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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1166 Zeugniß von dem zuständigen Rabbiner verlangt werde. Die Besprechung zweier schriftlich eingelaufenen Anträge Eckstein—B amberg, betreffend die Zugehörigkeit der Rabbinen zur O r 1S s ch u l k o m m i ssionund zumArmenpflegschafttzrath, füllten den Rest der Sitzung aus. Nachdem der qefchäftsführende Ausschuß der vorjährigen Konferenz (die Herren Dr.Dr. Cohn—Jchenhausen, Wern er, Ba mberger —Kissing en, Meyer, Neubürger, Ziemlich, Ersatzmänner: Groß und Stein) durch Akklamation wieder gewählt worden waren, Dr. K ohn dem Büreau für die Führung d?r Geschäfte und Dr. Stein der Kultusverwaltung für die Antheilnahme an den Berathungen, die Ueberlaffung des Saales und die liebenswürdige Bewirthung gedankt hatte, wurde die Konferenz mit einem dreifachen Hoch aus Sr. Königlichen Hoheit den Regenten geschloffen. Am Abend fand ein Festessen statt, welches von der Verwaltung für die Rabbiner und die zur Ausschußsitzung des „Landesverein-" anwesenden Gemeindevertreter veranstaltet war; Reden würzten das festliche Mahl, das nach gethaner Arbeit harmonisch verlief. Die nächstjährige Konferenz soll zu einer trauungsfreien Zeit in Kissingen stattfinden. ** Karlsruhe, im Juli. Am 9. d. M. wurde der neue israelitische Friedhof durch Herrn Stadtrabbiner Dr. Appel eingeweiht. Es ist dies der dritte, seitdem Karlsruhe besteht. Der erste israelitische Friedhof wurde am 9. Juni 1826 und der zweite am 9. Juni d. I. geschloffen. Nach der neuen, nun auch für die israelitische Gemeinde verbindlichen Friedhofsordnung werden die Leichen spätesten 36 Stunden nach dem Tode nach der Leichenhalle verbracht, und findet von dort aus die feierliche Beerdigung statt. Oe st e rr.-Un gar. Monarchie. Pefth. Die neologen Juden verursachen durch ihre Irreligiosität ihren religiösen Eltern nicht nur beim Leben Verdruß, sondern mancher unter ihnen läßt seine Eltern und Großeltern selbst nach ihrem Tode nicht in Ruhe. So wird aus Debrezin gemeldet, daß der steinreiche Michael Steinfeld — der, nebenbei bemerkt, vor Jahresfrist sich taufen ließ, — an die dortige wnp min das Ansuchen richtete, sie möge gestatten, daß er die Leichname seiner Großeltern und Eltern, ferner seines Onkels und seines Söhnchens aus dem jüdischen Friedhof erhumire, um dieselben in der Kripta unterzubringen, welche er in Matsch erbauen ließ. Wie die Debreziner sich diesem Wunsche gegenüber verhalten wird, ist noch nicht bekannt; hoffentlich wird sie sich die verlangte Verletzung des jüdischen Religionsgesetzes nicht zu Schulden kommen lassen. Sei dem aber wie immer, das Verlangen des getauften Juden zeigt, wie schändlich und pietätlos jüdische Eltern und Großeltern von ihren unjüdischen Nachkommen behandelt werden. Denn zugegeben, der getaufte Steinfeld sei so aufgeklärt, daß es ihn nicht kümmert, was immer mit seinem Leichnam geschehen werde; aber er weiß doch ganz gut, daß seine Großeltern und Eltern um keinen Preis der Welt es zugegeben hätten, daß ihre irdischen Ueberrefte dereinst erhumirt werden. Also schon aus Pietät wäre es die moralische Pflicht dieses Renegaten, die Leichname seiner Vorfahren, welchen er sein großes Vermögen verdankt, in Ruhe zu lassen. Im Uebrigen können jüdische Eltern aus diesem Falle ersehen, daß sie Gefahr laufen, auch im Grabe keine Ruhe zu finden, wenn sie nicht für eine jüdische Erziehung ihrer Nachkommen Sorge tragen. Vermischtes. Pest. (Graf Haugwitz.) Ein ergötzliches Ereigniß ist einem deutschen Antisemiten passirt: Bekanntlich besuchten kürzlich deutsche Bollblut-Arier Ungarn. Auf ihrer Reise kamen sie nach Szegedin, wo Dr. I. Rosza de Varhelyi die Aufgabe übernahm, den Gästen als Führer zu dienen. Graf Haugwitz richtete im Gespräch an seinen Führer die Frage. „Wohnen auch Juden in der Stadt?" „Ja", war die Antwort Rozsa's, „sie bilden hier eine große Gemeinde". „Gereichen sie den Ungarn nicht zur Schande?" fragte der neugierige Graf weiter. Dr. I. Rozsa erwiderte: „Se. Majestät hat mich durch Verleihung des Adels ausgezeichnet; ich bin Präsident der Advvkatenkammer, ich bekleide viele andere Ehrenstellen und bin auch Präsident der hiesigen jüdischen Gemeinde " — Zableau! Pretzburg. An der hiesigen Jeschibah fanden am 12. und 13. d M. die Schlußprüfungen unter Leiiung Sr. Ehrw des Herrn Oberrabbiners S B. Schreiber und im Beisein des königlichen Schulinspectors Herrn Papp statt und lieferten ein günstiges Resultat. Als Gäste wohnten den Prüfungen folgende ehrw. Herren Rabbiner bei: K. Reich (Budapest), L. Lipschütz (Präses der orth. Kanzlei, S. Kuttna (Eisenstadt), M. Katz (Neutra) und Simon Schreiber (Erlau). Geprüft wurden 248 Bachurim. Paris Kürzlich wurden die Statuten eines neu gegründeten legitimistischen Vereins veröffentlicht. In denselben fand sich ein Paragraph dahin lautend, daß Mitglieder dieses Vereins nur Franzosen sein könnten. Juden dagegen ausgeschlossen sind. Es ist nur erfreulich, daß die ganze legitimiftische Partei überhaupt nicht mehr ernst genommen wird, es daher auch keine Bedeutung hat. wenn dieselbe die Juden ausschließt. Feuilleton. Der verwunschene (Lhasan. 3) Ein Schwank. IO „Da sehet nun selbst, wie behutsam ein Bal Schem in der Fremde sein muß, um nicht, was Gott verhüten möge, Unglück zu stiften," versetzte der Gast. „Ich finde in euch einen frommen, einfachen nnd verstau igen Mann, der das Heilige mit gläu-

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