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Der Israelit · 1897-07-15 · Heft 56 (15.7.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 56 (15.7.1897)
Date
1897-07-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1098 braucht hat, denn er hat nicht gemerkt daß die gleiche Richtung ein kräftiger Wind dahingestrichen, der ihm den größten Theil der Arbeit abgenommen. Der Andere braucht für dieselbe Strecke die doppelte Zeit, denn widrige Winde blasen ihm in's Gesicht und wenn er mit unendlicher Mühe sein Ziel erreicht hat und er nun froh in der Hoffnung wenigstens auf dem Heimweg vom Wetter begünstigt zu werden, dann hat der Wind plötzlich umgeschlagen und die gleiche Mühe und Anstrengung wie auf dem Herwege erwartet seiner auch auf der Rückreise. Die gleichen Erscheinungen, wie sie sich bei diesem Sport zeigen, sie zeigen sich auch bei jenem großen Sport, bei jener großen Rennjagd, die wir Leben nennen. Der Eine erreicht sein Ziel spielend, was er anfängt gelingt ihm, in kurzer Zeit ist er ein reicher Mann, er meint seine eigene Kraft, die Stärke seiner Muskeln hätten ihm das Alles verschafft, er weiß nicht, daß derjenige, der die Winde zu seinen Boten macht, helfend eingesprungen ist, ohne daß er es merkte, ohne daß er etwas dazu thut oder thun kann. Der Andere wiederum mag beginnen, was er nur will, es schlägt Alles fehl, alle Voraussetzungen sind gegeben, daß das Geschäft ein gutes werde und rrvtzdem gelingt es nicht. Es ist eben eine unsichtbare Kraft vorhanden, die ihm entgegenarbeitet und gegen die er umsonst anzukämvfen sucht. Wenn eben Gott das Haus nicht baut, vergebens mühen sich die Arbeiter. — — — — — — — — — Der Radfahrsabrikant war nachdenklich geworden, das Moschel aus seiuer Branche schien ihm nicht besonders gefallen zu haben, denn bei der nunmehr beginnenden Table d’hbte setzte er sich an das andere Ende, als das, an dem der junge Russe Platz genommen. Aeit«ng-na chrichte« rmd Eorresponderrzerr O e ft i r r.-U ngar. Monarchie. ** Wie«. Die „Neue Freie Presse" berichtet im Abendblatte vom 6. d. über die seit geraumer Zeit erfolgten Versuche, auf die Hörfähigkeit der Taubstummen durch Hörübungen einzuwirken und führt dann fort: Gegenwärtig haben die Hörübungen in Wien an der israelitischen Taubstummenschule im dritten Bezirke (Landstraße) eine vortreffliche Pflegestütte gefunden. Zufolge einer Anregung durch ein ehemalige» Vorstandsmitglied hat Prof. Urbrantschitsch im Februar 1896 seine Methode oer Hörübungen an dieser Anstalt demonstrirt, und der umsichtige und tüchtige Direktor, Herr Dr. Brunner, sowie alle Lehrer dieser Anstalt haben sich der Hörübungen mit voller Hingebung und großem Eifer angenommen. Die vom 1. März bis Ende Juni 1896 fortgesetzten Uebungen ergaben die erfreuliche Thatsache, daß sich von 80 Zöglingen 69 für dieselben geeignet erwiesen, darunter auch eine Gruppe von Kindern, die bis dahin als total taub angesehen wurde, ferner eine andere Gruppe, die nur ein schwaches Schallgehör aufwies. Alle Kinder dieser beiden Gruppen waren durch die Hör Übungen binnen vier Monaten dahin gelangt, nicht nur Vokale oder einzelne Consonanten, sondern sogar Silben oder einzelne Wörter durch das Ohr wahrzunehmen. Die andere Gruppe von Kindern, die anfänglich merkliche Gehörreste besaß, ergab besonders schöne und in einzelnen Fällen geradezu ftaunenswerthe Hörresultate. Auf Grundlage dieser Erfolge hat sich der Vorstand der israelitischen Taubstummenschule entschloffen, die Hörübungen in dieser Schule einzuführen, und zu diesem Zwecke täglich eine eigene Uebungsstunde angeordnet, welche den Lehrern in Berücksichtigung der großen Mühe, die diese Uebungen erfordern, auch besonders honorirt wird. Der Borstand hat die damit verbundene beträchtliche Erhöhung des jährlichen Budgets in Anbetracht des eminent humanen Zweckes nicht gescheut und ist auch entschloffen, diese Uebungen in der Folge beizubehalten. Durch diesen hochherzigen Entschluß haben die Hörübungen eine sichere, bleibende Stätte ihrer Förderung erhalten. Da die Hörübungen nach den g genwärtigen Erfahrungen mehr als dem brüten Theile aller Taubstummen, selbstverständlich in einem individuell sehr verschiedenen Grade zugute kommen, so ergibt sch daraus die große Bedeutung ihrer allgemeinen Durchführung; sind doch in Europa allein bei 200,000 Taubstumme! ** Budapest. (Graf Andraffy für eine orthodoxe Synagoge.) Das Städtchen Töke- TerebeS war vorige Woche der Schauplatz eines ebenso solennen wie hochherzigen Aktes. Die dortige orth. israel. Gemeinde besaß nämlich ein bescheidenes altes Bethaus, das ihr seinerzeit von den Ahnen der gräflich Andrassy'schen Familie zum Geschenk gemacht und im Vorjahre ein Raub der Flammen wurde. Da die Mitglreoerzahl der Gemeinde inzwischen bedeutend angewachsen ist, erwies sich der frühere Bauplatz als zu klein. Die isr. Gemeinde wandte sich daher an den ebenso edlen wie wahrhaft liberalen Gutsherrn Grafen Theodor Andraffy um Überlassung eines angrenzenden, ebenfalls sein Eigenthum bildenden Bauplatzes, welches Gesuch der Graf nicht nur bereitwilligst gewährte, sondern r spendete auch zum Bau 20,000 Stück Ziegel. Dieser edlen Thal setzte Graf Anoraffy nun die Krone auf, indem er zur Grundsteinlegung der neuzuerbauenden Synagoge persönlich erschien. Er wurde vom Gemeindevorftand mit Begeisterung empfangen und vom Rabbiner mit einer Ansprache begrüßt. Gras Andraffy erwiderte in enthusiastisch aufgenommener Rede, indem er in flammenden Wor

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