Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1897)
- Date
- 1897-07-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1099 len die Zuhörer zur Religiösität und Vaterlandsliebe anspornte. Unter den brausenden Eljenrufen aller Anwesenden schwang nun Graf Andrassy den ihm aus einer silbernen Tasse überreichten Hammer, und machte mit demselben die üblichen drei Schläge, woraus die anwesende Stadtrepräsentanz und die Intelligenz des Ortedas Gleiche thaten. Schweiz. Davos- (Schweiz.) (Das jüdische Sanat o r i n m.) In unserer Zeit der Tuberkulose und anderer Lungenkrankheiten ist Davos trotz seiner weltversteckten, von den Graubündner Bergriesen eingeschloffenen Lage ein so viel genannter und durch seine wunderbaren Heilerfolge bekannter Kurort, daß über die Oertlichkeit selbst wenig bemerkt zu werden braucht. — Seitdem es gar per Eisenbahn erreichbar ist, hat die Zahl derjenigen, die dort Heilung suchen und finden, von Jahr zu Jahr so überraschend zugenommen, daß sie sich gegenwärtig auf 15,000 — beläuft. — Wegen seiner milden, geschützten Lage, seiner unbedingten Reinheck und Dünne der Lust, absoluter Windstille und nebelfreier, klarer Wintertage, an welchen oft wochenlang bei tiefblauem Himmel die Sonnenausstrahlung 40 bis 50 Grad Celsius beträgt, wird Davos von Brust- und Lungenleidenden vor Allem als W i n t e r- und in den letzten Jahren auch als Sommerstation in immer größeren Dimensionen besucht. — Die Wintersaison beginnt mit dem Einschneien des Ortes, welches meist in der zweiten Hälfte des October stattfindet und endet mit der Ende März oder April eintretenden Schneeschmelze. Zu den Kranken, welche in Davos Heilung suchen, stellen unsere Glaubensgenoffen schon seit Jahren ein großes Kontingent. Denselben war es aber bisher nicht möglich, dem jüdischen Religionsgesetz gemäß zu leben. Dieser Mangel macht sich in Davos mehr, als in einem anderen Kurorte in empfindlicher Weise bemerkbar, was in der 5—6 Monate andauernden Kur seinen Grund hat. Am schmerzlichsten wird davon in erster Reihe der orthodoxe Jude betroffen, der die koschere Küche, Synagoge, Mikwa und alle anderen religiösen Gemeindeinstitutionen entbehren muß, die ihm zum unentbehrlichen religiösen Bedürfniß geworden find. Aber auch diejenigen, welche den Anforderungen des Religionsgesetzes sonst weniger gewissenhaft Rechnung tragen, empfinden als Kranke mehr als sonst das Bedürfniß der ergreifenden Wahrheit Rechnung zu tragen, die aus den göttlichen Worten spricht: „Wenn Du gewissenhaft gehorchst der Stimme Gottes, Deines Gottes, das in seinen Augen Rechte thust, Dein Ohr neigt seinen Geboten, und hütest alle seine Gesetze, so werde ich jede Krankheit, die ich in Egypten auferlegte. Dir nicht auferlegen, denn ich Gott bin Dein Arzt." (II. B. M., Cap. XV, V. 26.) Die judenfeindliche Strömung der letzten Jahre hat aber auch jüdischen Kurgästen, welche sich von den Satzungen des Judenthums gänzlich emancipirt haben, dennoch den Anschluß an Glaubens- und Leidensgegenoffen wünschenswerth erscheinen laffen, weil der Verkehr in nichtjüdischen Hotels wiederholt mit Zurücksetzungen und Kränkungen der verletzendsten Art verbunden war. Auf Grund dieser Erwägungen hatte Herr A. Hirsch, der schon seit vielen Jahren mit seiner Familie in Davos wohnt und alle einschlägigen Verhältnisse zur Genüge kennt, den Plan zur Errichtung eines Israelitischen Sanatoriums in großem Styl gefaßt. — Mit staunenswerther Energie und seltener Ausdauer hat Herr Hirsch die Verwirklichung dieses Ziels angestrebt und seiner unermüdlichen Ausdauer ist es gelungen, das Werk so zu fördern, daß der im Herbst 1896 begonnene Bau s. G. w. in diesem Herbst seiner Vollendung entgegengeht und nunmehr das Ganze zweifellos gesichert ist. Zunächst ließ es sich Herr Hirsch angelegen sein, die finanzielle Seite des großen Unternehmens auf solider Basis zu sichern. In richtiger Erwägung, daß es sich um eine That von weitgreifender, internationaler Bedeutung handelte, war Herr Hirsch mit gutem Erfolg bemüht, die angesehensten Finanzgrößen und sonstige Capaeitäten in den verschiedensten Ländern für seine Idee zu interessieren. Die klangvollen Namen der Herren, aus welchen sich das Centralcomite zusammengesetzt, machen jede weitere Bemerkung nach dieser Seite hin überflüssig. Es find dies die Herren: Rabbiner Dr. E h r m a n n in Baden (Schweiz), Di', med. W. Beeli in Davos—Platz, Dr. med. A. Nor dmann in Basel, Di* med. E. Ros enbaum in Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Kahn in Wiesbaden, Siegm. Kaufmann i. Fa.: Gebr. Feith in Mannheim, Dr. Hirsch Hildesheimer in Berlin, Julius Boden st ein in Berlin, Mr. le Grand-rabbin Zadok Kah n in Paris. Unter denjenigen, welche das Unternehmen durch ansehnliche Betheiligungen in hervorragender Weise förderten, nennen wir hier nur: Frau Baronin Willy v. R o t h s ch i l d in Frankfurt a. M. mit Frs. 10 000, Firma de Rothschild freres in Paris mit Frs. 5000, Sr. Exeellenz Lazare de Poliakoff in Moskau mit Frs. 2000, Herr Dr eyfu ß - Neumann in Basel mit Frs. 1000, Herr Wilhelm Moos in Gailingen mit Frs. 1000. Ferner von christlichen Privaten