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Der Israelit · 1897-07-22 · Heft 58 (22.7.1897) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 58 (22.7.1897)
Date
1897-07-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1132 die Meinung im Voraus für sich und mar sicher, zu gefallen. Man hätte sich geschämt, ihn mit einer geringen Gabe abzufertigen, selbst das Honorar aus der Gemeindekasse mutzte dem Ruhm des Mannes angemessen sein, und so verließ er gewöhnlich die Stadt mit vermehrtem Ruf und wohlgesüllter Börse. David aber konnte nur dem übelsten Erfolge seines Unternehmens entgegensehen, und dies um so gewiffer, da er nicht im Stande war, einen einzigen Ton zu singen. Noch weniger ließ die Rolle, die Baruch übernommen hatte, einen Vortheil erwarten. Die Kabbala ist eine Wissenschaft, die sich mit philosophischer Betrachtung über die Gottheit, die Schöpfung, das Gesetz, das Dasein in einer höheren Welt u. s. w. beschäftigt. Die Philosophie ist schon an und für sich schwer zu fasten, und da diese Schwierigkeit noch durch das geheimnißvolle Dunkel und den symbolischen Ausdruck ihrer Lehren erhöbt wird, wagten sich von jeher nur die fähigsten Geister an das Studium derselben. Dazu kam noch, daß die Gelehrten dieses Studiums jüngeren Personen verboten und nur älteren, die bereits gründliche talmudische Kenntnisse besaßen, erlaubten, weil man es einerseits für Pflicht hielt, die Jugend vor jener Gedankenverwirlung und Schwärmerei zu bewahren, in die sie ein falsches Austasten und Deuten der Kabala stürzen konnte, andererseits aber diese Wissenschaft ihres hohen Inhalts wegen für zu heilig achtete, um die Beschäftigung mit ihr Unvorbereiteten zu gestatten. Es waren daher nur ausgezeichnete Gelehrte im vorgerückten Alter mit der Kabbala mehr oder weniger vertraut, je nachdem sie ihnen verständlich erschien und sie durch dieselbe Ausschluß über tiefer liegende religiöse Lehren zu erhalten glaubten, oder sie in ihr eine verschlossene Wissenschaft erblickten, die mehr geeignet sei, die Klarheit der im Talmud gegebenen religiösen Lehren zu trüben, als darüber ein helleres Licht zu verbreiten. Die größere Menge wußte also von der Kabbala gar nichts, hatte aber vor ihr die höchste Achtung, ja eine heilige Scheu, denn das Gerücht war allgemein im Umlauf, sie erkläre das Geheimniß der Schöpfung, sie mache die Namen der Engel, der guten und der bösen Geister, die Bestimmungen und Dienstoerrichtungen dieser höheren Wesen kund, sie offenbare endlich den geheimen und unaussprechlichen Namen Gottes. Man glaubte nun, daß diese Kenntniß so hoher Geheimnisse auch die Fähigkeit gebe, den Lauf der Natur zu lenken, zu hemmen, zu ändern und betrachtete daher die Kabbalisten als Männer, die Wunder vollbringen könnten. Niemand aber war, nach der allgemeinen Ansicht, mit einer höheren und vollkommneren Wunüerkraft ausgerüstet, als der Gelehrte, der so tief in die Kabbala eingedrungen war, um den Schem, den heiligen Namen Gottes zu ergründen, dessen Anwendung genügt die Engel uno alle Geister der Höhe und Tiefe zu unbedingtem Gehorsam zu verpflichten. Einen so erleuchteten Gelehrten nannte nian Bal Schem, d. i. Herr oder Meister des Namens, und war überzeugt, daß ihm nichts unmöglich sei. Man traute ihm die Kraft zu, Kranke zu heilen, Feuer zu besprechen, Ströme und Meere zu trocknen, ja, Welten zu schaffen und zu vernichten. Vergebens eiferten die frömmsten und geachtetsten Rabbiner gegen einen so gefährlichen, das innerste Wesen der Religion erschütternden Wahn. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, Montag* and Bonnentar«, j-deSmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Fachhandel verkehrt darch « /. -triaacker, Leipzig, stoßplah 16. — Inserate 25 Pfennig die 4sxaltige Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zelle im Reclamethell 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter (Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Tips tu»**«** vor» «n dt- Redaktion eingesandten Manuscripten findet nicht statt, «an bittet deghalv, sich von allen Einsendungen eine Eopie zurückzubehalton. Inhalt (Hauptblatt). Leitender Artikel: Sprüche der Väter. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Darmstadt. Hamburg. Thorn. Frankreich: Paris. Rußland: Tiflis. — Vermischtes. — Feuilleton: Der verwunschene Chasan. (Ein Schwank.) Inhalt der ersten Beilage r Leitender Artikel: Vorläufiges über die fünfte freie Conferenz der bayr. Rabbiner. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Krakau. — Feuilleton: Plaudereien aus der Sommerfrische. — Letzte Nachrichten: Karlsruhe. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oefterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Vermischtes. Ggtra-Beilager Sprüche der Väter. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstratze Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Acticn-Gesellschast in Mainz. Hierzu drei Beilagen.

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