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Der Israelit · 1897-07-26 · Heft 59 (26.7.1897) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 59 (26.7.1897)
Date
1897-07-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXYII1. Jahrgang. SrUage M M 59 -es Jisrnriit“. Leitender Artikel Nur ein kleines Zeilopfer für eine kleine Iritaufgadr. Bodenkultur und Handwerk, besonders die mit schwererer Arbeit verbundenen Handwerke des Zimmernlanns, Maurers, Schmieds »c. sind Berufe, in denen die Israeliten noch nicht in gleichem Verhältniß vertreten sind, wie die anderen Confessionen. Sämmtliche einsichtige Juden sind aber wohl darüber einig, daß aus den verschiedensten Gründen es unumgänglich nothwendig ist, einen Theil unserer armen Glaubensgenossen in geeigneter Weise für Bodenkultur und Handwerk heranzuziehen. Aber die Landwirthschaft und die schweren Handwerke verlangen eine größere Körperkraft, als sie der Jude gewöhnlich in das Jünglingsalter hinüberbringt. Auch ist es die Umgebung, die auf die Berufswahl Einfluß hat, und sind erst in eineni Kreise gewisse Berufe nicht vertreten, so ist es schwer, die Heranwachsende Jugend demselben zuzuführen. Das ist wohl der Grund, warum die seit Jahrzehnten in lobenswerther Weise in den verschiedenen Gemeinden Deutschlands diesbezüglich gemachten Anstrengungen nicht immer von dem gewünschten Erfolge begleitet waren. Die jüdischen Lehrlinge waren in den weitaus meisten Fällen tu einer Umgebung ausgewachsen, wo ihnen das Vorbild des mit den verschiedensten Handwerksgeräthen hantirenden Vaters mangelte. Bei den natürlichen Nachahmungstrieben aller Kinder wird der Sohn eines Handwerkers oder Arbeiters in Nachahmung, der zu der Berussthätigkeit seiner Angehörigen erforderlichen Hantirungen, spielend eine gewisse Handfertigkeit erlangen, welche dem jüdischen Knaben meistens mangelt. Um die Handfertigkeit im allgemeinen zu erhöhen, ist darum schon in vielen deutschen Volksschulen und selbst in höheren Lehranstalten, der von Herrn Schenkendorf und anderen hervorragenden Männern protegirte Handfertigkeitsunterricht eingesührt: um so mehr sollten jüdische Lehranstalten namentlich Waisen- und Erziehungsanstalten-Häuser aus diesen Unterrichtszweig ganz besonders Gewicht legen. Während bislang beim Eintritt in die Lehre aus vorhin angeführten Gründen jüdische Lehrlinge, wenn üe auch sonst intelligent sind, ihren nichtjüdischen Collegen in manueller Geschicklichkeit meistens nachstehen und in Folge dessen von Meister und Gesellen zurückgesetzt, häufig die Lust am Handwerk verlieren, wird dies aufhören, sobald jüdische Lehrlinge von Anfang an, in Folge richtiger Vorbildung die für das betreffende Handwerk erforderliche Anstelligkeit und Muskelkraft mitbringen. Von diesem Gesichtspunkte ausgehend, hat die Israelitische Erziehungsanstalt in Ahlem sich die Aufgabe gestellt, den dort untergebrachten Knaben schon während der Schuljahre neben dem Unterricht einer guten Volksschule je nach der Jahreszeit und Witterung Unterricht in der Handfertigkeit und in der leichteren Bodencultur zu ertheilen und zu gleicher Zeit durch Turnen und andere gymnastische Uebungen ihre Muskelkraft zu stärken, wobei die gesunde Lage der Anstalt, der Aufenthalt in freier Lust am Tage, die geräumigen, Sommer und Winter gut ventilirten Schlafsäle, sowie die einfache aber kräftige Kost das ihrige dazu beitragen, schwächliche, in engen Räumen der Städte ausgewachsene blaffe Kinder nach verhältnißmäßig kurzer Zeit zu blühenden robusten Burschen zu gestalten. Diese Anstalt verdient die größte Aufmerksamkeit uitb Förderung von Seiten aller Kreise des Judenthums. Aber obgleich über dieses seit mehr als vier Jahren bestehende Institut vieles geschrieben und gesprochen ist, und obgleich mancherlei über dasselbe anfangs in Umlauf gesetzte Gerüchte nunmehr in wirksamster Weise widerlegt sind, so wird dieselbe doch nicht in der Weise financiell unterstützt, und ihr überhaupt nicht in jüdischen Kreisen diejenige Beachtung geschenkt, welche sie heutigen Tages verdient, wo in Folge der allgemeinen Lage und der Gesetzgebung der Klein- und Zwischenhandel immer mehr beschränkt und das Fortkommen in kaufmännischen und wrssenschaftlichen Berufen nur besonders begabten Personen ermöglicht wird und Minderbegabte Gefahr laufen, dem kaufmännischen und wiffenschaftlichen Proletariat zu verfallen und schließlich den Gemeinden zur Last fallend, der Judenheit zur Schande zu gereichen. Während im Allgemeinen das jüdische Herz auch heute noch bei den verschiedensten Gelegenheiten sich bewährt und oft für nothwendig erachtete Anstalten in ferneren Ländern große Summen aufbringt, über deren zweckmäßige Verwendung zuverlässige Auskunft nicht immer zu erlangen ist, wird es jedem, der die geringsten Zweifel hierüber, sowie über die heilsamen Folgen der Ahlemer Erziehungsmethode für die dortigen Zöglinge hegt, ein Leichtes sein, sich durch den Besuch der Anstalt, welche von dem Bahnhof Hannover aus in einer halben Stunde zu erreichen ist,

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