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Der Israelit · 1897-07-22 · Heft 58 (22.7.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 58 (22.7.1897)
Date
1897-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1129 die am liebsten auch unsere Nasen, die man bekanntlich beim Aristokraten aristokratisch, beim Juden jüdisch nennt, wenn es anginge, auf orthopädischem Wege umgestalten möchten, würden auch unsere specielle jüdisch-religiöse Eigenart verwischen und unkenntlich machen zu Gunsten ihrer Assimilationstheorien, im Interesse einer öden, flachen Gleichmacherei. Und dazu würde die in Vorschlag gebrachte Einrichtung des Sonntags-Gottesdienstes dienen, wenngleich ich gern glauben will, daß den Herren Unterzeichnern solches nicht in der Absicht gelegen hat. Nie und nimmer darf es dahin kommen, auch wenn uns versichert wird, daß „selbst die Orthodoxesten unserer Glaubensgenossen hiergegen nichts einzuwenden haben können, wie hervorragende Rabbiner utt3 bestätigen". Dreser Passus war mit der interessanteste in dem ganzen Schriftstück, nicht um derentwillen, was er besagt, sondern um derentwillen, was er verschweigt. Was wissen jene Herren von der Orthodoxie, die sie nur vom Hörensagen kennen, mit der sic sich nur dann beschäftigen, wenn sie vor den Wahlen die Orthodoxie den Wählern als den schwarzen Mann hinstellen? Und wer sind die ungenannten „hervorragenden Rabbiner"? Heraus mit Euerem Flederwisch, Ihr Herren! Warum nennt Ihr nicht ihre „hervorragenden" Namen? Wenn im geschäftlichen Leben jemand Credit beansprucht aus Grund ungenannter Referenzen, mögen dieselben auch seiner Versicherung noch so „hervorragend" sein, jeder Unterzeichner des Ausrufs würde den Mann für verrückt erklären. Die Herren sollten doch unsere Gemeindemitglieder denen sie ihren Aufruf ins Hans geschickt haben, etwas höflicher behandeln. Hoffentlich hat man den Herren auch mitgetheilt — sie selbst werden es wohl nicht mit angehört haben — daß zwei unserer „hervorragenden" Rabbiner bereits auf der Kanzel sich in der schärfsten Weise gegen ihre Projektemnachereien ausgesprochen haben. Wir haben im Laufe der Zeit Erfahrungen genug gesammelt betrübendster Art, die hervorgerufen wurden durch jene radikalen Resormbestrebungen, die Gotteswerk abschafften, um Menschenwerk an seine Stelle zu setzen. Eine Privatgemeinde, wie es die Reformgemeinde ist, mag sich zum Sabbat stellen, wie es ihr beliebt — was so geschieht, kommt eben auf das Privatconto jener Gemeinde, und die jüdische Allgemeinheit als solche hat nichts damit zu schaffen. Nie und nimmer aber darf die offizielle Vertretung einer jüdischen Gemeinde zu derartigen privaten Liebhabereien ihre Hand bieten, nie und nimmer darf sie es unternehmen, an dem Sabbat, diesem Haupt- und Grundfundameirt des Judenthums zu rühren und fremdartige Surrogate dem jüdischreligiösen Leben beimischen. Thäte sie das, so hätte sie sich ihres Charakters als einer jüdischen Gemeinde entkleidet. Ich habe nur ein Lächeln für die Behauptung jener schon so oft erwähnten Kreise, „für diejenigen sorgen zu wollen, die, ohne auf dem Boden der Reform-Gemeinde zu stehen, nicht in der Lage sind am Sabbat das Gotteshaus zu betreten." Wer in seinem religiösen Radikalismus bereits soweit vorgeschritten, daß er ohne religiöse und Gewissensbedenken den jüdischen Sabbat für den christlichen Sonntag zu opfern bereit ist, der wird auch an dem Gottesdienst der Reformgemeinde in der Form, wie sie heute besteht, keinen Anstoß nehmen. Also immer hineinspaziert, meine Herren, Platz ist ja da in Hülle und Fülle. Ich bin der festen Ueberzeugnng, daß der gesunde religiöse Sinn der großen Mehrheit unserer Gemeinde mit Entrüstung jenes Attentat gegen den Sabbat weit von sich abweisen wirs. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde kann allein gar keine Neuerungen im Gebiete des Kultus und der Religionsübung treffen, dazu bedarf es der Zustimmung der Repräsentanten, und die Zusammensetzung dieses Kollegiums bietet die sichere Gewähr, daß den Herren, die den Sonntagsgattesdienst eingeführt wünschen, dringend empfohlen werden wird, in Zukunft ihre freie Zeit einer nützlicheren Beschäftigung zu widmen. Darmstadt. Sr. Kgl. HoheitderGroßherzog von Hessen h aben den Rabbiner der hiesigen Jsr. Religionsgesellschaft H e r r n D r. Marx zum Großh. Rabbiner der orthod. Gemeinden des Rabbinatsbezirks Darmstadt ernannt. Damit hat das gesetzestreue Judenthmn in Hessen zum zweitenmale einen schönen Erfolg errungen, welcher uns mit freudigem Stolz erfüllen darf. ** Hamburg, im Juli. Schon seit langer Zeit hat sich innerhalb der hiesigen Gemeinde die Errichtung eines Siechenhauses, in welchem mittellose unheilbare Kranke Unterkunft finden, als ein doppelt dringendes Bednrfnrß fühlbar gemacht, weil das Israelitische Krankenhaus und das Altenhaus der Gemeinde laut Statut Sieche nicht aufnehmen dlirfen. Die Verwirklichung, welche an der Aufbringung der sehr bedeutenden Kosten scheiterte, kann nunmehr als gesichert gelten. Ein Wohlthäter, der ungenannt bleiben will, hat nämlich dem Vorstande der Deutsch-Israelitischen Gemeinde eine größere Summe zu diesem Zwecke überwiesen, mit der einzigen Bedingung, daß die nöthigen Vorarbeiten sofort in Angriff genommen werden. Der Gemeinde- Vorstand, dem bereits aus früheren Legaten 100,000 Mk. für diesen Zweck zur Verfügung stehen (u. A. 60,000 Mk. von Herrn Lachmann), hat die Herren M. W. Hinrichssen und I. Schönfeld beauftragt, im Verein mit einer Seitens des Repräsentanten-Kolleiums ad hoc eingesetzten Kommission diese Vorareiten zu leiten. In einer kürzlich stattgehabten

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