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Der Israelit · 1897-07-26 · Heft 59 (26.7.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 59 (26.7.1897)
Date
1897-07-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1147 licher und wehmuthsvoller nie gedichtet sind, Jirmijahu hat es uns verkündet, daß wir nie an der Zukunft Israels verzagen sollen: Tiro notn usop' mm vny „Denn er, der J-rael zerstreut, er sammelt es wieder und hütet es, wie der Hirt seine Herde." Aus dem Lande des rauhen Nordens werden sie heimkehren, auf geradem Wege und nicht straucheln, Kranke und Schwache, Greise und Kinder, Männer und Frauen djikö nwmw omarui y&eh Weil wir so zuversichtlich hoffen, daß sich unsere Leiden noch in Freuden und unsere Trauer in Trost umkehren wird, darum werden wir um so weniger davon abstehen, uns in diesen Trauerwochen unserer alten Ueberlieferung zu erinnern und an Zion zu denken. Wir werden trotz Vogelstein und Rahmer, ja sogar wenn wirklich bedeutende Männer gegen uns ankämpsen würden, weiter mehr an das Wort unserer wahren Lehre, als unserer falschen Lehrer uns halten, und mit jenem selben Jirmijahu, der uns das Wohl des Staates, dessen Gastfreundschaft wir genoffen, so warm ans Herz gelegt hat, Zions gedenken und aus heißem Herzen rufen: IZ'V' rtn -j^k ’n ua'twi Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin. Die „Tägl. Rundschau" erzählt ihren Lesern Folgendes: „Es dürfte nur wenigen bekannt sein, daß die Berliner Juden in ihrer Gesammtheit im Jahre 1919 die Absicht hatten, zum Christenthum überzutreten. Am 9. September jenes Jahres schrieb Adelheid v. Rappard, geb. Freiin v. Massenbach unter anderem an ihre Schwester: „Die Juden wollen sich alle bekehren und haben eine Deputation ihrer Aeltesten an den Superientendenten Nicolai hier geschickt, der ihr Gesuch dem König vorlegen soll; sie bitten nämlich, da sie erkannten, daß die Zeit gekommen sei, wo nur ein Hirt und eine Heerde sein solle, wollten sic Christen werden, aber der König möchte es befehlen, das würde die Sache erleichtern. Das hat der König wie billig nicht gewollt, darauf haben sie sich in ein neues Handeln begeben und gebeten, die Taufe möchte ihnen erlaffen werden wegen des großen Aussehens. Das ist doch nun noch unmöglicher, und nun bedenken sie sich von Neuem. Psuel bietet seine Schwimmanstalt zur Taufe und meint, ein Tag der Anwesenheit des Kaisers könnte füglich dazu bestimmt werden, so gebe es doch ein Schauspiel, das der König nicht in Petersburg gehabt (denn darauf wird beständig gedacht), und dann könnten die neu Getauften den Schluß beim Vorbeimarsch der Truppen machen" ... 11. September : „Mit dem Taufen der Juden verhält es sich wirklich so, Psuel ist der Sache auf den Grund gegangen; eine Spaltung unter ihnen hat den ersten Stoß gegeben, die Vornehmen wollen viele Neuerungen einführen, die das alte Testament umstoßen und durch nichts ersetzen. Das wollen sich die Aeltesten nicht gefallen lassen, und darüber sind sie Alle zu dem Entschluß gekommen, Christen zu werden." (Unsere Tante Rappard. Ein Lebensbild mit Anhang ihrer eigenen Briefe von Dorothee von Hopfengärtner. Stuttgart, Süddeutsches Verlagsinstitut.) — (Anmerkung. Die ganze Wahrheit an diesem Tratsch ist, daß nicht etwa die ganze Berliner Gemeinde, sondern nur einige Dutzend „Gebildete" die Taufe nahmen, um alle religiösen und politischen Schranken zu übersteigen. Ebenso ist es unwahr, daß der König seine Einmischung versagt habe, im Gegentheil, es ist bekannt, daß der König persönlich dem jüdischen Major Burg eine hohe Beförderung zugesichert hat, wenn dieser zum Christenthum übertrete, was dieser aber entschieden ablehnte.) ** Berlin Dem neuen Staatssekretär des Reichspostamts v. Podbielski trauen die Antisemiten einstweilen noch nicht. Sie freuen sich, daß der Unterftaatssekretär Fischer nicht Reichspostmeister geworden ist, weil er, abgesehen von anderen Untugenden — eine jüdische Frau hat. Aber auch Herrn von Podbieltzki wirft die „Antis. Korr." vor, daß er, wenn auch nicht verwandtschaftlich, so doch geschäftlich stets sehr nahe Beziehungen zu Juden gehabt habe. Sein besonderer Geschäftsfreund sei ein Berliner Jude, der Geh. Kommerzienrath Herz. Natürlich wird daran gleich eine kleine Verdächtigung geknüpft durch die Bemerkung: „Hoffentlich überträgt aber der neue Reichspostmeister die Vorliebe, seine Privatgeschäfte mit Juden zu machen, nicht auf die Vergebung von Postlieferungen u. dgl. Darauf bitten wir unsere Freunde im Lande für die Folge ihr Augenmerk zu richten." Da kann man sich ja auf allerhand Denunziationen gefaßt machen. ** Memel, 18. Juli. Eine eigenartige EntsührungSgeschichte von einem blutjungen jüdischen Mädchen aus Ritawen in Rußland und einem russischen Großgrundbesitzer hatte vor einiger Zeit das „Memeler Dampfboot" erzählt und ist auch in Ihrem Blatt mitgetheilt worden. Nunmehr erhellt es sich aus einer in dem genannten Blatte enthaltenen Erklärung, daß jener Geschichte die thalsächliche Unterlage fehlt. Es heißt dort: In einer Strafsache gegen den verantwortlichen Redacteur dieses Blattes ist jetzt ein Vergleich mit dem Privatkläger zu Stande gekommen, wonach die nachfolgende Erklärung an dieser Stelle ausgenommen werden soll: Im lokalen Theile dieses Blattes Nr. 24 unter dem Titel „Eine eigenthümliche Entführungsgeschichte" sind sämmtliche

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