Weiß ist ein ehemaliger Schüler der Waitzner Jeschiwa, ein hervorragender Kenner der hebräischen Literatur. .>...u; — Der kön. ung Cultus-MimstepDr, JuliMW a s si c s hat Dr. Gözo Längö zum Professor der hiesigen "Staats Realschule ernannt.

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