Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1897)
- Date
- 1897-07-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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1XXTI11. Jahrgang. Erste Beilage M M 60 des „Israelit". Leitender Artikel. Gstpttiißisitzr Gkmkliideunö Kemten-UkrtzSItiiilsk. (Eine statisti sche Darlegung.) Die auf Beschluß des Verbandstages ostpreuß. Synagogen-Gemeinden am 31. August v. I. unter dem Vorsitze des Herrn Rechtsanwalt Schey—Allenstein zusammengetretene Commission zur Regelung der An stell»ngs-, Besoldungs- und Versorgungs-Verhältnisse der jüd. Kultus b e a m t e n und Religionslehrer Ostpreußens hat über die Gemeinde- und Beamten- Berhältnisse der Provinz statistische Erhebungen angestellt, welchen wir die nachstehenden Daten entnehmen. Die Statistik weist das Ergebniß von 48 Hauptgemernden auf, darf also im Allgemeinen als vollständig und da die Auskünfte überall von beiden betheiligen Seiten, der Gemeindevertretung und dem Beamten, eingefordert worden, in der sich gegenseitig korrigierenden Form auch als zuverlässig gelten. I. G e m e i n d e - V e r h ä l t n i s s e. 1. Größe der Gemeinden, nach der Zahl der steuerpflichtigen Mitglieder bemessen: 6—io steuerpfl. Mitgl. haben 8 Gmden. n n n 22 ,, n ii ii 1 2 ii ii ii 4 ” Die Mehrzahl der Gemeinden hat also unter 25 stellerpflichtige Mitglieder. Als Großgemeinden können neben Königsberg nur noch 5, nämlich: Ottelsburg,Insterburg,Allenstein,Tilsit u.Memel gelten. Die Summe der steuerpflichtigen Mitglieder der Provinz darf auf ca. 3000 angenommen werden, wovon Königsberg allein 1250 umfaßt. 2. Größe der Gemeinden, nach der Höhe ihres Zahres-Etats bemessen: 10—25 25—50 50—100 100—250 1250 700— 1 000 Mk. erheben 8 1 000— 1 500 „ „ 13 1 500— 2 000 „ „ 12 2 000 — 2 500 „ „ 3 2 500— 3 000 „ „ 2 3 000— 4 000 „ „ 4 4 000— 0 000 „ „ 1 5 000— 10 000 „ „ 2 10 000—12 500 68 500 Gemeinden. Hiernach erheben % der Gemeinden weniger als 2000 Mk. jährliche Steuer. In der Reihe der sechs größten Gemeinden zählt dem Jahres-Etat nach statt Ottelsburg hier Osterode. Die Summe der von der Provinz im Ganzen aufgebrachten Steuer beträgt ca. 180 000 Mk., wovon Königsberg allein mehr als 7s steuert. Fünf Gemeinden vermögen ihren Etat nicht aus eigener Kraft aufzubringen und erhalten vom ostpr. Synagogen-Verband Zuschüsse von 75—200 Mk. p. er. Der Steuersatz. Der procentuelle Steuersatz wird in Ostpreußen allgemein, (bis auf wenige [4] Ausnahmen) nach der Staatssteuer festgestellt und variiert zwischen 60% und 400%. Im Speciellen erheben: 300—400 % der Staatssteuer 4 Gemeinden. 200—300 % „ „ 8! 50-200% „ „ 2 125-150% „ „ 8 100—125 % „ „ 8 75—100% „ „ 6 60- 75 % „ „ 4 Von dem Einkommen erheben: 2 Gemd. 2%; 1 Gemd. 1%%; 1 Gemd. %g%. Die sechs am niedrigsten besteuerten Gemeinden sind: Bartenftein 60%, Guttftadt 65%, Neidenburg 60%, Soldan 65%, Stallupönen I6^% v. Sink., Königsberg %o% v. Sink. Dem gegenüber erscheinen % der Gemeinden (12) in ihren Steueransprüchen überangestrengt. Hält man dazu, daß nur fünf davon einen Zuschuß von anderer Seite erhalten, so bietet sich hier ein bewunderungswürdiges Bild jüdischer Opferwilligkeit — kleiner Gemeinden. Es sind dies: Darkehmen, Mehlsack, Mohrungen, Reidenburg, Ruß und Saatfeld. Die Schwankungen in der Steuerkraft der Gemeinden (nach den letzten fünf Jahren bemessen) sind ziemlich bedeutend. Während sich die Steuerkraft nur in sechs Gemeinden (vor alleul in Allenstein um 150/,», Sensburg 50%, Rastenburg 25%) gebessert hat, ist sie in 15 Gemeinden, besonderin Angerburg 40%, Lotzen 50%, Mehlsack 60%, Tapian 500/,> und Saalfeld, zurückgegangen. II. Verhältnisse der Kultusbeamten. In den 46 Gemeinden, welche die Grundlage dieser Statistik bilden, amtieren 58 Kultusbeamte und Religionslehrer, ausschließlich der Rabbinen. Eine Gemeinde war z. Z. ohne Beamten. Ihrer Amtsbeschäftigung nach sind sie fast alle gleichzeitig Prediger (zum mindesten Kasualredner) Lehrer, Kantor, Thoravorlefer und Schächter. Nur neun versehen die Schechita nicht. Einer ist im Ele-