Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1897)
- Date
- 1897-07-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1134 Humanitättwerke aus-persönlicher Eitelkeit oder aus ParteistandpunktS-Politik ihre Mitwirkung versagten, einen dahingehenden Konferenzbeschluß erzielt hätten, ist eine Unwahrheit, die dadurch nicht geringer wird, daß sie von gewisser Seite leider mehrfach wiederholt wurde. — Die bayrischen Rabbinen kommen nicht zu den Konferenzen, um Ausstellungen zu besuchen, auch nicht um Interna ihrer Gemeinden, die längst friedlich im Sinne des Religionsgesetzes gelöst sind, aufzurühren; sie kommen, wie Ihnen baldigst eintreffender Bericht zeigen wird, zum ernstem, zielbewnßtem Thun zusammen und werden sich darin weder durch unberechtigten Spott, noch durch Verdächtigungen irre machen lassen. 8. Aus Bayern. Ein Journalist, der die Prälension erhebt, in einem lediglich den Interessen des orthodoxen Judenthums gewidmeten Blatt im Interesse des wahren Judenthums zu schreiben, sollte nach unserer Ansicht, wenn er nicht das Gegentheil feiner Absicht erreichen will, folgende Punkte streng in's Auge fassen: 1. Das, was er schreibt, muß nicht nur subjektiv wahr fein, sondern streng objektive Wahrheit darstellen; der Verfasser darf es sich nicht etwa mit seiner Meinung von den Thatsachen genügen lassen, sondern muß nur dann schreiben, wenn er absolut wahre Kenntniß der Thatsachen besitzt. 2. Damit hängt zusammen, daß er im Urtheil über Männer, deren Leben unstreitbar im Dienste des orthodoxen Judenthums in seiner reinsten Auffassung zu allen Zeiten gestanden ist und steht, sich vor subjectiven Unterstellungen hütet, zumal leider bei der urtheilslosen Menge stets der Glauben erweckt wird, als ob der Pfeil der einzelnen Vertretern der Sache gilt, die Sache selber treffe. 3. Wenn ihm wirklich um die Förderung des Heiligen zu thun ist, so muß er vermeiden, längst im Interesse der von ihm verfochtenen Sache glücklich beigelegten Differenzen, in irgend welchem Zusammenhang wieder bervorzuholen, zumal dann nicht, wenn ein heilsamer Zweck damit gar nicht erreicht werden kann. E» sind vor allem diese drei Hauptpunkte, die der anonyme Artikelschreiber in einem vorwächentlichen Artikel in diesem Blatt, der die Angelegenheil der bayrischen Rabbiner-Konferenz behandelt, vollständig außer acht gelassen hat. Er hat zunächst keine objektive Wahrheit geschrieben, sondern nur unwahre Gerüchte verzeichnet, er hat keine Thatsachen berichtet, sondern nur seine Meinungen wiedergegeben. Er hat diese unwahren Gerüchte selbst anonym und inhaltlos dargestellt, so daß das Publikum in der That stutzig werden muß. Und seine Meinungen, die die Thalsachen ersetzen sollen, richten sich gegen einen ganzen Stand, wenigstens gegen den jüngeren Theil eines ganzen Standes, mit unverantwortlichen Insinuationen. Der x. x. Ariikelschreiber muthet den jüngeren Rabbinern Bayerns zu, daß sie z. Z. mit Rücksicht auf die Hoffnung einer Verbesserung ihrer materiellen Lage der Rabbinerkonferenz beigetreten sind. Von orthodoxen Rabbinern gab es im Jahre 1890, dem Gründungsjahr der Konferenz, nur 2, der damalige Rabbiner in Burgpreppach und der zu Schweinfurt. Gewiß, beide Herren haben höhere Ideale im Auge gehabt, als materielle Interessen. Wären nur diese es gewesen, bei denen man doch in der Regel rasch zuzugreifen pflegt, so wäre der noch heute aktenmäßig festzustellende sehr späte Beitritt, wenigstens eines dieser Herrn, nicht leicht zu erklären; er läßt vielmehr vermuthen, daß eine reifliche Ueberlegung und ein ernstes Abwägen des Für und Wider dem Entschluß vorausgegangen ist. Der ganzen Auffassung des Artikelschreibers widerspricht sowohl die Entstehung, wie das Wirken der Konferenz. Schon bei der Entstehung wurde die Nothwendigkeit der Vereinbarung über gewisse allgemeine, jedem Parieistandpunkt annehmbare Ziele und dementsprechende Mittel hinsichtlich des Lehrplans für Mittelschulen betont und die Arbeiten der Konferenz von ihrer 2. Sitzung an bewegen sich wesentlich um diesen Punkt, der nunmehr m. G. H. ein greifbares Resultat zeitigen wird. Wer hat dem Artikelschreiber den Einblick in die Seele der genannten beiden jüngeren Herren gestattet, um zu wissen, daß jenes materielle und nicht dieses ideelle und ideale Motiv entscheidend gewesen? — Statt objektiver Wahrheit bietet der Artikelschreiber Vermuthungen, beleidigende Vermuthungen. Er schreibt, daß ein verhängnißvoller Beschluß auf der vorjährigen Konferenz gefaßt worden sei, dessen fatale Wirkungen freilich wieder hinfällig geworden wären. Hier haben wir es mit einem unwahren Gerücht zu thun, dessen Anonymität endlich entlarvt werden muß. Der Artikelschreiber meint hier einen angeblichen Entschluß der Nabbinerkonferenz oder des Landesvereins, sich der Thätigkeit für das neu zu gründende Spital in Jerusalem zu enthalten. Dieser Entschluß ist die Erfindung irgend eines böswilligen Menschen und die Ausstreuung dieses Gerüchtes und Weiterverbreitung desselben, ohne genaue Prüfung des Thatbestandes, eine gewissenlose Leichtfertigkeit. Weder bei der vorjährigen Rabbinerkonferenz noch bei der Sitzung des Landesvereins ist ein solcher Entschluß oder Beschluß gefaßt worden, noch ist die Frage des Spitals überhaupt auf der Tagesordnung einer der beiden Ver-