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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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vMx»!-?#uj y i u1. »/ * ijl 1167 bigem Gemüthe verehrt. Aber wir leben in einer verderbten Zeit. Wißt ihr nicht, was im 32. Capitel des 5. Buches MosiS steht? Ich will mein Antlitz vor ihnen verbergen und sehen, was ihr Ende sein wird. Denn sie sind ein verkehrtes Geschlecht, Kinder ohne Glauben. Sie kränken mich durch einen Ungott, sie erzürnen mich durch ihren nichtigen Wahn, aber ich kränke sie durch ein Unvolk, ich erzürne sie durch einen verworfenen Heiden. Versteht ihr diese Stelle? Ich glaube nicht, denn sie hat einen geheimen Sinn, den ich euch deuten will, sie bezieht sich auf den Bal Schem. Daß die heutige Welt nichts taugt, ist klar, das werdet ihr wohl begreifen. Es giebt leider sogar Rabbiner, welche die wundervollen und heiligen Geheimnisse der Kabbala verschmähen und die frommen Weisen, die durch die Vermittelung der Seraphim und Cherubim wie der Geister der seligen Propheten einen Blick auf den Abglanz des göttlichen Wesens werfen dürfen und so die höchste Belehrung erhallen, als Thoren, ja als Jrrlehrer schildern, und die Menschen vor ihnen warnen. Diese Rabbiner und alle ihre Anhänger, die ihren Warnungen vertrauen, werden nun als ein verkehrtes Geschlecht bezeichnet, als Kinder ohne Glauben, denen Gott sein Antlitz, das heißt die Erkenntniß seines Wesens, die nur dem Bal Schem offenbart ist, verbirgt, dafür ihnen aber auch ein trauriges Ende androht. Ja, der Bal Schem selbst wird das Antlitz Gottes genannt, und so wird dem verkehrten Geschlechte nicht gestattet, den Bat Schem zu erkennen. Wie aber jeder Vers aus vielfache Weise gedeutet werden muß, so bezieht sich der Ausdruck: verkehrtes Geschlecht, zugleich auf die Sünder, die den Unglauben jener Rabbiner noch weiter umkehren und sich betrügerisch für Kabbalisten ausgeben, um Leichtgläubige zu täuschen. Diesen Sündern bleibt nun ebenfalls Gottes Antlitz verborgen und steht ein übles Ende bevor. Der folgende Vers enthält aber einen doppelten Tadel und eine doppelte Drohung, und es gehört je eine Drohung zu einem Tadel, wie schon die jedesmal gebrauchten Wörter: kränken, erzürnen, dem Einsichtigen andeuten. Es ist also zu lesen: sie kränken mich durch einen Ungott, aber ich kränke sie durch ein Unvolk; sie erzürnen mich durch einen nichtigen Wahn, ich erzürne sie durch einen verworfenen Heiden. Nämlich diese Betrüger, die sich für kabbalistische Wunderthäter ausgeben, tragen eine falsche Lehre vor, und verleiten ihre Zuhörer zu irrigen Vorstellungen, und das Wesen, das sie sich so vorstellen ist dann nicht Gott, nein, ein Ungott. In diesem Sinne kränken sie den Allerheiligsten durch einen Ungott, und ihre Strafe ist zunächst, daß sie die Menschen in falsch-gläubige verwandeln, die dann nicht mehr ein Volk, nein, ein Unvolk sind. Diesen Betrügern hängt also nur ein Unvolk an. Aber auch die (Leichtgläubigen sündigen durch Annahme der trügerischen Lehre und erzürnen Gott durch ihren nichtigen Wahn, und ihre erste Strafe besteht darin, daß ihnen der falsche Bal Schem, der unter dem verworfenen Heiden gemeint ist, gelassen wird." „Ach, ach.' wie herrlich!" rief der Wirth entzückt aus. „Ihr werdet nun einsehen," fuhr der Rabbi fort, „zu wie mannigfachen Sünden ich Veranlassung geben könnte, wenn ich hier als Bal Schem auftretcn wollte. Denn sind etwa eure Rabbiner und eure Gelehrten gegen die Kabbala eingenommen, so werden sie durch Lästerung meiner Person sich schwer versündigen. Achten sie dagegen, wie es frommen Leuten geziemt, diese heilige Wissenschaft, so steht doch zu befürchten, daß sie mich mit einem jener Betrüger verwechseln werden, die nur auf einen betrügerischen Gewinn ausgehen. Denn ich bin ihnen ja ganz fremd, und habe in der kurzen Zeit meines Aufenthalts, da ich übermorgen schon abreisen muß, kein Mittel, Proben meiner Wunderkraft abzulegen. Und doch ist auch ein Zweifel an einem wahren Bal Schem eine schwere Sünde, die ich eurer Stadt ersparen will, indem ich mich zurückgezogen halten werde. Man wird dann gar nicht Gelegenheit haben, über mich zu urtheilen, und das wird das Beste sein." „Eure Menschlichkeit ist eben so bewundernswerth wie eure Weisheit und Gelehrsamkeit", versetzte der Wirth, „und ich wage keinen Einwurf gegen Euren Beschluß. Ihr werdet doch aber nicht aller Gemeinschaft mit den hiesigen Einwohnern entsagen? Ihr werdet doch wohl in die Synagoge kommen?" „Das versteht sich!" erwiderte der Bal Schem, „und da hoffe ich auch, euren Rabbiner und eure Gelehrte kennen zu lernen, freilich aber nur als Privatmann, als ein einfacher Reisender, der ohne Ansprüche erscheint." „Da trefft ihr es eben heute recht gut," sagte der Gasthalter, „denn ein fremder Cantor wird sich hören lassen." „O weh!" rief jener, „dann möchte ich lieber meine Andacht zu Hause halten. An diesen fremden Cantoren ist meistens nichts, sie verunstalten mehr die Gebete, als daß sie sie zierten. Es giebt allerdings rühmliche Ausnahmen, aber sie sind selten. Wer ist denn dieser Cantor?" „Ich kenne ihn weiter nicht," erwiderte der Wirth, „aber er hat sich mir David aus ^arnikow genannt." „Wie?" rief der Rabbi freudig aus, „der Czarnikower David? Ei, den lasse ich mir gefallen! Das ändert die ganze Sache, den möchte ich um keinen Preis versäumen. Ich habe ihn schon oft gehört, aber den kann man nie genug hören. Das ist ein Cantor, der schwerlich seines Gleichen findet. Seine

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