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Der Israelit · 1897-07-22 · Heft 58 (22.7.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 58 (22.7.1897)
Date
1897-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1128 rt ■> '»T. ■' •' .. y^rc*7*';v‘~"'-Tf 5. **7^” für Diejenigen sorgen, die ohne auf dem Boden der Reform-Gemeinde zu stehen, nicht in der Lage sind, am Sabb.u das Gotteshaus zu betreten. Und für diese »erlangen wir, neben und außer dem Gottesdienste am Sabbat die Ausgestaltung des Sonntag- Morgengotterdienstes zu einer erhebenden religiösen Feier mit Predigt. Wir haben kein anderes Mittel, den in erschreckender Weise zunehmenden In differentismus zu bekämpfen, und selbst die orthodoxesten unserer Glaubensgenosien können hiergegen nichts einzuwenden haben, wie hervorragende Rabbiner uns bestätigten. Es mag sein, daß diese religiöse Feier am Sonntag wenig besucht werden wird, aber wenn die Thors der Synagoge offen stehen, wenn wir vor uns selbst keine Ausflüchte haben, da« Haus Gottes zu betreten, dann wird sicher im Laufe der Zeit das in der Brust Vieler schlummernde religiöse Gefühl wieder zum vollen Bewußtsein gelangen. Die jetz-gen beklagenswerthen Zustände sino auf die Dauer unhaltbar, weil dem größeren Theil unserer GlaubenSgenoffen die Möglichkeit vollständig entzogen wird, den wöchentlichen Gottesdienst allein oder mit ihren Kindern zu besuchen. Um eine Befferung dieser Verhältnifle herbeizuführen, beabsichtigen wir, dem Vorstande der Jüdischen Gemeinde einen Antrag zu unterbreiten: „er möge neben dem Sabbat-Gottesdienst eine feierliche Andacht mit Predigt an den Sonntagen in den Synagogen einrichten." Falls eine große Anzahl unserer Glaubensgenosien sich für diesen Antrag erklärt, dann wird auch der Vorstand diesen Wünschen gerecht werden. Wir bitten Sie im Namen des Glaubens, der uns eint und unseren Herzen theuer ist, Ihrer Meinung auf dem umstehenden Blatte Ausdruck zu geben, und dasielbe umgehend zurückzusendcn." Hierüber läßt sich ein Gemeindemitglied im „Berl. Vereinsbote" folgendermaßen vernehmen: Das in der vorigen Nummer Ihrer geehrten Zeitschrift mitgetheilte Schriftstück, betreffend die Einrichtung einer feierlichen Andacht mit Predigt neben dem Sabbat-Gottesdienste an den Sonntagen in der Synagoge, hat, wie das nicht anders zu erwarten war, in unserer Gemeinde großes Aufsehen erregt. Ob aber die Urheber jener Idee mit dem Erreichten zufrieden sein werden, müßte ich sehr bezweifeln, Wo immer ich in der letzten Zeit Gemeindemitglieder gesprochen habe, säst in allen Fällen war die Haltung eine ablehnende, fast überall war das Urtheil über jene Bestrebungen voll von Empörung und Entrüstung. Ich habe auch Antworten auf die erwähnten beiden Fragen gelesen, zum großen Theil so drastisch im Ausdruck, daß die Herren, die die Umfrage erlasien. sie wohl kaum hinter den Spiegel stecken dürften. Um es gleich gerade heraus zu sagen, auch ich kann mich mit jener gewollten Einrichtung nicht befreunden und möchte in Ihrem geschätzten Blatte meine Gründe hierfür darlegen. Was in der genannten Zuschrift gesagt wird über das Schwinden des religiösen Sinnes, die Abnahme der Religiosität, der schlechte Besuch der Gotteshäuser namentlich durch die Jugend, mag an und für sich richtig sein. Ob aber das vorgeschlagene Mittel helfen wird, scheint mir mehr als fraglich Die Idee des Sonntagsgottesdienstes ist ja keine neue, in der Reformgemeinde ist sie schon seit langen Jahren zur That geworden. Wer aber möchte so vermesien sein zu behaupten, daß der Gottesdienst am Sonntag in der Johannisstr. ein gut besuchter sei? Wenn nicht Fremde und Neugierige noch ein gutes Kontingent zu der Besucherzahl stellten, könnte man dort mit gutem Gassen dir Bndr znmachrn. Und wenn in jenem Schriftstück der Meinung Ausdruck gegeben wird, daß in der ersten Zeit der neu eingerichtete Gottesdienst vielleicht wenig besucht sein würde unv erst im Laufe der Zeit „das in der Brust Vieler schlummernde religiöse Gefühl wieder zum vollen Bewußtsein gelangen werde". io meine ich, dürsten sich die Dinge grade umgekehrt entwickeln. In der ersten Zeit wird die Sache noch den Reiz der Neuheit auSüben und infolgedessen Zuspruch erhalten und später wird es ihr ergehen wie der Reformgemeinde, ein Prediger, ein feierlicher Gottesdienst und viele, viele leere Bänke. Die Herren sollen sich doch nur keinen Illusionen hingeben: diejenigen Kreise, für welche der Gottesdienst am Sonntag eingerichtet werden soll, werden sich auch nach wie vor von der Mühsal der Sabbatarbeit Sonntaa am Skattisch oder im Grnnewald erbauen. Die Unterzeichner sind selbstverständlich ausgenommen. Der unternommene Versuch, gewissermaßen aus Umwegen neben dem von der jüdischen Religion gebotenen dem Ruhetag unserer nichtjüdischen Umgebung die Synagoge zu erschließen, der hier im religiösen Gewände auftritt, ist meiner Meinung nach nichts weiter, als ein neuer Vorstoß, ein neues Glied in der Kette jener Bestrebungen einer seichten und flachen Rationalistik, einer zur prunkhaften Manie gewordenen Assimilationssucht, die erst in den letzten Jahren im Judenthum ausgetreten ist. Wir Juden fühlen uns mit Stolz als Bürger des deutschen Vaterlandes, unsere Sprache ist die seine, unsere Moral ist keine andere als die unserer Umgebung. Das ist wahrlich Assimilation genug. Ein Gebiet sollte billigerweise von diesen Fanatikern eines sonst löblichen Bestrebens verschont bleiben, unsere religiöse Eigenart nämlich. Was unser Glaube, unser ritueller Brauch uns vorschreibt, das sollten wir uns rein und ungemischt erhalten, hier hat kein Staat, keine anders geartete Umgebung uns etwas hineinzureden. Rur jene oben gekennzeichneten Kreise,

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