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Der Israelit · 1897-07-26 · Heft 59 (26.7.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 59 (26.7.1897)
Date
1897-07-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1154 Gewißheit zu verschaffen. Während der jetzigen Reisezeit wird gewiß mancher Glaubensgenosse den Bahnhof Hannover berühren oder in die Nähe dieser Stadt kommen, und da ist es der innigste Wunsch des Vorstandes und des Kuratoriums der Anstalt, daß alle diejenigen, welche ein warmes Interesse für die heutigen so überaus'wichtigen Tagesfragen habeil, die Anstalt Ahlem besuchen, um sich zu überzeugen, wie sehr die dortigen Bestrebungen geeignet sind, nach den verschiedensten Richtungen für unsere Glaubensgenoffen segensreich zu wirken. Es wäre wirklich ein Armuthszeugniß, wenn in der jetzigen ernsten Zeit nicht jeder Jude, gleichviel welcher religiösen Richtung derselbe angehüren mag, sich für die Fragen betreffend Erziehung und Berufswahl interessiren wollte, und wir möchten nicht nur die Freunde der Anstalt, sondern namentlich diejenigen, welche aus irgend einem Grunde gegen die Anstalt eingenommen fein sollten, bitten, dieselbe in Augenschein zu nehmen und alles dort gründlich zu prüfen. Auskunft wird bereitwilligst von den Angestellten, sowie von den Mitgliedern des Vorstandes ertheilt. Ueber die zu benutzende Straßenbahn :c. wird in dem Büreau des Vorsitzenden Herrn Consul Simon, welches in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs gelegen und während der Büreaustunden geöffnet ist, bereitwilligst Auskunft ertheilt. Wir bitten also nicht um Opfer an Geld, sondern nur um ein Opfer an Zeit, um wenige Stunden zum Besuch unserer Anstatt, um dieselbe in Augenschein zu nehmen, und einer gründlichen Prüfung zu unterwerfen. Das Interesse für unsere Anstalt wird sich dann von selbst regen und die pecuniäre Förderung, deß sind wir sicher, wird derselben dann freiwillig zufließen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen Deutschland. ** Berlin. Einige Erleichterungen für den Grenzverkehr mit Rußland sind, wie aus Berlin berichtet wird, durch einen Erlaß des Ministers des Innern vom 19. v. M. eiugesührt: Grenzkarten (Grenzlegitimationsscheine, Halbpäffe) sollen in Zukunft nicht mehr mit achttägiger, sondern mit achtundzwanzigtägiger Gültigkeitsdauer ausgestellt werden. Während ferner die Grenzkarteu bisher nur preußischen Staatsangehörigen ertheilt wurden, sollen sie für die Folge auch ausgefertigt werden können allen Reichsangehörigen, die im deutschen Grenzgebiete wohnen, sowie allen Russen, die im deutschen Grenzgebiete ihren dauernden Wohnsitz haben und deren russische Staatsangehörigkeit unzweifelhaft ist. An andere Reichsausländer, sowie an solche Reichsangehörige, die im russischen Grenzgebiete wohnen, sind dagegen Grenzkarten nicht zu verabfolgen. Der Minister macht ferner darauf aufmerksam, daß vereinzelt bei den russischen Grenzbehörden die Neigung bemerkt sei, deutsche Juden, die mit Grenzkarlen versehen waren, von dem Uebertritt nach Rußland abzuschließen. Dieses Bestreben sei bei den Verhandlungen, die zur Erleichterung des Grenzverkehrs geführt haben, nicht zur Sprache gekommen, weil es rathsam erscheinen mußte, den Gegenstand überhaupt nicht zu berühren. Der Minister weist indessen die Regierungspräsidenten an, sich darüber unterrichtet zu halten, ob auch in Zukunft der russische Grundsatz des Ausschlusses der deutschen Juden vorn Grenzverkehr in der bisherigen Weise zur Ausführung gebracht wird. Sollte eine schärfere Handhabung auf russischer Seite eintreten, so ist dem Minister zu berichten. Oberhessen, 21. Juli. Angesichts der Thalsache, vaß gerade die jüdischen Gemeinden aus dem Laude vielfach in ihrer Bedeutung und Entwicklung zurückgehen, darf wohl mit Recht aus die hingemiesen werden, welche eine rühmliche Ausnahme machen. In Niederweisel Halle ich Gelegenheit die Synagoge und sonstige Einrichtungen zu besichtigen. Bei der :50jährigen Feier des Bestehens im Jahre 1885 wurde die ursprünglich aus einer Scheuer errichtete Synagoge mit schweren Opfern vollständig und würdig renovirt. Nicht weniger als 4000 M mußten durch die Mitgieder ter kleinen Gemeinde aufgebracht werden. Dabei machte sich besonders Lehrer He ine mann verdient, dein der Gemeinsinn der dortigen Gemeinde-Mitglieder die Arbeit wesentlich erleichterte. Run rst neuerdings noch ein an die Synagoge stoßendes Gebänoe augekaust und als S ch u U bezw. G e m eindehaus eingerichtet worden. Ebenso wurde ein Mikwe erbaut, das oen modernen hygienischen Ansprüchen durchaus genügt und auch in religiöser Beziehung alle Forderungen erfüllt. Straßburg i. E., 21. Juli. In der geschäftigen Hast des TageßgelriebeS kam ich gestern Mittag durch die Mersingasse. Alle Welt drängt sich vor eineru Schaufenster zusammen. Kinder jubeln, Erwachsene lachen freundlich, der ganze Bürgersteig ist besetzt, die Emulation gehemint. Was ist denn da Io*? Lauge konnte ich nichts sehen, denn vor mir standen vier Reihen Menschen, die nicht weichen und nrcht wanken wollten. Endlich gab es ein Plätzchen. Ich drängte uiich hinein — und was sehe ich d Unser Glaubensgenosse, der Musikalienhändler, Herr S. Wolf in der Meisengaffe hat die Liebenswürdigkeit gehabt, in feinem Schaufenster einer Ausstellung von Werken ees bekannten Malers, Herr Alphon se Levy aus Paris, der sich zur Zeit in Straßburg, seiner Vaterstadt aushält, freundliche Unter-

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