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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1164 auch als Vorbeter wie die Uebrigen aufgetreten fein. Zu anderen religionsgesetzlichen Handlungen, zu Leichenbegängnissen, Trauungen, Ertheilung des Religionsunterrichts rc. wurde er nicht herangezogen, er galt lediglich als Gewerbetreibender. Nun dürfen zwar nach § 11 des Gesetzes vom 23. Juli 1847 ausländische Juden als Gewerbetreibende nicht zugelassen werden, doch machte der Beklagte geltend, daß diese Bestimmung durch die Reichs-Gewerbeordnung vom 21. Juli 1869 aufgehoben sei. Die letzere ver^ füge nur, daß eS hinsichtlich des Gewerbebetriebes juristischer Personen des Auslandes bei den Landesgesetzen sein Bewenden behält. Aus diesen Erwägungen heraus war seiner Zeit das Schöffengericht zu Birnbaum zur Freisprechung des Herrn Cohn gelangt. Gegen dieses Urtheil legte die Ämtsanwaltschaft Berufung ein mit der Begründung, daß Bornstein nicht nur da- Schächtergewerbe ausgeübt, sondern auch als Vorbeter fungirt, also auf Grund seiner Anstellung Handlungen verrichtet habe, die unzweifelhaft zu den Amtsgeschäften des jüdischen Cnltus gehören. In der Februarsitzung der Strafkammer zu Meseritz war die Angelegenheit noch nicht für spruchreif erachtet worden; es sollten die Befugniffe der Synagogen- und der „Kultus-Beamten" feftgestellt werden und zu diesem Zwecke wurde Herr Oberrabbiner Dr. Feilchenfeld—Posen zu einem neuen Termin als Sachverständiger geladen. Der Letztere kam in seinem eingehenden Gutachten zu der Schlußfolgerung, daß Bornstein weder als Synagogen-, noch als „Kultus-Beamter" gelten könne, vielmehr als Gewerbetreibender anzusehen sei. Der Gerichtshof schloß sich diesen Ausführungen im Allgemeinen an, wies die eingelegte Berufung zurück und erkannte deshalb auf Freisprechung. Hamdurg. (Von der Hamburger Gartenbau-Ausstellung.) Ein Bericht von diesem Orte, kann selbstverständlich nur dem Unternehmen gelten, welches für die weiten Kreise Ihrer Zeitschrift von ganz besonderem Interesse ist. Deßhalb wieder etwa« von der Palästina-Ausstellung. Dieselbe erfreut sich fortwährend eines guten Besuchs und nicht allein unsere Glaubensgenossen, sondern auch die große Zahl der christlichen Beschauer äußern sich, die idealen und philantropischen Zwecke des Unternehmens hcrvorhebend, anerkennend über das hier Gebotene und Geleistete. Wir erwarten tagtäglich eine große Sendung von Esrogim und Maulbeerbäumen, hoffentlich treffen dieselben in gutem Zustande hier ein. — Was die hierher gesandten Pflanzen betrifft, so haben dieselben, trotzdem sie, wie schon früher berichtet, von der Reise sehr gelitten, sich ganz bedeutend entwickelt und man trägt sich deßhalb mit der Absicht, dieselben auch nach Schluß der Ausstellung hier am Platze zu erhalten. — Ueber die Getreide-Arten Palästinas äußerte sich unter Andern der hiesige Direktor des Hamburger botanischen Gartens, Herr Prof. Zacharias: Der Weizen ist bedeutend besser, als der hier gepflanzte, derselbe enthalte 15 pCt. Eiweiß. Was nun die hier ausaestellten Weine und Spirituosen betrifft, so werden Probe-Flaschen jedem Interessenten unentgeltlich verabreicht. — Zu einem eigenen Ausschank, welchem das große Comitö der allgemeinen Ausstellung bereitwillig die Erlaubniß würde ertheilen, konnte sich das engere Cornitö unserer Ausstellung nicht entschließen, daß aber schließlich das ganze Unternehmen schon jetzt einen materiellen Erfolg aufzuweisen hat, geht aus folgenden dem Hamburger Fremdenblatt entnommenen Sätzen hervor: Die Ausstellung der Erzeugnisse der palästinensischen Colonien auf der allgemeinen Gartenbauausstellung erfreut sich nach wie vor eines äußerst regen Besuches. Vor einigen Tagen weilte Herr E. Scheid aus Paris, der verdienstvolle Generalinspektor der unter dem Protectorat des Herrn Baron Rothschild stehenden Colonien, zur Besichtigung der Ausstellung in unseren Mauern. Derselbe sprach sich günstig über das Arrangement der Ausstellung aus, desgleichen der bekannte Gelehrte und Bibliolhekar, Herr Dr. Rabbinowitz-Warschau, der ebenfalls vor einigen Tagen in Hamburg zur Besichtigung der Ausstellung anwesend war. Auch in materieller Beziehung dürste der Erfolg nicht ausbleiben, denn, wie uns von zuverlässiger Seite mitgetheilt wird, laufen bei dem hiesigen Comit« zahlreiche Bestellungen auf Holzschnitzereien ein, so u. A. von einem evangelischen Geistlichen in Schleswig-Holstein eine größere Ordre auf Holzschnitzereien, die ja in der Thal Kunstwerke sind. Von den ausgestellten Produkten erregen namentlich die gutgerathenen Kartoffeln, die in drei verschiedenen Sorten ausgestellt sind, sowie der vorzüglich gerathene Spargel die Aufmerksamkeit der Sachkenner. Beide Produkte stammen aus der Colonie Ekron und sind erst seit vier Jahren aus Europa (der Spargel aus Frankreich) nach dort gepflanzt. Es ist namentlich der letztere, der die Concurrenz mit den besten Sorten aushält. Als Beweis dafür, wie sehr die ausgestellten Produkte von Sachkennern geschätzt werden, diene die Thatsache, daß ein Landmann aus der Umgegend, der die Ausstellung besuchte, sich vom Comit« mehrere Kartoffeln zum Einpflanzen erbat, was ihm natürlich bereitwilligst gewährt wurde. Der Landmann hofft noch im Herbst eine Ernte zu erzielen und hat dem Somit« versprochen, demselben die ersten Früchte einzusenden, und auch von verschiedenen anderen Seiten gehen dem Somit« zahlreiche Anerkennungsschreiben zu. Bei Beurtheilung der ausgestellten Produkte ist zu berücksichtigen,

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