Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1897)
- Date
- 1897-07-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448760--44285-2493373- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
XJLXVHI. Jahrgang. Erste Kellage >u M 58 des „Israelit". Leitender Artikel. I. PMW-es über die ffinfte freie Cosferrn; ber bayr. Uobbiiler. Die Correspondenz in Nr. 54 dieses Blattes „Aus Bayern" hat in der in der Ueberschrift genannten Versammlung eine gewaltige Erregung hervorgerufen; von den uns gewordenen diesbezüglichen Zuschriften bringen wir nachfolgende zum Abdruck: München, 18. Juli. Am 14. und 15. d. M. tagten hier unter Vorsitz des Rabbiners Dr. Werner im Sitzungssaale der Cultusgemeinde die zur fünften Confe renz versammelten Rabbiner Bayerns. Zu derselben waren im Ganzen sieben auswärtige Herren erschienen. Den Hanpttheil der Verhandlungen nahmen Fragen über Festsetzung eines Normallehrplanes für die israel. Religionslehre an den Mittelschulen ein, woran jedoch nur ein Theil der Anwesenden unmittelbar interessirt war. Es wurde eine Commission zur Herstellung eines Lehrbuches für den israel. Religionsunterricht an den Mittelschulen eingesetzt. Ferner wurden die Statuten für die zu gründende Pensionskasse für Rabbiner berathen und noch über manch andere Angelegenheit Beschluß gefaßt. Am Nachmittage des 15. ds. fand die Versammlung der Ausschußmitglieder des Landesvereins zur Unterstützung nothleidender isr. Cultusgemeinden in Bayern unter Vorsitz des Juftizraths Gunzen- Häuser in Fürth statt. Es wurden für eine Anzahl von hilfsbedürftigen Gemeinden in Bayern erhebliche Unterstützungen bewilligt. Das officielle Referat folgt in Kürze. Aus Bayern, 18. Juli. Die Reise zu der in der letzten Woche in München abgehaltenen und — wie ich Ihnen einstweilen mittheilen kann — recht ergebnißreich verlaufenen fünften freien Conferenz derbayerischen Rabbiner läßt mich erst heute dazu kommen, die vollkommen unberechtigten Angriffe aus die bayerischen Rabbinereonferenzen im allgemeinen und deren orthodoxe Teilnehmer im besonderen gebührend zurnckzuweisen. Der Autor der Correspondenz in Rr. 54 zeigt auf der einen Seite eine so außerordentliche Vertrautheit mit der Genesis und der Geschichte der Conferenzen, daß man die auf der anderen Seite zahlreichen thatsächlichen Jrrthümer unwillkürlich für absichtliche halten muß. — Ihr Herr Correspondent glaubt, oder wenigstens: er sagt, einige jüngere Herren hätten, um ihre finanzielle Lage zu verbessern, und in einem unbegründeten Idealismus trotz ihrer entgegenstehenden religiösen Ueberzeugung sich zur Theilnahme an den Conserenzen gerne bereit finden lassen. Dem ist durchaus nicht so. Von den jüngeren orthodoxen Kollegen, die jetzt in Bayern amtieren, war nicht ein Einziger bei der ersten Conferenz betheiligt. Die Rabbinen von Ansbach, Burgkundstadt, Burgpreppach, Schweinfurt und Sulzbürg sind sämmtlich erst später den Conferenzen beigetreten und der nächst jüngere Herr, auf den sich der Vorwurf allenfalls beziehen könnte, steht dem Tadler zu nahe, als daß er gemeint sein sollte oder könnte. Aber es ist auch unrichtig, daß die „besonneneren, älteren Herren" der Conferenz abhold gewesen sind; sie haben sich im Gegentheil sofort angeschloffen, nur die Gründung eines festen „Verbandes" abgelehnt und sich das Verdienst erworben, für eine „V e r - fa s sun g" gewirkt zu haben, die jede Gefahr irgend welcher Majorisierung ein für allemal ausschließt. Die Geschäfts-Ordnung der Conferenzen ist in der Thai so gut, daß Herr Dr. May bäum und seine Gesinnungsgenossen trotz dem Vorschläge des Herrn Dr. Werne r—München sie für den a l l g emerncn Rabbiner-Verband nicht annehmen zu können erklärten. Den Vorwurf der Ergebnißlosigkeit, den Ihr Gewährsmann der bayer. Rabbinerconferenz macht, bedarf kaum der Widerlegung. Denn, hätte die Conferenz weiter nichts geschaffen als den überaus segensreich wirkenden „L a n d e s v e r e i n zur Unterstützung nothleidender israelitischer Cultusgemeinden in Bayern", (den Ihr Herr Correspondent so geschmackvoll das „der Conferenz als Kitt dienende Anhängsel" nennt) — wahrlich! die bayrischen Rabbinen hätten sich um ihre Gemeinden und insbesondere um die stets kleiner werdenden Landgemeinden ein großes Verdienst erworben. Ihre geschätzten Leser wissen aus wiederholten Berichten, daß der Verein bereits im ersten Jahre seines Bestehens nahezu 8000 Mk. für hochheilige Zwecke verausgabt hat. Ferner ist es — um nur noch eine der falschen Angaben zu berichtigen — durchaus unwahr, daß im Vorjahre seitens der Nürnberger Konferenz ein Beschluß gefaßt worden sei, „der viele denkende und fühlende Israeliten mit Befremden und Betrübniß erfüllte und den viele erst durch die Thal rektiftziren mußten." Daß einige Herren, die dem großen