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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1162 Israeliten die Rede, es wird von Menschen gesprochen, in der weiten Ausdehnung des Wortes nins, das eigentlich Geschöpfe bedeutet und hier wohl gewählt ist, um uns in einem jeden Menschen das bevorzugte Geschöpf Gottes sehen zu taffen. Auch den Regeln und Anschauungen, denen die Menschen im gesellschaftlichen Verkehr folgen, soll der Thoragelehrte sich nicht entziehen, er soll sich über dieselben nicht als über Äußerlichkeiten und Formalitäten hinwegsetzen. Auf Reinlichkeit in der Kleidung zu achten, ist ein Gebot des Anstandes allüberall. Der Gelehrte glaube nicht, seine Beschäftigung mit den wichtigsten, tiefsten und heiligsten Dingen, gestatte es ihm, sein Äußeres zu vernachlässigen. '*r nr*c --n -1:2 by sn, so lautet der strenge Ausspruch des R. Ehanina. „Jeder Gesetzesgelehrte, auf dessen Gewände sich ein Fettfleck findet, macht sich des Todes schuldig." Als Begründung dieses, im ersten Augenblicke räthselhaften Satzes, bringt R. Chanina den Schluß des achten Capitels des Spruchbuches rs ‘ehx bz. „Alle die mich (die Weisheit) Haffen, lieben den Tod." nimmt er hier gleichbedeutend mit 'x*:?pc „die mich verhaßt machen" •x*:i?e xbx -x:tpc x*ipr. Jeder Vertreter der Thora, der durch sein Auftreten und Gebühren den Unwillen der Menschen erweckt, entfremdet seine Umgebung der von ihm unwürdig vertretenen Thora. Wer selbst ein rnx ist, selbst geliebt, geehrt und geachtet wird, nur denr wird es leicht werden, in seinem Kreise Liebe für die Thora zu erwecken. Wer von den Menschen geliebt sein will, deffen Ehrenschild muß nicht nur rein und makellos sein, deffen Tugend und Vorzüge muffen nicht nur unbestritten sein, er wird sich trotz Allem keine Liebe erwerben können, wenn er nicht auch seine Mitmenschen zu ehren und zu lieben versteht. Um allgemeine Anerkennung und Achtung zu finden, genügt es auch nicht, daß der Gelehrte sich in seine Klause einschließt, sich vom Getriebe der Menschen fernhält, ein solcher geräth leicht in die Gefahr die Welt nicht zu verstehen und selbst unverstanden durch das Leben zu gehen. Ein r,nx kann man einen solchen nicht nennen. Feinde wird cr wohl keine haben, aber der Unbekannte wird auch nur wenig Freunde finden. Zur Thorakenntniß ist es aber nöthig, daß ihr Träger mitten im Leben steht. Als Moscheh zum Sinai hinaufftieg, um das Gesetz in Empfang zu nehmen, wollten ihm die Engel das köstlichste und heiligste Gut streitig machen. Leicht überzeugte er die himmlischen Heerschaaren, daß die Thora nicht für die Engel bestimmt sei, indem er an den Zehngeboten zeigte, daß die Thora nur Bezug nehme auf die Geschichte Israels und auf Eigenthümlichkeiten und gesellschaftliche Verhältniffe der Menschen. Aehnlich könnte man einem Talmid Chacham, der von dem Thun und Lasten der Menschen nichts wissen will, leicht den Beweis führen, daß Demjenigen, der engelgleich abgeschloffen von allem Irdischen leben will, das Verständniß für weite Gebiete des Gottesgesetzes mangeln wird, mehr noch, daß ihm die Fähigkeit das weise Gesetz auf seine Zeit und ihre Verhältniffe anzuwenden, vollkommen fehlen muß. Wie ist es beispielsweise möglich, die herrlichen und tiefen Gesetze über Mein und Dein ohne Welt- und Menschenkenntniß zu erfaffen und anzuwenden? Wer kann über die am Sabbat verbotenen Arbeiten, wer über das Zinsverbot, wer über das jüd. Eherecht sich in allen Theilen eine klare Anschauung verschaffen, wenn er dem Geschäfts- und Erwerbsleben ganz fernsteht? Unsere großen Lehrer der Mischna und Gemara, sie standen mitten im Erwerbsleben, den verschiedenartigsten Beschäftigungen widmeten sie sich zu ihrem Lebensunterhalte. Da gab es keine Kunst, keinen Zweig der Wiffenschaft, keine Maschine, kein Geräth, keine Arbeit, nichts was die allumfaffende Thora berührt und was nicht mit bewundernswerther, staunenerregender Sachkenntniß nach allen Seiten hin erörtert wurde. Und all die großen Männer der Vergangenheit, die Israel seine Lehrer nennt, sie bemühten sich Alles genau zu verstehen und zu erfaffen, was ihre Umgebung bewegte und leitete. „Nichts Menschliches ist mir fremd", jener vielgenannte Spruch, den das Rom der Cäsaren gleich einer neuen Offenbarung bejubelte, den jüdischen Lehrern und Gelehrten war dieser Gedanke- Kets als etwas Selbstverständliches erschienen, fast auf jeder Seite in ihren Schriften, in einem großen Theil ihrer Sprüche spiegelt er sich wieder. Und sie waren auch stets 2'2inx, Vielgeliebte, unsere großen Meister. Sehr selten finden wir in der jüdischen Geschichte, daß ein großer Mann nicht verstanden hätte, sich die Liebe seines Kreises zu erwerben. Von gar Vielen wird uns in ergreifenden Zügen berichtet, in welch hohem Maße diese Könige des Geistes es verstanden haben, Lieblinge des Volkes zu werden. Die Frage, wieso es dem 2-nx dem Beliebten leichter wird die Thora zu erwerben, ist nicht schwer zu beantworten. Rur Einiges wollen wir hervorheben. Wer beliebt ist, findet leicht Freunde und Lehrer, die ihn ohne zu verletzen, auf Fehler und Jrrthümer aufmerksam machen. Wer geliebt wird, findet leicht Leute, die ihm gerne zeitraubende und mühevolle Arbeiten abnehmen, die außerhalb seiner BerufSthätigkeit sich ihm bieten, oder solche deren Plan wohl von dem großen Manne entworfen werden muß, deren Ausführung jedoch anderen Händen anvertraut werden kann. Die Zeit und Kraft, die er hier erspart, kann er auf das Studium des Gesetzes verwenden. Wer sich statt Feinde Freunde erwirbt, wird sich vor den größten Sorgen, vor mannigfachem Aerger, bewahren und so sein ungestörtes Denken, seinen klaren Geist dem Thoraworte weihen können. -p’ by rnxre cetp etp "p*?x nx rcrw iwn

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