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Der Israelit · 1897-07-19 · Heft 57 (19.7.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 57 (19.7.1897)
Date
1897-07-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
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wlypypn 1113 hörigen der verschiedenen Kirchen zu verspüren, wie in anderen kontinentalen Staaten. Wenn es wahr ist, was Bamberg sagt, daß eine jede Nation solche Juden hat, wie sie es verdient, und daß die Stellung der Juden in einem Gemeinwesen der Gradmesser der vorherrschenden Kultur sei, so muß .England wohl eine Klaffe von jüdischen Bürgern haben, die auf dem Höhepunkt der menschlichen Gesittung stehen, und Land und Volk müssen sich der höchsten Kultur erfreuen. Der mächtigste und einflußreichste Staats minister unter der Herrschaft Victoria's war ein Jude — Benjamin Disraeli. Wenn auch nominell Bekenner des christlichen Glaubens, so machte er doch nie ein Hehl aus seiner Stammeszugehörigkeit, und in seinem Wirken entfaltete er einen Stolz auf sein Judenthuni, wie es nur wenige Vollblutjuden thun. Und diesen „Judengenoffen" erkoren die stolzen englischen Aristokraten zu ihrem Führer, und heute noch pilgern sie an seinem Sterbetage an sein Grab und schmücken es mit seiner Lieblingsblume, der „Primel". Trotz der hohen Würdestellung eines Georg Jeffel, der Goldsmiths, der Rothschilds, und trotz des großen Wohlstandes, dessen viele jüdische Familien sich erfreuen und der hohen gesellschaftlichen Stellung, die sie einnehmen, wurde dort nie eine Klage über die „Verjüdelung" des Staates, über die Neberwucherung des Judenthums gehört, Rur seit wenigen Jahrzehnten ist es Juden gestattet, hohe Staats- und Municipalstellen einzunehmen, und heute sehen wir den Bürgermeisterftuhl London's, eine der höchsten Ehrenstellen, die ein englischer Bürger bekleiden kann, von einem Juden eingenommen, der es sich nicht nehmen läßt, koschere Diners im Mansion House zu veranstalten. Dieser Jude hat die Ehre, die Fürsten und Staatsbeamten, die Vertreter fremder Nationen an seiner Tafel zu bewirthen und die vornehmste Stadt der Welt zu vertreten. Derselbe Geist herrscht ja auch bei den „Vettern" der Engländer, den Amerikanern, und die Vortheile des Religionsfriedens, welche diese beiden mächtigen Reiche genießen, sollten doch wohl anderen modernen Nationen die praktische Lehre geben, daß die Länder, in welchen der Jude die vollen Bürgerrechte und die volle sociale Gleichstellung genießt, keinesfalls ökonomisch zurückgehen, sondern in allen Richtungen sich der größten Fortschritte erfreuen. Seit einigen Monaten beschäftigt sich ein Komitee, welches in einer Privatversammlnng im Hause des Herrn Jacob H. Schiff dazu beauftragt wurde, mit der wichtigen Frage, auf welche Weise man eine größere Anzahl von jüdischen Religionsangehörigen, deren Vermögens- Verhältnisse es gestalten, veranlassen könnte, sich an der Erhaltung der verschiedenen jüdischen Wohlthätigkeitsanftalten zu beiheiligen. Das Komitee besteht aus den Herren Jsaiah Josephi, Julius Goldmann, Professor Morris Loeb, Harry H. Meyer, Nathaniel S. Rosenau und Frederick Spicgclberg. Man ging von den Prämissen aus, die wohl im Ganzen richtig sind: 1) Die Gcsammtzahl der zur Erhaltung der Wohlthätigkeitsanstalten Beitragenden ist unerwartet klein. 2) Die Zahl der Beitragenden bildet einen kleinen Bruchtheil der jüdischen Bevölkerung, die in behäbigen Verhältnissen sich befindet. 3) Ein noch geringerer Bruchtheil gewährt ihre Unterstützung mehr den zwei Anstalten. 4) Die Methode, Geld durch Abhaltung von Unterhaltungen, Konzerten und Bällen zu erlangen, liefere nur geringe Resultate im Vergleich zu den Kosten, die aus der Arrangirung erwachsen. Es wurde nun vor einigen Tagen eine größere Versamntlung im Tempel Emanuel abgehalten, in welcher das obige Komitee Bericht erstattete. In der Versamlung waren sämmtluhe jüdische Wohlthätigkeitsanstalten vertreten, und Herr Isidor Straus führte den Vorsitz. Hauptsächlich drehte es sich um die Frage, ob die Beitragenden einen allen Anstalten zu Gute kommenden jährlichen Beitrag einer allgemeinen Kaffe einzahlen sollen; solcher Beitrag solle von einer Centralbehörde gesammelt, gebucht und vertheilt werden, anstatt dem Werbesysüm, das eine jede Anstalt für sich führe, zuzufallen. An der Debatte betheiligten sich die Herren Jsaac Wallach, Jacob H. Schiff, A. F. Hochstädter, C. L. Sulzberger, N. Necarsulmer, Professor Loeb, Richter Joseph E. "Neuberger, Dr. Julius Goldmann, Jonas Weil, I. S. Bache, S. D. Levy, I. L. Buttenwieser, Jsaac Stern, Superintendent Rosenau. Man kam indessen zu keinem entgültigen Entschlüsse. M a r o c c o. 8 Tanger, im Juni. In dem Mellah (Judenviertel) von Fez, wo am vergangenen Sukkothseft bekanntlich ein furchbarer Brand gewüthet, merkt man heute nichts mehr von den Verheerungen, die das Feuer daselbst angerichtet, denn die Schutthaufen wurden entfernt und nun werden neue Häuser dort erbaut. An wohlthätigen Spenden sind damals, soviel wie man hört, etwa 30,000 Francs eingelaufen, die zumeist aus Europa kamen. Von nun an wird man in Fez, ebenso auch in den anderen jüdischen Gemeinden Marokkos beim Aufbau der Sukkoth vorsichtiger sein, und dieselben nicht mehr enge aneinander errichten, sondern für genügenden Raum zwischen denselben sorgen. Freilich, wäre es sehr gut, wenn das Judenviertel von Fez über eine ordentliche Feuerspritze mit den noch anderen nöthigen Löschrequisiten dazu verfügen würde; aber hierzulande herrschen noch immer primitive Zustände, und bricht irgendwo ein Brand aus, so müssen die Bewohner sich gegenseitig helfen, um des Feuers Herr

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