Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1897)
- Date
- 1897-07-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1165 daß die Colonien, von russischen und rumänischen Auswanderern gegründet, erst seit 15 Jahren bestehen. Die Geschichte dieser Bauern besitzt ein großes culturhistorische« Jntereffe. Wo Tausende von Jahren unter glühendem Himmel rings Alles in Oede starrte, ziert Berg und Thal jetzt eine üppige Vegetation. In ü5 Dörfern wohnen jetzt 0000 zufriedene Einwohner, die sich ihrer Freiheit freuen und Zeugniß davon ablegen, daß die Berufung und Qualificaüon zur Landwirthschaft, die einst den Juden in bevorzugter Weise eigen waren, trotz mehrwusendjähriger Unterdrückung in ihnen wieder austeben, sobald ihnen unter geeigneten Verhältnissen die Wege dazu geebnet werden. Schließlich sei noch erwähnt, daß bereits eine Sendung von Früchten aus neuester Ernte von Palästina resp. Alexandria nach hier für die Ausstellung abgegangen ist, so daß auch hier für den einheimischen Besucher stets Abwechslung geschaffen wird. München. 15. Juli. Am 14. und 15. Juli tagte dahier in dem seitens der Kultusverwaltung bereitwilligst zur Verfügung gestellten Sitzungssaale der israelitischen Gemeinde die V. freie Konferenz der bayerischen Rabbiner. Erschienen waren die Herren Bamberge r—B a d K i s s i n g e n, B a m b erg e r—Burgprepp ach, Coh n—Ichenhausen, Groß—Aug sburg, Koh n—A nsbach, Meyer—R egensb urg, Stein—Schweinfurt, Wein b erg—Sulzbürg u. Werner—München. Einige Kollegen waren durch Amtshandlungen am Erscheinen gehindert. Als Gäste wobnten der Versammlung bei die Herren D r. E h r e u t r e u—M ü nch e n, Dr. Tachaue r—W ü rzburg und die Kultusverwaltungsmitglieder HH. Rechtsanwalt Ofner, Kommerzienrath Kirchdörfer, Alb. Landauer und M. Nuß bäum—München. Als stellvertretender Vorsitzender des geschäftSftthrenden Ansschusies eröffnete Herr Dr. Werner —München die Sitzung mit Worten des Grußes, die er an die erschienenen Konferenztheilnehmer und an die Gäste, insbesondere an die Herren der Kultusverwaltung, richtete und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Sr. Königlichen Hoheit den Prinzr egen ten aus. An Allerhöchstdenselben wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt, welches durch ein aus der allerhöchsten Geheimkanzlei während der Nachmittagssitzung eingelaufenes äußerst hnlovolles Telegramm beantwortet wurde. Herr Rechtsanwalt Ofner, erster Vorstand der Gemeinde München, begrüßt in herzlichen Worten die Konferenz namens der von ihm vertretenen KultuSverwaltung. Bei der hierauf erfolgenden Konsiituirung wurde Herr Dr. Werner zum Vorsitzenden, Bamberge r—K i fsingen zum stellvertretenden Vorsitzenden, B a mberger—Burgpreppach und Dr. Weinberg zu Schriftführern gewählt. Den größten Theil der zur Verfügung stehenden Zeit nahm wiederum die Besprechung des Normallehrplanes für die Mittelschulen in Anspruch (Referent: Dr. Kohn—Ansbach.) Einige Herren berichteten über die in ihren Schulen mit den von der vorjährigen Konferenz geprüften Theilen des Planes gemachten Erfahrungen, es wurden einige diesbezügliche Mlttheilungen nichterschienener Herren verlesen und sodann die detaillirte Berathung fortgesetzt. Der zu bewältigende Stoff aus den einzelnen Disziplinen wurde im großen und ganzen nach den Kourmissionsvorschlägen auf die verschiedenen Klaffen vertheilt. Eine genaue Vertheilung der Pensen aus dem Unterricht im Uebersetzen der Bibel unterblieb, nachdem sich der Auswahl einzelner Kapitel für die einzelnen Schuljahre technische Schwierigkeiten entgegenstellten (wie z. B. Verschiedenheiten der Klassenkombinationen u. s. w.) und gegen die Fixirung einer bestimmten Auswahl seitens einiger Herren prinzipielle Bedenken geäußert worden waren. Nach einem eingehenden Referat der Herren D r.D r. Groß und Werner über die Pensen oer A bsolventen an Realschulen und Gymnasien stimmte die Versammlung einem Anträge Groß zu, indem sie in einer Resolution die Schaffung eines Lehrbuches als münschenswerth bezeichnete, das den vollen Lehrinhalt des Judenlhums im Sinne der Tradition zur Darstellung bringen soll. Zur Vorbereitung der Arbeit und zur Auswahl der etwaigen Mitarbeiter diese» Buches (oder dieser Bücher) wurde eine Kommission (Bamberger—Kissingen, Groß, Kohn und Werner) ernannt. — Herr D r. Cohn—I che n- Hausen berichtete über die erfreulichen Fortschritte der Vorarbe ten zur Gründung einer Pensionskasse. Dieselbe ist gesichert, insofern nach Gründung eines „anerkannten Vereins der Pensions- und Reliktenkaffe" außer dem bereits im vorigen Jahre bewilligten Staatszuschuß von 2000 Mk. die allerhöchste ministerielle Genehmigung in Aussicht steht. Herr Rechtsanwalt Ofner erwarb sich den Dank der Konferenzmitglieder dadurch, daß er sich gerne bereit erklärte, die Statuten einer erneuten Prüfung zu unterziehen, damit deren endgültige regierungs- und gerichtsseitige Genehmigung und die Anerkennung des Vereins ungehindert erfolgen könne. Mit Rücksicht auf zu Tage getretene religiöse Mißstände beschlossen die Konferenztheilnehmer, in Zukunft vor dem Vollzüge von Trauungen, sowohl seitens des Bräutigams als seitens der Braut ein Zeugniß vom zuständigen Rabbinat darüber zu verlangen, daß kein religiöses Ehehinderniß vorliege. Dieser Beschluß soll in geeigneter Weise auch den außerbayerischen beteiligten Kreisen bekanntgegeben werden, damit bei Verheirathung von Bayern ein entsprechendes — selbstredend gebührenfreies —