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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ZetturrgS«achrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin. (Ferien-Colonie.) In einer der Ahlwardt, Leuß, Hammerstein und Genossen würdigen Weise versucht es ein auf dem Schlesischen Bahnhof Angestellter, seiner judenfeindlichen Gesinnung Ausdruck zu verleihen; und da es ihm wie jenem Hunde, der keine Zähne hat und doch beißen möchte, geht, so begnügt er sich damit, gegen die Entsendung jüdischer Kinder in die Ferien-Colonien — natürlich aus reiner Liebe für die schwächlichen Arbeiterkinder — seine Stimme zu erheben, wozu er sich der edlen Staatsbürgerzeitung bedient, die dem Gekläff der antisemitischen Meute mit bekannter Bereitwilligkeit ihre Spalten öffnet. In dem „freien Meinungsaustausch" der Nr. 315 dieses edlen Organs lesen wir: „Berlin, den 7. Juli 1807. Sehr geehrte Redaction! Unter höflicher Bezugnahme aus die Notiz in Nr. 310 Ihrer geschätzte« Zeitung betreffend die „Nichtaufnahme schwächlicher Arbeiterkinder in die Feriencolonien" gestatte ich mir Ihnen folgendes mitzutheilen: Ich bin seit mehreren Jahren auf dem Schlesischen Bahnhof beschäftigt und habe stets die Feriencolonien abreisen und ankommen sehen. Dabei habe ich die intereffante Entdeckung gemacht, daß die Halste, wenn nicht gar Zweidrittel der Kinder Angehörigeder „deutschen Staatsbürger jüdischer Confession" waren. Diese Wahrnehmung ist auch vielen anderen Personen aufgefallen, und hierbei ist die Bemerkung oft wiederholt worden: „Für die Feriencolonien gebe ich keinen Pfennig mehr." Falls sie noch Zweifel in die gemachten Angaben setzen, bitte ich Sie, Sich bei Wiederkehr der Kinder diese und auch die sie abholenden Angehörigen persönlich anzusehen es dürfte dies vollkommen genügen." Der Angestellte würde jedenfalls bester thun, sich um seine dienstlichen Obliegenheiten mehr als um die Physiognomien der Paffagiere zu kümmern, und wenn er mit „arischer Treue" seines Amtes wallet, dann hat er wahrlich keine Zeit zu derartigen Beobachtungen. Aber die Wahrnehmung judenfresserischer Interessen scheint ihm höher zu stehen als seine berufliche Pflicht. Zu der „interessanten Entdeckung," die der scharfsichtige Mann auf dem Schlesischen Bahnhof gemacht hat, hat ihm jedoch nicht der „Verein für Ferien-Colonien" oerholsen, sondern der Wohlthätigkeitssinn derjenigen Familien, die schwache bedürftige jüdische Kinder für die Dauer der Ferien unentgeltlich bei sich aufnehmen. 224 Kinder sind in Freistellen untergebracht, und zwar vertheilen diese sich wie folgt: Colberg 12, Stolp i0, Prenzlau 6, Swinemünde 2, Güstrow 6, EberSwalde 1, Polzin 1, Schneidemühl 6, Treptow 1, Krajanke 4, Schönlanke 11, Filehne 28, Königsberg N.-M. 2, Czarnikau 12, Samotschin 8, Lobsens 5, Schwerin a. W. 3, Rilschenwalde 6, Schwetz 9, Grätz 8, Pinne 8, Jarotschin 6, Hammerstein 14, Koschmin 8, Krotoschin 15, Schroda 21, Pleschen 12. In den Voll- resp. Halbcolonien Greifenhageu, Elmen, Dessau und Wittekind sind 102 Kinder untergebracht. Die unter dem Protecloraw Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich stehenden „Ferien-Colonien" haben im ganzen 3217 Kinder in diesem Jahre in die Sommerfrische entsandt. Dieses wahrhaft edle Werk wird sich hoffentlich auch in Zukunft der Unterstützung aller wahren Menschenfreunde erfreuen, auch wenn der auf dem Schlesischen Bahnhof Angestellte und seine Gesinnungsgenossen für „Ferien-Colonien" keinen Pfennig mehr geben. ** Aus der Provinz Posen, 20. Juli. Eine Entscheidung von grundsätzlicher Wichtigkeit ist Seitens der Strafkammer in Meseritz getroffen worden. Gegen Herrn Kaufmann Cohn aus Zirke wurde, weil er als Vorsteher der jüdischen Gemeinde im Oktober 1895 ohne Genehmigung des Ministers des Innern einen Ausländer als Synagogen-Beamten angestellt hatte, Anklage erhoben. Letzterer, Herr Leopold Bornstein, der als Ausweis einen Paß aus Holland vorzeigte, wurde für einen Ausländer nicht angesehen, zudem erfolgte das Engagement ausschließlich zum Zwecke des Schächtens: zur Verrichtung de.r,,gottesdienstlichen Handlungen waren ausreichend 'befähigte Laien vorhanden; Bornstein sollte nur, um ihn nicht gegen die übrigen Gemeindem'itglieder zurückzusetzen,

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