Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1897)
- Date
- 1897-07-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1186 getragenen Putz, Neid und Scheelsucht erregen und somit dem Antisemitismus Vorschub leisten. Erfreulicherweise ist nach dieser Richtung hin ein Umschwung im Cur- und Modeleben eingetreten. Die jüdischen Damen befleißigen sich Heuer einer stylvollen Einfachheit; man sieht keine kirschenkerngroßen Brillant- Boutons, keine grellfarbigen, mit Spitzen besetzten Seidenkleider, keine wallenden Federn auf den Hüten rc. — Man überläßt den auffallenden Putz allen Anderen, die gerne von sich reden machen und als wandelnde Modebilder angestaunt sein wollen. Was man «n Putz spart, könnte sehr gut humanitären Einrichtungen zugewendet werden, indeß das wird gewöhnlich tauben Ohren gepredigt. Hoch oben am Bergeshalde steht das israelitische Curhospital, ein echter Tempel der Humanität; der unermüdliche thätige Verwalter Herr Ph. Lederer läßt er sich angelegen sein, vermögende Curgäfte für das Curhospital zu interefsiren; die meisten bekunden aber recht wenig finanzielle Liebenswürdigkeit; so sah ich unter den eingelausenen Spenden eine Zeichnung von — einer Krone und nebenbei den Namen einer Dame, die von ihrem Gatten mehr als eine Million geerbt hat. — Wollten nur all Diejenigen, die da auf der Wandelpromenade sorglos täglich so und so viele Stunden im süßen Nichtsthun vergeuden, zu dem weißen Haus, das oben am Waldessaume steht, hinanfteigen und Zwiesprache halten mit den Curgästen, denen edle Menschen hier ein Heim errichtet, sie würden ihr gutes Herz sprechen lassen und mehr beisteuern, als zumeist geschieht. Und wie viele Aufnahmsgesuche müssen abgewiesen werden, weil der Raum viel zu klein und die Mittel zu gering, einen Neubau anzusügen! — Die Pensionäre des Curhospitals stehen in der Behandlung des um die Gründung und Erhaltung dieses Hauses hochverdienten Professor Kisch, der Allen ein gewissenhafter Freund und Berather ist. Der Zufall führte mich gestern gerade zum Bahnhof, als die 20 Pensionäre, die vom 15. Juni bis 15. Juli im Hospitale Aufnahme gefunden, abreisten. Die meisten hatten sich gut erholt, alle waren des Dankes voll. Die Leute stachen gar auffällig von all den reichgekleideten, mit eleganten Reisetaschen und metallbeschlagenen Riesenkoffern versehenen Passagieren ab, die soeben mit dem Luxuszuge anlangten. Ein blonder Engländer ließ durch seinem Groom fragen, ob man in Deutschland auch Feriencolonien für alte Leute organisire; man sagte ihm, es seien Pensionäre des israelitischen Curhospitals. Mitleidsvoll betrachtete er die armseligen Koffer, die defeeten Taschen der Abreisenden. „Pooldevils" sagte er, und seinem guten Herzen folgend, ließ er Jedem und Jeder einige Gulden verabfolgen, damit sie es sich — wie er sagte — aus der Reise bequem machen. Als ich den blonden Sohn Albions heute früh i am Königsbrunnen sah, hörte ich, wie ihm ein Welts Priester Vorwürfe machte, daß er so viel für die israelitischen Armen gethan hat. „Goddam," antwortete er unwillig, „Mensch ist Mensch! Bei uns kennt man keinen consessionellen Unterschied! Jeder Bedürftige hat ein Recht auf Unterstützung!" Damit wandte er dem Mann im Priesterklelde den Rücken und murmelte Etwas von Racenhaß und Classenhaß in seinen Bart, Worte, die gewiß gehört und beherzigt 511 werden verdienten. (I. Barber in der I. W.) Letzte Nachrichten. Karlsruhe im Juli. (Der alte i3raeFriedh ojf in der B e ra th u u g des B ür g er a u ss chu s s e s.) Der Vorstand empfiehlt die Vorlage zur Annahme. St.-V. E t t l i n g e r spricht gegen die Vorlage vom Standpunkt religiöser Rücksicht, die von dem toleranten Stadtrath auch beachtet werden sollte. Eine Verbreiterung der Straßen-Anlage am Friedrichsthor ließe sich durch Beseitigung der Polizeiwache ermöglichen. Durch Erwerbung des Platzes am Militärwaschhaus würde ein Platz gefunden, das Erheberhäuschen dorthin zu verlegen. Die Brückenwaage ließe sich am Lidellplatz anbringen. Man sollte best halb die Pietätsrücksichten walten lassen und das Expropri irungsversahren nicht erzwingen. Oberbürgermeister Lch n e tz e r betont, daß es den« Stadtrath durchaus fern liege, das Pietätsgesühl irgend welcher Religion zu verletzen, er achte jede religiöse Ueberzeugung. Dem Vorredner sei aber doch nicht gelungen, zu beweisen, daß die am Friedrichsthor herrschenden Mißstände beseitigt werden könnten, ohne den alten israelitischen Friedhof zu beseitigen. Wel.n es auch in den Satzungen einer Religion steht, den Friedhof zu schonen, so gehe es doch über Mcuschenkräste, für alle Zeit einen israelitischen Friedhof zu erhalten, und hier liege ein dringendes Bedürfnitz vor, den Friedhof in eine Anlage dem Verkehr dienend umzuwandeln St.-V. Boos führt dem St-V. Ettlinger gegenüber einen Fall an, wo er einen Schutzmann gerufen habe, um Glaubensgenossen des Herrn Ettlinger voin alten Friedhof zu verweisen, die dort eine -- Gartenwirthschaft aufgeschlagen hätten. Bürgermeister K r ä n> e r und St.-V. H e i m b u r g e r sind für die Vorlage, Letzterer insoweit, als es sich um die Expropriation des Friedhofs für die Verbreiterung der Straßen handelt. Nachdem nochmals Oberbürgermeister Schnetzle r für die Vorlage eingetreten, erklärte St.-R. Homburger gegen die Vorlage stimmen zu müssen. Es sprachen noch zu der Vorlage e^t.-V. B a u m e i st e r, der eine solide Bauausführung in architektonischer Hinsicht der vorgeschlagenen Bauten wünscht, und Oberbürgermeister Schnetzler, der Mit theilungen über das Expropriationsverfahren macht. Der Antrag des Stadtraths wurde sodann mit allen gegen drei stimmen angenommen.^) * > Vcrgl Eorrespondenz Karlsruhe in voriger 'Jirnnmev des Fsraelit. Red. Pnfctc KirbllW Ou es gern, ß Ein nahrhaftes und liebliches Gericht läßt sich leicht ourch einfaches Kochen der Milch mit Mondamin bereiten. Eine solche Nahrung ist leicht verdaulich und reizt durch den eigenen Wohlgeschmack des Mondamin Kinder und Kranke zu weiterem Genuß. Es ist so ergiebig, daß nur wenig Mondamin zu nehmen ist, und stellt sich daher nicht tl,eurer als gewöhnliches Mehl. Bei Nahrung für Kinder und Kranke ist dieser Vortheil besonders gut angebracht. Mon dämm ist überall zu habe,« in Packeten ä 60, 30 und 15 Pf.