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Der Israelit · 1897-07-29 · Heft 60 (29.7.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 60 (29.7.1897)
Date
1897-07-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXXVin. Jahrgang. Jfä ftQ. Ein Der Israelit Gentrat-Hrgan für das ortßodoXe Iudenlhum. Begründet voll Dr refjumnu in Wlninz Donnerstag, de« 29. Juli 5657 (1897). »ür Biuei Mrrrlr abonnirt man bei allen Postanstalten für die Monate W Lugast vnS September W auf den „L«r»Sl1t". Dieser Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeitig am Post-ZeitungSschalter deS Wohnortes des Bestellers oder bei dem betreffenden Landbriefträger aufgegeben werden. Die Erpe-Uron des „Israelit". Leitender Artikel. Sprüche der Däter. Sechstes Buch. XXlll. Mainz, 28. Juli. geliebt. Wer möchte nicht geliebt sein? Wie Wenige gibt es, oie dieses Ziel erreichen! Und doch ist es nicht schwer, sich die Liebe der Mitmenschen zu erringen. Wenn Fleiß und angestrengte Arbeit den Weg ebnen zu den großen und hohen Dingen, die auf Erden begehrt werden, so öffnen sich die Herzen der Menschen von selbst demjenigen, der sie nicht von sich stößt. Selbstsucht, Stolz, Unnahbarkeit machen unbeliebt und verhaßt. Wer selbstlos, bescheiden und ungezwungen mit den Menschen verkehrt, wird sich schnell, noch bevor er es ahnt, einen großen Freundeskreis gewonnen haben. Wer die Lehren der Thora in sich ausgenommen hat und in ihrem Geist zu leben sich bemüht, der wird in erster Linie sich von selbstsüchtigen Regungen frei zu halten suchen. Schwerer schon wird es ihm werden, sich vor Stolz und Ueberhebung zu bewahren. Das Bewußtsein den kostbarsten Schatz gehoben zu haben, der Gedanke, mit der herrlichsten Krone geschmückt zu sein, kann leicht den Thoragelehrten dazu bringen, sich für viel mehr zu halten als andere Menschen, denen derselbe Schatz auch zugänglich gewesen wäre, die nach der Krone nur hätten zu greifen brauchen, die jedoch aus Trägheit, Gleichgiltigkeit und sündhaftem Leichtsinn diese« unterlaffen haben. Wir können un« einen Mann vorstellen, der den Worten R. Jochanan ben Sakkai folgend sich nichts zu Gute darauf chut, daß er viel Thora in sich ausgenommen, weil er seine« Dasein« Zweck nur dadurch erfüllt sieht, der als geistiger Sieger, von dem Mitstrebenden bewundert und angestaunt, sich klein vorkommt dem schwer erreichbaren Ziele gegenüber, der sich jedoch einer gewissen Verachtung und Geringschätzung derer nicht erwehren kann, die im Wissen tief, tief unter ihm stehen oder auch nur den kleinsten Trunk aus dem unerschöpflichen Born der Thora genommen haben. Ein solcher Gelehrter müßte die Gepflogenheit desselben R. Jochanan ben Sakkai selbst dem Heiden auf der Straße zuerst den Gruß zu bieten, vergessen haben, ihm müßte die Mahnung Schammai's jeden Menschen mit freundlichen: Antlitz zu empfangen und viele andere Aussprüche unserer Weisen, welche uns die Ehrung aller Menschen gebieten, entfallen sein. Auf nans pnnv uw folgt in unserer Boraitha an«. Der wahre Weise wiro sich wohl nie etwas auf sein Wissen einbilden, er hat sich jedoch vor einem andern Fehler ängstlich zu hüten. Möge ihm nie die Menge der unter ihm Stehenden gleichgiltiz oder gar verächtlich erscheinen. nwan nx naaon nrx. „Wer wird geehrt; wer die Menschen ehrt" rmu mnarr mir Sa uöh nnu mpcn m uan „An wem die Menschen Gefallen finden, an dem findet auch der Allgegenwärtige Gefallen." An beiden Stellen ist nicht von Thoralehrern und nicht von ihren Jüngern, auch nicht von

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