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Der Israelit · 1897-07-19 · Heft 57 (19.7.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 57 (19.7.1897)
Date
1897-07-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1112 der Stadtgemeinde an der Beseitigung des Friedhofs, oder dem der isr. Gemeinde an der Erhaltung desselben überwiegende Bedeutung beizumessen ist. Was nun den, in dem oben citirten Artikel, erwähnten Antrag des Stadtraths beim Bürgeransschuß betrifft, so handelt es sich hierbei nur um die Bewilligung der nothwcndigen Geldmittel für den eventuellen Allkauf des Friedhofs. Dieser Antrag ist übrigens gestern — was vorauszusehen war — im Bürgcrausschuß gegen die Stimmen der drei isr. Mitglieder angenommen worden. Aus vorstehender Darstellung dürfte sich wohl ergeben, daß bis jetzt von berufener Seite alle Schritte gethan wurden, um den alten Friedhof zu erhalten, und so dürfte es wohl auch im weiteren Verlauf der Angelegenheit sein. Eine Einmischung von Privatpersonen wäre ebellso unstatthaft, wie ztvecklos. Ob unser Bemühen Erfolg hat, das müssen wir dem Höchsten anheimftellen, uns mag das Bewllßtsein genügen, unsere Pflicht gethan zu haben!" O e st e r r. - N n g a r. Mo n a r ch i e. ** Wien. Hier und da beginnt bei unseren jüdischen Mitbürgern allgemach das Gefühl der Erbitterung Platz zu greifen, und es werden Beschlüsse gefaßt, um den Angriffen, denen die Wiener Judenheit in allen ihren Rechten ausgesetzt ist. entgegenzutreten; allein zumeist scheitern alle Beschlüsse an der Indolenz der besser situirten Glaubensgenossen; u. a. hat der Verein „Union" gleichfalls folgenden Beschluß gefaßt: „Die Versammlung erhebt entschieden Protest wider das den jiidischen Staatsbürgern gegenüber beobachtete Verhallen der Majoritäten des niederöfterreichischen Landtages, des Wiener Gemeinderathes und Stadtrathes. Dieses Verhalten, welches sich insbesondere gegen die Armen und Wehrlosen kehrt, stellt sich als eine fortgesetzte Reihe planmäßiger Rechtsverletzungen und Rcchtsverhöhnungen dar. Die Versammlung erwartet, daß alle gerecht denkenden Mitbürger int Widerstande gegen diese Mißachtung von Recht und Gesetz thatkräftig zusammenstehen werden." — Der Appell an die Oeffentlichkeit, jenen armen israelitischen Schülern des Leopoldstädtcr Kommunal-, Real- und Obergymnasiums, denen der Wiener Stadtrath die Schulgeldbefreiung großmüthig — verweigert pat, durch freiwillige Beiträge zu helfen und so den beabsichtigen Schulboykott der Armen jüdischer Konfession zu Hintertreiben, war von einem überaus günstigen Erfolge begleitet. Run veröffentlicht Gemeinderath Dr. Alfred Stern das Ergebniß der Sammlung und die Vertheiluug der Spenden an die armen Schüler. — Um die Aerztekammer gleichfalls antisemitisch zu gestalten, hat der antisemitische Stadtrath Dr. Räder 425 Aerzte, größtenteils Juden, ans den Wählerlisten der Aerztekammer gestrichen, woraus diese den Rekurs ergriffen, dem von der Stallhalterei Folge geleistet wurde. ** Tarnow. lieber die Erzesse in Tarnow (Galizien) berichtet der „Dziennik Krakowski": Freitag verweigerte ein Mann des 57. Jnfanterie-Regiulcnts im Gasthofc Owiders auf der Lembergerstraße die Bezahlung für genossenen Schnaps. In Folge dessen entstand ein Streit. Der Infanterist zog sein Bajonett, welches im jedoch entwunden wurde. Er suchte sich dann wieder in den Besitz seines Seitengewehrs zu setzen, wobei er sich leichtere Verletzungen zuzog. Auf die Nachricht von diesem Vorfälle beschlossen die durch antisemitische Agitationen aufgehetzten Kameraden des verwundeten Infanteristen Rache zu nehmen. Schon Freitag Abends wurde der jüdische Einwohner Weinfeld mit einem Bajonett- Hiebe am Kopse schwer verletzt. Samstag wurden noch mehrere andere Juden verwundet. Sonntag herrschte ein wahrer Belagerungszustand in Tarnow. Sämmtliche Hausthüren mußten geschlossen und verbarrikadirt werden. Die Infanteristen durchzogen, wie der „Dziennik Krakowski" meldet, mit dem Bajonett in der Hand unb unter beängstigenden Rufen die Straßen. Jeder, der ihnen in den Wurf kam, wurde gestochen und geschlagen. Biele Personen, darunter auch ein vierzehnjähriges Mädchen erhielten theils schwere, theils leichte Verletzungen. Die Kaufläden mußten geschloffen werden, da die Soldaten in dieselben sich einzudringen bemühten. Militär-Patrouillen und Gendarmerie durchstreifen die Stadt. Die Panik war sehr groß. Einzelne Straßen blieben verödet. Der Mob vereinigte sich mit den Ercedcnten. Amerika. ** Ncw-Nork» Die „New-2)orker Staatsztg." schreibtDie Segnungen, welcher sich England unter der Regierung der Königin Victoria zu erfreuen hatte, und die großartigen Fortschritte, welche dieses Reich, in welchem die Sonne nicht nntergeht, während der bis jetzt 60 Jahre dauernden Regierungszeit der Königin in ökonomischer, wissenschaftlicher, gesellschaftlicher und sittlicher Richtung gemacht, wurden in Monatsschriften und Tagesblättern rühmend in allen Tonarten geschildert. Aber nirgends wurde aus den Religionsfrieden hingewiesen, welcher zweifelsohne nicht wenig zu den riesigen Erfolgen beigetragen hat, welche das englische Volk errungen. Wemr auch die vollständige Gleichberechtigung aller Konfessionen erst im Laufe dieses Jahrhunderts, und zwar seitdem die jetzige Regentin auf dem Throne sitzt, zum Gesetz erhoben worden ist, so war doch schon seit mehr als einem Jahrhundert nichts von einem derartigen Ringen und Kämpfen zwischen den Ange-

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