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Der Israelit · 1897-07-22 · Heft 58 (22.7.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 58 (22.7.1897)
Date
1897-07-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1135 sammlungen gestanden, so daß eine Erörterung dieser Frage überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Dies ist objektive Wahrheit und wirklicher Thatbestand! Es wird gewiß auch jeder Unbefangene zugeben, daß das Preisgeben von Geschehnissen innerhalb eines Rabbinates in der Oeffentlichkeit in einer Weise, wie es der Artikelschreiber am Schlüsse seines Elaborates thut, nicht geeignet ist, den hergestellten Frieden zu festigen; nein sie sind eher imstande, eine vielleicht kaum noch ganz zur Ruhe gekommene Erbitterung wieder wach zu rufen. Was will der Artikelschrciber damit erreichen? Zu dem Verständniß eines solchen wLV veh vermögen wir uns nicht aufzuschwingen! Vielleicht muß man zu seiner Würdigung erst außerhalb des Rabbinates stehen! Lassen wir also hier, ohne das letzte Wort zu sprechen, das Wort der Weisen gelten: „Beurtheile Deinen Nächsten erst dann, wenn Du in seine Lage gekommen bist!" Es ist uns, die wir die Geschäftsordnung der bayr. Nabbinerkonferenz kennen, thatsächlich unerfindlich, wie der Artikclschreiber von dem Strick sprechen kann, den sich die bavr. Rabbiner durch ihren Beitritt um den Hals geworfen haben sollten. Wenn bei der Feststellung der Tagesordnung durch die ails beiden Parteien gleichmäßig zusammengesetzte Geschästskommission zwei Stimmen genügend sind, um ein Thema von der Tagesordnung auszuschließen und im Plenum nur fünf Stimmen nothwendig sind, um ein schon' genehmigtes Thema von der Tagesordnung wieder abzusetzen, so scheint mir das von dem phantasiereichen Artikelschreiber gebrauchte Bild beim doch mehr als xvw pvb. Jedenfalls, wie dem auch sein mag, Artikel, die derartig geschrieben sind, nützen dem orthodoxen Judenthum, dessen Schutz vorgegeben wird, nicht; zur Erkennung seiner wahren Motive vermögen vorstehende Richtigstellungen vielleicht eine Anleitung zu geben. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. KK. Berlin, 19. Juli. Einer der bedeutendsten Lehrer des Handelsrechts, der einzige jüdische Ordinarius der Berliner Universität, Geheimer Justizrath L e w i n G o l d s ch in i d t ist nicht mehr. — Und so ist denn wieder einer jener Männer dahingegangen, welcher den Beweis erbracht, daß man auch bei treuem Festhalten am Glauben der Väter zu den höchsten Ehrenstellen gelangen kann. — Der Verstorbene 1829 in Danzig geboren, entstammte emer Familie, an welcher sich das Wort bewährte: „Wie schön ist es, wenn Thorastudium sich mit der Landessitte verbindet." — Wir glauben nicht zu viel zu sagen, wenn wir Goldschmidt's außergewöhnlichen Scharfsinn der frühzeitigen Beschäftigung mit den heiligsten Schriften zuschreiben. Auch hatte er im elterlichen Hause die echt jüdische Wohlthätigkeit kennen gelernt, die er in seinem Leben so oft geräuschlos bethätigt hat. Im Trauerhause hatte sich eine zwar kleine, aber auserlesene Schaar von Gelehrten versammelt. Wir sahen unter Anderem die Professoren Mommsen und Wattenbach. Die Bahre umstand eine Deputation der Landmannsschaft Rormannia. Die Trauerrede hielt Dr. Lewin. Dieselbe machte einen tiefen Eindruck. Sie war völlig frei von den leider jetzt hier üblichen Ueberschwenglichkeiten. Die Beerdigung fand auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Möge dem Verstorbenen die Erde leicht sein. — O esterr.-Ungar. Mo na r chie. ** Krakau. Bei der letzten Sitzung des hiesigen Gemeinderathes war auf der Tagesordnung die Petition der hiesigen Kaufleute wegen Aenderung der Sonntagsruhe, die eine lebhafte Debatte hervorgerufen hat. An derselben betheiligte sich auch der Präsident der hiesigen Akademie der Wiffenschaften, Herrenhausmitglied Universitätsprofeffor Graf Tarnowski, der unter Anderem auf die nachahmenswerthe Heiligung des Sabbates durch die Juden hinwies und dabei die verhetzende Thätigkeit der antisemitischen Presie geißelte. Feuilleton. Utaudereien aus der Sommerfrische. Marienbad, im Juli. Es ging dieser Tage hier die nicht sehr erfreuliche Mähr von Mund zu Mund, daß gewisse erste Hoteliers, die durch ihre jüdische Kundschaft reich geworden sind, jetzt in's antisemitische Lager übergegangen seien. Das Publikum nahm dies zur Kenntniß und nicht nur die Juden, auch die fortschrittlich gesinnten Christen blieben jenen Lokalen fern. Darob große Verwunderung und Mißstimmung im feindlichen Lager, schließlich Widerruf, daß man durchaus nicht mit den Antisemiten pactire. — „Vielleicht jetzt nicht, weil es der Geschäftsvortheil verbietet. im Winter sicher", sagte ein bekannter Menschenkenner, der sich vorbehält, einigeKWahlprotokolle zu veröffentlichen, nach oeren Wortlaut zu schließen, der in allen größeren Zeitungen erschienene Widerruf von sehr zweifelhafter Glaubwürdigkeit ist. Es ist den rothen Marienbader Rosen — sofern sie von Zionsstamme — gar oft der Vorwurf gemacht worden, daß sie durch einen zu auffällig zur Schau

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