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Der Israelit · 1897-07-26 · Heft 59 (26.7.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 59 (26.7.1897)
Date
1897-07-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1149 Willen bei Lehrern wie Gemeinden Vorausgesetz!, eine Verpflichtung zu den betreffenden Zahlungen auszusprechen. Eine solche Kaffe mußte von den übrigen Vereinskasscn gesondert verwaltet werden und ausschließlich für Religionslehrer oder Lehrer an Privatanstalten, die natürlich gleiche Verpflichtungen hätten, bestimmt sein. Daß die Erträgnisse eines solchen Systems recht erhebliche sind, zeigt ein Blick auf die Rechnungsergebniffe der Kassen in den einzelnen Kreisen von Bayern. Das WitOven- und Waisenpensions-Jnstitut für Untersranken (ca. IToo SchulÜcllcn, wovon jedoch eine stattliche Anzahl, weil durch Lehrerinnen besetzt, in Wegfall kommt) erzielte pro Rechnungsjahr 1895 an Mitgliederbeiträgen 31 050 Mk., an prozentualen Unterstützungsfondsabgaben aus Reuanstellungen und Gehaltserhöhungen 5943 Mk., an Verehelichungsgebühren 1050 Mk. nnb aus Jnterkalarien 2773 Mk. Zahlen führen eine beredte Sprache. Möchten doch interessierte .Kreise ffch zur Sache äußern. —A.— Karlsruhe, im Juli. Der bekannte Orientalist und Arabist Rabbiner Dr. Schwarz stein dahier erhielt aus dem Großherzoglichen Geheimen Kabinet folgendes huldvolle Schreiben: „Dem Herrn Rabbiner Dr. I. Schwarzstein in Karlsruhe beehrt sich das Großherzogl. Geheim Kabinet im höchsten Auftrag den verbindlichsten Dank Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs für die Höchstdemselben zum 70. Geburtstag gewidmeten biblischen Citatc mit den Initialen F. R. I. Fl D. R. 1. Ch. ergebenst auszusprechen. Schloß Mainau w. v. Ba b o. O c st e r r. - U n g a r. Monarchie. ** Krakau. (Der Staat sanwa l t als T c n d en z d ich tc r.) „Dr. Bloch's Wochenschrift" wird geschrieben: „Ein Staatsanwalt, der als ständiger Mitarbeiter eines antisemitischen Hetzblattes und als Verfasser tendenziöser „Volksstücke" figurirt, das ist eine Specialität, deren sich außer unserem lieben österreichischen Vaterland kaum noch ein civilisirter Staat des Erdballes dürfte rühmen können. Dienstag den 15. v. fand im hiesigen Sommertheater die erste Vorstellung eines „Volksstückes" mit Gesang in fünf Aufzügen untir dem Titel „Die Versucher des Volkes" statt. Als Verfasser ist Theodor Smolarz genannt, ein Pseudonym, hinter welchem sich der Staatsanwalt Kalitowski verbirgt, der als einer der eifrigsten Mitarbeiter der hiesigen antisemitischen „(Ros Narodu" bekannt ist. Das Stück verfolgt die Tendenz, die Socialdemokraten als Spitzbuben und Volksaufwiegler zu kennzeichnen. Der Herr Staatsanwalt versäumt cs natürlich nicht. die Juden als die gewiffenlosen und verbrecherischen Helfershelfer der Socialdemokraten hinzustellcn. Neben einem socialistischen Agitator erscheint in dem Stücke ein jüdischer Auswanderungsagent, Moritz, der mit dem jüdischen Inhaber einer Dorfschänke den Plan eines Bauerntransportes nach Amerika bespricht. Der Schankinhaber Bert Schwindelmann und seine Iran Beila kaufen die Grundstücke der Besitzenden zusammen und die Besitzlosen werden zu Diebstählen verleitet, um sich auf solche Weise das nöthige Reisegeld zu verschaffen. Als die Bauern sich zusammenrotten und gegen eiue behördliche Commission Gewalt üben, jagt sie die Gendarmerie auseinander. Um der Anklage wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewaltthätigkeit zu entgehen, beschleunigen die Bauern die Vorbereitungen zur Abreise nach Amerika. Bert, Moritz und Beila spannen ihre Netze aus, nehmen die Grundstücke halb umsonst weg und dabei wird gelegentlich eine sinnliche, ihres Mannes überdrüssige Bäuerin von der Jüdin zur heimtückischen Beseitigung ihres Gatten verleitet. Beila verschafft ihr für 300 fl. das Gift. Jetzt erscheint auch der socialistische Agitator und ruft jenen Bauern, die das Reisegeld noch nicht haben zu: „Holet es, wo es zu haben ist, Andere haben es!" — Bis hi eher konnte das Stück mit mancher Unterbrechung gespielt werden. Bei dieser Stelle jedoch brach der Unwille der im Zuschauerraum in großer Menge anwesenden Arbeiter los, es folgte ein ohrenbetäubender Lärm mit> der Abgeordnete protestrrte laut gegen die Fortsetzung der Aufführung. Die Vorstellung mußte denn auch unterbrochen werden. Die Entrüstung über das frevelhafte Hetzstück ist auch in den christlich-bürgerlichen Kreisen eine allgemeine. Derartiges ist uod) auf keiner Bühne gewagt worden und die Persönlichkeit des Verfaffers, der in seiner amtlichen Eigenschaft über die Befolgung des £ 300 Strafgesetz zu wachen hätte, erhöht noch die Ungeheuerlichkeit dieser dramatischen Leistung. Die Theatercensur wird in Oesterreich von den Landesstellen geübt. Es ist höchst charakteristisch, daß die Krakauer Statthalterei - Exposilur dieses Machwerk ruhig passiren ließ. Wenn man bedenkt, was sonst alles auf österreichischen Bühnen verboten wird, dann gelangt man angesicht dieses Vorfalles zu ganz eigenartigen Anschauungen darüber, welche Begriffe in maßgebenden Kreisen über das Theater als Bolkscrziehunginstitut herrschen. R u ß l a '.t d. ** Warschau, im Juli. Die Universität von Warschau besitzt unangreifbare Kapitalien, die von Privatgeschenken herrühren und deren Jntereffen als Stipendien an arme und verdienstvolle Studenten

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