Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1897)
- Date
- 1897-07-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448758--44245-2493331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
©djure selbst wird von 2!l Kindern und zwar von 14 Mädchen und neun Knaben besucht. Schon jetzt bangen die Kinder mit inniger Liebe und Freundschaft an ihrem neuen Lehrer und es steht zu hoffen, daß in ganz kurzer Zeit auch hier die verschiedenen Volk-dialekte einem reinen Hebräisch den Platz machen werden. — » Vermischtes. Jnterlaken, 13. Juli. Bekanntlich ist die Entscheidung für einen bestimmten Sommeraufenthalt oft recht schwierig, besonders für denjenigen, welcher sich nicht mit einem ScheinnntCO begnügt, gleichzeitig aber auch auf ein angenehmes, freundliches Logis und gute Verpflegung reflcktirt. Zu un* serer freudigen Ueberraschung fanden wir dies alles hier vereinigt Pension Lcvy ist nunmehr in der reizend gelegenen, in einem hübschen, schattigen Garten ganz versteckten „Villa R iso ld" installiert. Die Verpflegung ist ausgezeichnet und genügt auch den verwöhntesten Ansprüchen, und kann daher ein Aufenthalt in der von orthodoxen Rabbiner empfohlenen Pension Leoy aufs Wärmste angerathen werden. Feuilleton. Alt KllkWksWtt» Dts alten MM Nacherzählt von Arnold Mann. (6 Es war eine fürchterliche Nacht für Dina, die Nacht vor Elias' Ankunft. Das Gift der gewissenlosen Verläumder wirkte nur zu gut, und wenn der kleine Herr Lehmann in K. geahnt hätte, wie sich Elias Friedmann's Braut in ihren Seelenqualen schier aufzehrte, er hätte triumphieren können. Je mehr sie darüber nachdachte, desto zweifelloser wurde es für Dina, daß Elias dem B lde entsprach, das man in K. von ihm entworfen hatte. Nicht als ob sie ihn haßte, im Gegentheil, weil sie ihn eben liebte und an seiner Seite sich ein Leben voll unendlicher Glückseligkeit erhofft hatte, darum bedrückte es sie doppelt, ihn nicht anders zu sehen, als die Mehrzahl der übrigen Männer, die in der Welt umhergekommen. Dann kamen wieder Momente, wo sie sich das Lächerliche ihres Argwohns vorwarf, wo sie der Auffassung Theresen's zuzuneigen schien, daß das ganze nur eine Erfindung sei, bestimmt, zwischen ihr und Elias Unfrieden zu stiften. So ward das gequälte Mädchen von einem Extrem ins andere geworfen, und als der Morgen graute und Therese der Freundin, mit der sie zusammen in der Qberftube schlief, ins Antlitz schaute, blickte sie in ein verstörtes, schmales und blasses Antlitz, auf dem die Qualen der durchwachten Nacht deutlich geschrieben standen. „Wie Du aussiehft," sagte Therese erschreckt, ehe sie sich hinab zum Vater begaben. „Nicht wahr?" erwiderte Dina, „wer hätte es auch gedacht, daß ich diesen Tag in solcher Berfaffung erleben würde?" „Ach, Du meinst die Geschichte von gestern? Armes Kind", schmeichelte Therese, „hast sie noch nicht vergeffen?" „Wie könnt' ich sie vergeffen haben?" jammerte Dina weiter. „Nun aber still", befahl Therese streng, „wir haben eine Probe verabredet, die soll's entscheiden!" „Aber ich rechne auf Deine volle Aufrichtigkeit" sagte Dina. Nach Frauenart hatte sie befchloffen, von dem Verlauf dieser Probe ihr Verhalten abhängig zu machen, obwohl sie sich nicht verhehlte, daß es für EliaS noch nichts beweise, wenn er an Therese gleichgültig vorüber gehen sollte. Aber diese Probe sollte entscheiden. Und war Therese nicht bezaubernd, wenn sie nur wollte? „Und Du mußt mir getreulich berichten," fuhr Dina fort, „wie er sich verhalten hat. Ist er so, wie man ihn schildert, so wirst Du's auf der Stelle merken. Derlei Naturen erkennt ein Mädchen, wie Du, auf der Stelle!" „Verlaß Dich aus mich", antwortete Therese „ich will ja nur Dein Bestes und wenn es wahr ist, so bin ich die erste, die Dich vor ihm behütet." David Rosenstock war nicht wenig erstaunt, als ihm seine Tochter um die Mittagszeit, kurz bevor er sich zur Bahn begab, um Elias abzuholen, erklärte, sie müsse schnell das Dorf hinauf zu Stiefel's, die kleine Fanny sei plötzlich krank geworden, sie wolle nach ihr seben. Bis der Vater mit Elias zurück sei, werde sie auch wieder da sein. Es war Dina nicht leicht geworden, die kleine Lüge dem Vater ins Gesicht zu sagen. Es war die erste ihres Lebens, und obwohl die kleine Fanny in der That erkrankt war, konnte sich Dina dennoch kaum vor sich selbst entschuldigen. Allein, was half's? Es mußte sein. Auch diese Lüge der Tochter gegen den Vater hatte der kleine Herr Lehmann in K. auf dem Gewiffen! Als Elias die Stube David Rosenstock's, seines künftigen Schwiegervaters, betrat, war er betroffen, Dina nicht vorzufinden. Statt ihrer kam ihm Therese entgegen und gab ihm freundlich lächelnd die Hand. „Mich kennen Sie wohl nicht?" sagte sie einfach, „ich habe Ihre Stelle vertreten!" „Therese Baum", sagte Rosenstock, „Dina's Freundin!-Ist Dina noch nicht zurück?" fuhr er dann, zu Therese gewendet fort, „sie ist zu der kranken Fanny. Elias, Du entschuldigst mich ein paar Augenblicke, der Knecht hat mich gerufen." Die Beiden waren allein. „Also Sie haben meine Stelle vertreten?" begann Elias, „da bin ich Ihnen ja zu Dank verpflichtet!"