Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1897)
- Date
- 1897-07-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1130 Sitzung, an der auch der langjährige Siechenpfleger des Armenkollegiums, Herr H. Levin, welcher insbesondere auf die stets wachsenden Ausgaben für die Pflege der jetzt bei Privaten untergebrachten Siechen hinwies, theilnahm, ist volle Einigung über die an die Gemeinde-Kollegien zu richtenden Anträge erzielt worden, und so darf gehofft werden, daß, Dank der Hochherzigkeit eines Philanthropen, der in echt jüdischer Weise seinen Namen verbirgt, das segensreiche Werk in nicht ferner Zeit in's Leben treten wird. ** Thortt. Wie wir kürzlich berichtet haben, wurde einem jüdischen Schüler russischer Staatsangehörigkeit der Besuch eines deutschen Realgymnasiums in Westpreußen mit der Begründung von dem Oberpräsidenten von Goßler verweigert, daß das dortige Gymnasium schon von einheimischen jüdischen Schülern nicht nur zahlreich besucht, sondern mit diesen Schülern weit über das Bevölkerungsverhältniß hinaus besetzt, und die Befürchtung zu erwägen sei, „daß durch den Hinzutritt von jüdischen Schülern anderer Staatsangehörigkeit die Anstalt eine Schädigung erfahren" könne. Dieser von Danzig den 1. April d. I. datirte Bescheid veranlaßte einen hiesigen Kaufmann im Jntereffe des Spediteurs in Alexandrowo (der Vater des gedachten Knaben) eine Eingabe an Se. Excellenz den Unterricht-minister Dr. Bosse zu richten, darauf ging ihm das nachstehende Schreiben zu: N. fl. Nr. 6358. Berlin, den 12. Juni 1897. Ihrem Anträge vom 10. 4. cr. auf Genehmigung des Aufenthaltes des Schülers p. p. in Thorn zum Zwecke des Besuchs des dortigen Realgymnasiums kann mit Rücklicht auf die Verhältniffe dieser Anstalt, die eine Beschränkung der Aufnahme auswärtiger Schüler erfordern, nicht entsprochen werden; dagegen bleibt es dem Vater des genannten Knaben überlasten, für diesen an einem anderen Realgymnasium des preuß. Staates die Aufnahme nachzusuchen. Im Aufträge: gez. Schneider. Frankreich. ** Pakts. üben unb Protestanten in Frankreich.) Die „Münch. Allg. Ztg." hat wiederholt darauf hingewiesen, daß in Frankreich die antisemitische Bewegung mit der antiprotestantischen eng verknüpft ist. Der Pariser Correspondent des genannten Blattes schreibt: „Wie eng Chauvinismus und Antisemitismus Zusammenhängen, wie leicht es gewissen patriotischen Schreiern wird, die Antipathien gegen das „internationale Judenthum" zu ihren Zwecken auszubeuten, hat der jetzt wieder so lebhaft erörterte Fall Dreyf u s außer Zweifel gestellt, und wie ganz dieselben Anschuldigungen und Vorwürfe, mit denen man die jüdische Minderheit bekämpft, gewissenlosen Agitatoren zur Discreditirung der kleinen protestantischen Gemeinschaft dienen müssen, zeigt das hetzerische Treiben des ehemaligen Boulangistenhüuptlings Georges Th it-band, der soeben eine Rundreise durch die Provinz angetreten hat, um durch Vorträge über „die französisch-russische Allianz und protestantische Frage" nicht nur einem Nachlassen der Revanchebestrebungen entgegenzuarbeiten, sondern auch die französischen Protestanten als schlechte Patrioten und den Protestantismus als eine Gefahr für Frankreichs gesammte Entwickelung hinzustellen." In Frankreich lernen eben die Protestanten mit den Inden das Leid kennen, in der Minorität zu sein. Rußland. ** Tiflis. Einen späten Abschluß haben die Judenunruhen in Kutais nun endlich vor Gericht gefunden. Am 16. und 17. Oktober 1895 griff eine zahlreiche Menge der örtlichen christlichen Bevölkerung, „getrieben", wie es in der Anklageschrift heißt, „durch das Gefühl des religiösen und nationalen Haffes", das jüdische Quartier an, zerstörte viel Hab' und Gut und verletzte viele Juden mehr oder weniger empfindlich. Am 17. Oktober ließ der Militärgouverneur Truppenabtheilungen eingreifen, da die Polizei sich als zu schwach erwies, Ruhe zu schaffen, wobei mehrere Soldaten durch Steinwürse verletzt wurden. Es wurden schließlich 39 Haupträdelssührer verhaftet und vor das Kutaiser Bezirksgericht gestellt; von diesem wurden 28 Personen freigesprochen, die übrigen 11 zur Entziehung aller Rechte und zur Ansiedelung nach Sibirien verurtheilt. Die 11 Verurtheilten appellirten an den Gerichtshof in Tiflis und auch der Staatsanwalt legte gegen die Freisprechung eines Angeklagten Protest ein. Der Gerichtshof hat jedoch den Protest des Staatsanwaltes zurückgewiesen und für die 10 Verurtheilten das Unheil erster Instanz bestätigt; nur einer erhielt eine geringere Strafe: ein Jahr Gefängniß. vermischtes. Stuttgart. 16. Juli. Ter am 16. 14. und 15. d. dahier in Anwesenheit der Mitglieder der König!. Israel. Oberkircheu-Behörde ftattgehabten zweiten Dienstprüfung für Württemberg. Rabbinatskandidaten haben sich die Herren Dr. Jakob Berlinger. Rabb.-Bicar m Braunsbach, Dr. Hermann Kroner, Rabb.-Verweser in Oberdorf, Jesajas S.raßburger. Rabb.-Verweser in Göppingen mit Erfolg unterzogen. Die Prüfungs-Commission bestand aus den Rabbinen: Kirchenrath Dr. Theod. Kroner, Dr. Stößel—Stuttgart, Kahn -Heilbronn.